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Erinnerung

Lehren ziehen aus Kampf gegen die WAA

Veteranen des Widerstands gegen die Aufarbeitungsanlage berichteten von ihren persönlichen Erfahrungen mit der Staatsmacht.
von Stefan Barte

Demonstranten protestieren am 31. März 1986 in Wackersdorf gegen den Bau der Wiederaufbereitungsanlage. Wackersdorf in Bayern steht wie kaum eine andere Gemeinde in Deutschland für den erbitterten Widerstand der Bevölkerung gegen die Atomenergie. Foto: Archiv/Istvan Bajzat/dpa
Demonstranten protestieren am 31. März 1986 in Wackersdorf gegen den Bau der Wiederaufbereitungsanlage. Wackersdorf in Bayern steht wie kaum eine andere Gemeinde in Deutschland für den erbitterten Widerstand der Bevölkerung gegen die Atomenergie. Foto: Archiv/Istvan Bajzat/dpa

Leonberg.Die Ortsvorsitzende der SPD Leonberg, Gabriele Karl, freute sich über regen Zuspruch zur Veranstaltung über den WAA-Widerstand. Viele damals führende Personen des Widerstands gegen die geplante Wiederaufarbeitungsanlage in Wackersdorf und interessierte Bürger jedes Alters waren in den Veranstaltungssaal des Clemenshauses gekommen. Ziel des Abends war es, die Ereignisse vor 30 Jahren durch Zeitzeugen in Erinnerung zu rufen und die daraus zu ziehenden Lehren an die jungen Generationen weiterzugeben.

Viele WAA-Veteranen berichteten aus ihrer ganz persönlichen Sicht über ihre Rolle bzw. ihre Erinnerungen zu den jahrelangen Demonstrationen im Taxölderner Forst. Wolfgang Nowak führte mit einer Slideshow und Original-Aufnahmen die Vorgänge wieder vor Augen. Der Altbürgermeister der Stadt Maxhütte-Haidhof, Detlef Richter, damals noch Lehrer für Physik und Chemie, war einer der ersten, der eine fachlich fundierte Stellungnahme zur WAA abgab, die auf die lauernden Gefahren aufmerksam machte, und viel Beachtung fand. Altlandrat Hans Schuierer war die Leitfigur des Widerstands.

Der WAA-Widerstand

  • Härte:

    Der geplante Bau der WAA versetzte die Oberpfalz in Aufruhr. Der Kampf gegen die Wideraufarbeitungsanlage dauerte von 1985 bis 1989. Es gab zahlreiche Verletzte. Erstmals wurden Wasserwerfer mit CS-Gas, Blendschockgranaten und Gummigeschosse gegen Demon stranten eingesetzt. Viele Polizisten quittierten nach den Einsätzen ihren Dienst.

  • Fernsehtipp:

    Der BR hat über Widerstands-Aktivistin Irmgard Gietl eine Dokumentation gedreht. Unter der Reihe „Lebenslinien“ wird diese am 16. Juli um 22 Uhr ausgestrahlt.

Er berichtete, wie er selbst „belogen, betrogen und verfolgt“ worden sei: „Das Recht wurde komplett missachtet, die Leute wurden schikaniert, die Rechtsstaatlichkeit stand auf dem Spiel. Ich sah, wie einer Frau durch einen Polizeihund ein Fleischstück aus dem Oberschenkel gerissen wurde und die Polizei anschließend verhinderte, dass man ihr half.“ Schuierer dankte allen, die sich damals eingesetzt haben. Man sehe, dass sich der Kampf der kleinen Leute gelohnt habe.

Gabriele Karl, Ortsvorsitzende der SPD Leonberg (vorne links), freute sich über das Kommen zahlreicher Zeitzeugen des Widerstands gegen den Bau der WAA sowie vieler interessierter Bürger.Foto: Barte
Gabriele Karl, Ortsvorsitzende der SPD Leonberg (vorne links), freute sich über das Kommen zahlreicher Zeitzeugen des Widerstands gegen den Bau der WAA sowie vieler interessierter Bürger.Foto: Barte

Irmgard Gietl war zwei- bis dreimal in der Woche am Bauzaun im Taxölderner Forst und versteht heute noch nicht, warum sie nie Recht bekommen habe. „Ich habe durch CS-Gas einen Lungenschaden erlitten. Viele sind nach dem Scheitern der WAA nach Altötting gegangen, ich zur SPD“, berichtete sie.

Lesen Sie mehr: Der neue WAA-Film erzählt von den Anfängen der Proteste. Er will Fiktion sein – und kann doch von der Realität nicht lassen.

MdL Franz Schindler nannte es gut und wichtig, dass es eine Erlebnisgeneration gebe, die ihre Erfahrungen nun weitergebe. Es sei keineswegs sicher gewesen, dass der Widerstand gegen die WAA erfolgreich sein würde, „es gab damals auch viele Profiteure und Kollaborateure“, so Schindler. Glück im Unglück war aus seiner Sicht der Nuklearunfall von Tschernobyl, dessen Effekt wichtig gewesen sei. „Es gab damals noch Chefredakteure, die selbst berichteten, Künstler und Lehrer, die merkten, dass etwas brodelte, und die Symbolfigur des Landrats, die den Laden zusammenhielt. Was mir fehlt, ist die Nachhaltigkeit. Ich habe keine Erklärung dafür“, so Schindler.

Der Konflikt um die geplante Wiederaufarbeitungsanlage in Wackersdorf prägte die Menschen. Sämtliche Informationen zu diesem Thema finden Sie hier.

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