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Digitalisierung

Lernen mit dem Smartphone

Handys im Klassenzimmer: Das CFG nimmt als eine von zwei Schulen im Landkreis an einem bayernweiten Schulversuch teil.
Von Hubert Heinzl

  • Ich muss hier draußenbleiben: Handy-Nutzung ist am CFG bisher auf dem Schulgelände nur in Ausnahmefällen erlaubt. Foto: Heinzl
  • Schulleiter Dr. Johannes Werner Foto: Heinzl

Schwandorf.Die Digitalisierung hält Einzug an Bayerns Schulen – zunächst allerdings noch in Trippelschritten. Am Schwandorfer Carl-Friedrich-Gauß Gymnasium immerhin dürfen mit dem beginnenden Schuljahr Smartphones nicht mehr nur außerhalb des Schulgeländes, sondern auch im Klassenzimmer verwendet werden – freilich in allererster Linie zu Unterrichtszwecken. Ende Juli hatte sich das CFG für den bayernweiten Versuch beworben; jetzt bekam man den Zuschlag als eine von 135 Bildungseinrichtungen im Freistaat. Im Landkreis Schwandorf ist laut Kultusministerium sonst nur noch die Mittelschule Schmidgaden an dem auf zwei Jahre angelegten Projekt beteiligt.

Schulleiter Dr. Johannes Werner freut sich über die Zusage aus München. Sie passt gut in das neue Medienkonzept, das am CFG wie an allen anderen weiterführenden Schulen gerade im Werden ist. Und dass das Kollegium nicht einfach nur mehr Arbeit, sondern auch eine „projektgebundene Anrechnungsstunde“ obendrein bekommt, sieht er als weiteren Anreiz.

Fotos von Tafelbildern

Handys am Carl-Friedrich-Gauß Gymnasium – der berühmte Mathematiker hätte an den mobilen Zauberkästen womöglich seine Freude gehabt, doch auf dem Schulgelände war ihr Gebrauch bisher nur in Ausnahmefällen und unter Aufsicht erlaubt. Wem plötzlich schlecht wurde, der konnte im Sekretariat per Handy das Eltern-Taxi verständigen. „Und auf Nachfrage durften in den höheren Klassen schon einmal komplizierte Tafelbilder abfotografiert werden“, sagt Dr. Werner. Ansonsten: Fehlanzeige.

Was sich aus Sicht der Schüler wie eine Schikane anhören mag, ist keine pädagogische Besonderheit des CFG, sondern in Artikel 56 des Bayerischen Erziehungs- und Unterrichtsgesetzes so festgelegt. Und auch damit steht das Schwandorfer Gymnasium nicht allein, dass sich nicht alle daran halten. „Etwa zwei- bis dreimal pro Woche“, schätzt der Schulleiter, werden am CFG Handy-Sünder erwischt und von den Lehrkräften ermahnt. Bei „gravierenden Fällen“ wie dem Handy-Entzug unter der Schulbank droht die Höchststrafe – Smartphone-Entzug!

Die Teilnahme am Schulversuch erlaubt jetzt eine Aufweichung des strikten Regimes – freilich in erster Linie zu pädagogischen Zwecken. Wann und wie die Smartphones für den Unterricht genutzt werden sollen, steht noch nicht fest. Eine Planungsgruppe aus dem Kollegium wird laut Dr. Werner noch einige Zeit damit beschäftigt sein, „ein handhabbares Modell“ zu entwickeln. Und auch die Eltern und Schüler, die sich im Schulforum einstimmig für den Schulversuch ausgesprochen haben, sitzen mit im Boot. Offizieller Start mit einem ausgearbeiteten Konzept soll dann spätestens im zweiten Halbjahr 2019 sein.

Möglichkeiten, die Handys an der Schule sinnvoll zu nutzen, gibt es viele. Das reicht laut Dr. Werner vom „Schüler-Feedback zur Unterrichtsstunde“ über Quiz-Applikationen bis hin zur Google-Recherche über Fachfragen – und geht über die übliche schulbezogene Kommunikation per E-Mail oder in WhatsApp-Gruppen deutlich hinaus. Auch Privatgespräche oder -chats soll es künftig auf dem Schulgelände geben dürfen – allerdings nicht völlig frei, sondern „in einem gewissen Rahmen“, wie Dr. Werner einschränkt. „Eine Art Telefonzelle“ mit festen Sprechzeiten schwebt dem Schulleiter vor, aber das ist zunächst einmal nur seine Privat-Idee.

Wie die Smartphone-Nutzung am Ende ins gesamte Medienkonzept eingebaut werden kann, muss sich aber erst noch zeigen. Das hängt unter anderem von der Ausstattung des Gymnasiums mit weiterer Hardware ab. Am Gauß-Gymnasium stehen erst einmal Tablet-PCs auf der Wunschliste. Die Anschaffung wird vom Freistaat gefördert – bis Ende September hofft man beim Landratsamt Schwandorf auf den Bescheid. „In den nächsten Tagen“, sagt Pressesprecher Hans Prechtl, werden zwei Mitarbeiter des Hauses an den weiterführenden Schulen unterwegs sein, um Bedarf und Konzepte zu besprechen.

Die zweite Voraussetzung für den Smartphone-Unterricht – funktionierendes W-LAN – ist am CFG zurzeit nur eingeschränkt erfüllt. Zugang ins Netz haben die Schüler(innen) in den beiden Rechner- und in einzelnen Fachräumen, noch nicht aber in jedem Klassenzimmer. Aber auch hier ist ein Happy-End absehbar: Nach dem Zeitplan des Landratsamts, der von den Kreistagsausschüssen natürlich noch abgesegnet werden muss, kommt das Schwandorfer Gymnasium im Jahr 2019 an die Reihe.

Schülersprecher findet’s gut

Bei den Schülern, die zu 99 Prozent ein Smartphone haben, kommt die neue Offenheit an. Fabian Liebl, bis Oktober gewählter Schülersprecher, findet es „an der Zeit, dass man Handys auch in den Unterricht einbindet“. Und in bestimmten Bereichen, sagt er, sollte man auch eine private Nutzung erlauben. „Denn die bisherigen Abläufe sind einfach viel zu kompliziert.“

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Der Ist-Zustand

  • Handys:

    Smartphones müssen bisher am CFG auf dem Schulgelände ausgeschaltet werden. Ausnahmen: Privatanrufe im Sekretariat in dringenden Fällen; Nutzung zur Fotodokumentation nach Absprache im Unterricht.

  • Internet-Zugang:

    Einen Internetzugang gibt es bisher in den beiden Rechnerräumen, außerdem über W-LAN in einzelnen Fachräumen. Über ein flächendeckendes W-LAN-Netz verfügt das Gauß-Gymnasium bisher noch nicht.

  • Tablets:

    Auf der Wunschliste des Carl-Friedrich-Gauß Gymnasiums stehen außerdem noch Tablets für die schulische Nutzung. Bisher verwenden lediglich einzelne Lehrkräfte private Geräte für den Unterricht an der Schule. (hh)

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