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Jubiläum

Mahner für den Frieden

Der KSV Pottenstetten feierte sein 100-jähriges Jubiläum. Er gilt als ein Vorzeigeverein im Kreisverband Schwandorf.
Von Josef Schaller

Beim Kommersabend des Krieger- und Soldatenvereins Pottenstetten anlässlich der 100-Jahr-Feier wurden 82 Kameraden geehrt.  Foto: Josef Schaller
Beim Kommersabend des Krieger- und Soldatenvereins Pottenstetten anlässlich der 100-Jahr-Feier wurden 82 Kameraden geehrt. Foto: Josef Schaller

Pottenstetten.Der Krieger- und Soldatenverein Pottenstetten feierte am Samstag sein 100-jähriges Jubiläum. Das älteste Mitglied und letzter aktiver Kriegsteilnehmer, der 97-jährige August Pleyer, musste aus gesundheitlichen Gründen der Veranstaltung fernbleiben. Der Großteil der insgesamt 111 Mitglieder wurde im Rahmen eines Kommersabends wegen langjährige Treue zum Verein oder wegen besonderer Verdienste mit Ehrennadeln ausgezeichnet. Der Vorsitzende Robert Graf wurde vom Kreisverband mit der Ehrennadel der Stufe Gold und von der Bayerischen Kameraden- und Soldatenvereinigung mit dem Verbandsverdienststeckkreuz geehrt.

Bevor das Jubiläum gebührend gefeiert wurde, fand am Kriegerdenkmal vor der Kirche ein Totengedenken statt, das mit dem Ehrensalut und dem Lied vom guten Kameraden beendet wurde. Pfarrer Franz Baumgartner zelebrierte anschließend einen Festgottesdienst. Dabei wurde unter anderem auch den Menschen gedacht, die diesen Verein unter schwierigsten Umständen ein Jahr nach Ende des Ersten Weltkrieges aus der Taufe gehoben haben.

Verein war einst Seelentröster

Zu dieser Zeit gab es keine psychologische Hilfe, die posttraumatischen Erlebnisse des Krieges zu verarbeiten. Man traf sich am Sonntagnachmittag im Wirtshaus, um sich das Erlebte von der Seele zu reden. Das sei der Grund für die Gründung der Krieger- und Soldatenvereine in der damaligen Zeit gewesen, wie der Vorsitzende Robert Graf betonte.

So wurde damals unter dem zum Vorsitzenden gewählten Versicherungskaufmann Josef Meier aus Saaß in der Gastwirtschaft Hofmann auch der Krieger- und Soldatenvereins Pottenstetten gegründet. Kameradschaftsgeist, Brauchtums- und Heimatpflege, sowie Ehrung der Toten und die Treue zum Verein wurden als Grundwerte in den Mittelpunkt des Gründungsauftrages gestellt.

Vereins-Vorsitzende

  • Josef Meier

    war Gründungsvorsitzender. 1933 wurde nach der Machtübernahme der Nazis jegliche Vereinstätigkeit verboten.

  • Johann Obermeier

    übernahm nach der Wiedergründung im Jahr 1965 den Vorsitz.

  • Weitere Vorsitzende

    August Pleyer (1982 bis 1983), Josef Bäuml (1983 bis 1996), Robert Graf (seit 1996).

Das festliche Gedenken an die Gründung des Vereins beweise den Willen, den bisher gepflegten Tugenden auch in Zukunft die Treue zu halten und die Liebe zur Heimat zu pflegen, sagte der BKV-Bezirksvorsitzende Josef Hartinger bei seiner Begrüßungsrede. Der Verein pflege die Verbundenheit mit den Toten der schrecklichen Kriege und die Kameradschaft der Lebenden untereinander. BKV-Kreisvorsitzender Michael Nagy bezeichnete den KSV Pottenstetten als einen der Vorzeigevereine im Kreisverband Schwandorf, der den Übergang auf die junge Generation in vorbildlicher Weise geschafft habe. BKV-Bezirkspräsident Hans Schiener betitelte die Krieger-, Soldaten- und Reservistenvereine als „die größte Friedensbewegung“.

Zivilcourage beweisen

Es sei keine Selbstverständlichkeit, dass wir seit 1945 in Frieden leben können, sagte stellvertretender Landrat Jakob Scharf. In vielen Regionen der Welt sei das nicht so. Frieden gebe es auch bei uns nicht geschenkt. „Wir müssen aktiv gegen Hass und Gewalt in unserem Umfeld eintreten und Zivilcourage beweisen.“ Gerade in Zeiten, wo der Rechtsradikalismus und der Antisemitismus wieder überall zu spüren sei, müssten Krieger-, Soldaten- und Reservistenkameradschaften sagen: Stop! „Wenn es verantwortliche Politiker gibt, die den Holocaust bezweifeln oder die Nazizeit als einen Fliegenschiss bezeichnen, müssen wir aufhorchen.“

Vor dem Ersten Weltkrieg habe es kein Bewusstsein gegeben, wie schlimm ein Krieg sei, sagte 3. Bürgermeister Josef Gruber. Es sei eine wichtige Aufgabe der Kameradschaften, ein solches Bewusstsein zu schaffen und einzutreten für die Überzeugung: „Nie wieder Krieg“.

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