MyMz
Anzeige

Menschen

„Man muss mit dem Herzen erzählen“

Märchenerzählerin Heidi Pongratz aus Bodenwöhr nimmt ihre kleinen und großen Zuhörer mit in zauberhafte Welten.
Von Renate Ahrens

Bücher sind der „größte Schatz“ von Heidi Pongratz. Sie könnten trösten, aufheitern, Mut machen und sind aus aus ihrem Leben nicht wegzudenken.
Bücher sind der „größte Schatz“ von Heidi Pongratz. Sie könnten trösten, aufheitern, Mut machen und sind aus aus ihrem Leben nicht wegzudenken. Foto: Ahrens

Bodenwöhr.Es war einmal ein grauer, windiger Sonntagnachmittag in Bodenwöhr, da entführte eine gute Fee in Gestalt der Märchenerzählerin Heidi Pongratz die Zuhörer im Pfarrheim in eine andere, zauberhafte und farbenfrohe Welt. Die Reise ging in den Orient, nach Afrika und Asien und hatte immer ein Thema: die Liebe. Die Geschichten bei der Benefizveranstaltung der Bürgerhilfe Bodenwöhr gingen, wie von Pongratz beabsichtigt, direkt ins Herz.

Gebannt lauschte das Publikum tiefsinnigen, aber auch romantischen und lustigen Märchen, musikalisch umrahmt von der Gruppe „Vielsaitig“.

Auch für Erwachsene geeignet

„Es ist ein Klischee, dass Märchen nur etwas für Kinder sind“, sagt die 51-Jährige, die die Geschichten immer frei erzählt. „Märchentante“ oder „Märchenstunde“ – diese Worte mag sie gar nicht. „Märchen werden völlig unterschätzt“, sagt sie. „Sie können auch Erwachsene auf den richtigen Weg bringen.“ In der Welt der Märchen lernen Kinder und Erwachsene viel über und für das Leben, ist sie überzeugt. Die Goldmarie aus dem Märchen „Frau Holle“ kommt mit Liebe und Hilfsbereitschaft gut durchs Leben, während die Pechmarie, die immer nur ihren Vorteil sucht, mit Pech überschüttet wird. Die böse Hexe wird am Ende besiegt. Das Leben kann auch unter schwierigen Umständen gemeistert werden – das ist die zentrale Botschaft.

„Ich liebe neue Herausforderungen.“

Heidi Pongratz

Aber wie gerät man in die Zunft der Märchenerzähler? Schon seit vielen Jahren hat Heidi Pongratz mit Kranken und Menschen mit Behinderung zu tun. Einmal im Jahr betreut sie in Altötting in einem Hotel Menschen mit Behinderung, die dort Urlaub machen, und gestaltet unter anderem das Abendprogramm. Nachdem ihr dort das Erzählen von Geschichten so viel Freude gemacht hat, entschloss sie sich, 2004 zu einer professionellen, eineinhalb Jahre dauernden Erzählausbildung. „Ich liebe neue Herausforderungen“, sagt sie begeistert.

Heidi Pongratz ist als Märchenerzählerin in ihrem Element.
Heidi Pongratz ist als Märchenerzählerin in ihrem Element. Foto: Ahrens

Gestik und Mimik unterstützen, wie auch beim Erzählen der Märchen, ständig ihre lebendigen Erklärungen; sie beschreibt mit Händen, was sie sagen will und kann beim Gespräch mit der MZ kaum still sitzen. Man hört ihr gerne zu. „Man muss mit dem Herzen erzählen“, ist sie überzeugt. Die Technik wie Betonung oder Tempo könne man lernen, den eigenen Erzählstil müsse man selbst finden. Kinder würden immer sofort eintauchen in die Welt der Märchen, sagt sie. „Oft sind dort schwierige Prüfungen zu bestehen. Man wird verzaubert, in einen Frosch verwandelt oder versteinert. Aber fast immer gehen Märchen gut aus. Das ist für kleine Kinder sehr wichtig.“ Die größeren Kinder würden lernen, nicht gleich aufzugeben, wenn etwas nicht sofort klappt. Im Märchen muss man oft gleich drei Prüfungen bestehen, aber schließlich wird man erlöst. „Vertrau auf dich und probiere es noch einmal – dann wird das Böse bestraft und die Gerechtigkeit siegt“, erklärt die Mutter zweier erwachsener Kinder die Kernaussage. „Ein Kind, das mit Märchen aufwächst, wird eine positive Lebenseinstellung haben, kann sich besser in Menschen hineinversetzen und geht gestärkt durch das Leben.“

„Ich finde tiefsinnige Geschichten wunderschön oder Märchen, in denen starke Frauen vorkommen.“

Heidi Pongratz

Welches aber ist ihr eigenes Lieblingsmärchen? Pongratz strahlt. „Ich finde tiefsinnige Geschichten wunderschön oder Märchen, in denen starke Frauen vorkommen – Frauen, die ihr Leben selbst in die Hand nehmen, die Mitgefühl haben und aktiv sind.“ Das ist, als ob Heidi Pongratz sich selbst beschreibt, denn eine weitere ihrer vielen Tätigkeiten ist die Hospizbegleitung. Als „gute Fee“ betreut sie ehrenamtlich bei der Caritas-Sozialstation in Nittenau seit 1999 Sterbende, Kranke und deren Angehörige. „Das war die beste Entscheidung meines Lebens“, erklärt Pongratz. „Diese Arbeit wirft dich auf das Wesentliche zurück und ist enorm bereichernd.“

„Gute Fee“ als Hospizbegleiterin

Natürlich, so Pongratz, denke sie manchmal auch an den eigenen Tod. „Es stirbt jeder am liebsten daheim, aber es wirft auch die Frage auf, was mutet man den Angehörigen zu?“ Viele wollen den Kindern nicht zur Last fallen, erlebt sie oft mit. „Man kann es nicht von den Kindern verlangen, aber man kann es hoffen, dass sie sich kümmern“, sagt sie nachdenklich und ohne große Gesten.

„Das Lachen, die Freude und die Ausgelassenheit, aber auch der Tod gehören zum Leben.“

Heidi Pongratz

Manchmal, wenn sie das möchten, erzählt sie den Todkranken und den Angehörigen auch Märchen. Zum Beispiel das Märchen vom kleinen Mädchen, das stirbt, dem es aber im Himmel dann viel besser gehe. Aber sie erzählt den Kranken auch lustige Geschichten und lacht viel mit ihnen. „Das Lachen, die Freude und die Ausgelassenheit, aber auch der Tod gehören zum Leben.“

Aktuelle Nachrichten aus dem Raum Nittenau lesen Sie hier.

Pongratz und die Bürgerhilfe

  • Die Märchenerzählerin:

    Eine der Lieblingstätigkeiten von Heidi Pongratz ist das Verfassen und Erfinden von persönlichen Märchen zu Hochzeiten, Ehejubiläen oder Geburtstagen, abgestimmt auf die jeweilige Lebens- oder Liebesgeschichte. Anekdoten wie die Geschichte vom Bräutigam, der wegen Eisregens zu spät kommt, wird geschickt in ein Märchen von der bösen Fee verwandelt, die ihren Eisatem aushaucht und die Straße in einen Zauberspiegel verhext. Weitere Infos gibt es bei Heidi Pongratz unter der Telefonnummer (01 62) 18 36 34 9.

  • Der Verein Bürgerhilfe Bodenwöhr:

    Er versteht sich als unbürokratischer, schneller und kurzzeitiger Helfer in der Not, zum Beispiel bei Hilfe im Haushalt, bei der Vermittlung von Dienstleistungen, als Fahrdienst oder bei Beratung. Zur Bürgerhilfe gibt es weitere Informationen unter Tel. (01 75) 49 55 56 5 oder im Internet unter www.buergerhilfe-bodenwoehr.de .

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht