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Projekt

Manegenluft statt Schulstress

Eine Woche lang dürfen Grundschüler Zirkusluft hinter und in der Manege schnuppern. Was sie dabei lernen, wird auch gezeigt.
Von Ralf Gohlke

  • Jetzt heißt es für 304 Grundschüler fleißig trainieren, um dann an vier Abenden eine möglichst perfekte Zirkusvorstellung abzuliefern. Foto: R. Gohlke
  • Die Kids zeigten sich beeindruckt von den Leistungen ihre Trainer. Foto: ggo
  • Sinnreiche Orientierungshilfen für 304 Kinder. Foto: ggo

Neunburg.Wer eines der derzeit in Deutschland bekanntesten vier Zirkus-Projekte für seine Schule engagieren möchte, braucht einen langen Atem. „Die Projekte haben eine Vorlaufzeit von bis zu vier Jahren“, weiß Grundschulrektorin Sabine Bauer aus eigener Erfahrung. Die Grundschule Neunburg hat es geschafft und seit Montag üben und trainieren 304 Schülerinnen und Schüler für ihre großen Auftritte vor echtem Publikum als Clowns, Akrobaten, Zauberer oder Tierbändiger. Jeder von ihnen hatte die Auswahl in einer von zehn Kategorien und konnte das nehmen, was ihm am meisten lag. Ein Wechsel wäre, laut Bauer sogar auch noch möglich.

„Die Idee kam zustande, weil schon frühzeitig feststand, dass wir durch den Umbau bedingt, in dem Schuljahr über keine Turnhalle verfügen konnten“, erklärte die Rektorin im Gespräch mit unserem Medienhaus. Soweit es möglich gewesen sei, habe der Sportunterricht im Freien stattgefunden oder wurden die kleine Ersatzturnhalle oder andere Möglichkeiten genutzt.

Balance und Jonglage geübt

Neben dem üblichen Bewegungssport der Grundschüler sei aber auch schon bewusst auf die Zirkuswoche hin trainiert worden. Dazu gehörten Balancierübungen ebenso wie Jonglage und einfache Akrobatik.

Das Feuerspucken werden sie wohl eher den Profis überlassen, aber eine Feuershow ist geplant. Foto: ggo
Das Feuerspucken werden sie wohl eher den Profis überlassen, aber eine Feuershow ist geplant. Foto: ggo

Zudem seien die Kinder auch in die Werbung mit einbezogen worden. Einige Klassen haben Plakate selbst gestaltet und die vierte Klasse besuchte sogar Peter Gillitzer vom Ordnungsamt der Stadt, um sich nach den Bedingungen für den öffentlichen Aushang zu erkundigen.

Für Sabine Bauer war es auch wichtig, dass die Kinder für diese Woche altersgemischt aus dem gewohnten Klassenverbund herausgelöst werden. Die einzige Schwierigkeit sei es gewesen, 304 Kinder in zwei Gruppen aufzuteilen, sodass jedes von ihnen zwei Vorstellungen zu gestalten habe. Ein Lob ging an die Eltern, die bereits beim Zeltaufbau kräftig mit handangelegt hatten.

Circusluft schnuppern

  • Eingestimmt:

    Bei der Eröffnungsvorstellung durch die Artisten der verschiedenen Genres wurden die Schüler schon mal kräftig mit eingebunden, um für die kommenden Tage richtig in Zirkus-Stimmung zu kommen.

  • Test:

    Ganz schön spitz so ein Nagelbrett. Der Fakir ging durch die Reihen und ließ die Echtheit prüfen. Einige Schüler haben sich dafür entschieden, in seine Fußstapfen zu treten, um mit ihm die Nummern für die großen Aufführungen im Laufe der Woche zu proben.

  • Zirkus-Flair:

    Eine Woche lang ergänzen das Zirkuszelt und die Wohnwagen die Schullandschaft an der Austraße. Die Grundschüler trainieren dort und in der Sporthalle eifrig, für ihre großen Auftritte am Mittwoch, Donnerstag, Freitag und Samstag.

  • Vielfalt:

    Aus zehn Angeboten konnten sich die Schüler das aussuchen, was sie ihnen am meisten Spaß macht. Die Auswahl reichte von den Clowns über die Akrobaten bis zu den Zauberern oder „Domteuren“. Sollte die Wahl doch nicht optimal gewesen sein, ein Wechsel war möglich.

Für das Projekt in Neunburg, das auch vom Kreisjugendamt unterstützt wird, zeichnet diesmal der Projektzirkus Probst verantwortlich. „Kaum ein Kind kennt noch einen echten Zirkus und die Welt der Elektronik lässt sie ohnehin immer weiter von der Realität abdriften“, weiß der Projektleiter, Andreas Blessmann.

Rektorin Sabine Bauer steht voll hinter dem Zirkusprojekt. Foto: ggo
Rektorin Sabine Bauer steht voll hinter dem Zirkusprojekt. Foto: ggo

Daher sei es wichtig, verschiedene Altersgruppen in einem gemeinsamen Projekt zusammenzufassen. Dabei lernten sie zum Beispiel, dass sich der eine auf den anderen verlassen können und die Größeren auf Kleineren Rücksicht nehmen müssten. Erlernt werde dabei Disziplin, Pünktlichkeit und Zusammenhalt.

„Die Kinder ahnen jetzt noch nicht, dass sie richtig an sich arbeiten müssen“, meinte er mit einem Schmunzeln. Schließlich würden Kinder die zweistündige Vorführung komplett selbst gestalten. Er stellte heraus, dass dafür „klare Ansagen“ durch die Trainer erforderlich seien. Die Lehrer agierten hier nur als Begleitpersonal.

Vier Vorstellungen geplant

Die Einstimmung der jungen Zirkus-Helden erfolgte durch eine Show ihrer künftigen Trainer, bei der sie aber bereits als Team aufeinander eingeschworen wurden, unter anderem mit dem gemeinsam gesungenen Titelsong „Im blau-weißen Zirkuszelt“. Sie erhielten so schon mal einen Einblick, in das, was sie erwarten würde, von der Feuershow über Zaubertricks bis zum Umgang mit Kleintieren.

Auch „wilde Tiere“ müssen gezähmt werden. Foto: ggo
Auch „wilde Tiere“ müssen gezähmt werden. Foto: ggo

Gut vorbereitet erfolgte die Gruppenaufteilung. Ähnlich dem von Reiseführern gern benutzten grellbunten Regenschirm, gab es große Pappschilder für die Gruppenzugehörigkeit zu A oder B sowie die jeweilige Sparte. Für die Lehrkräfte gab es zusätzlich eine Namensliste. Andreas Blessmann gruppierte die Sparten in verschiedenen Bereiche des Zelts, wo sie dann von den zuständigen Trainern übernommen wurden. Für diejenigen, die das Trapez als ihr Übungsobjekt ausgewählt hatten, ging es dann im Zelt gleich zur Sache. Die übrigen Gruppen verteilten sich auf verschiedene Räume. Die öffentlichen Aufführungen finden am Mittwoch, Donnerstag und Freitag jeweils um 17 Uhr und am Samstag, bereits um 10 Uhr statt.

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