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Engagement

„Mister Courage“ sucht neue Kollegen

Die Sicherheitswacht im Städtedreieck braucht Verstärkung. Christoph Ludwig hat als Mann der ersten Stunde allerhand erlebt.
Von Thomas Rieke

Christoph Ludwig ist ein Urgestein der Sicherheitswacht im Städtedreieck, die vor zwölf Jahren ins Leben gerufen wurde. Unser Bild zeigt ihn zusammen mit stellvertretendem Inspektionsleiter Markus Schmitt (rechts) und POK Werner Keller. Foto: Rieke
Christoph Ludwig ist ein Urgestein der Sicherheitswacht im Städtedreieck, die vor zwölf Jahren ins Leben gerufen wurde. Unser Bild zeigt ihn zusammen mit stellvertretendem Inspektionsleiter Markus Schmitt (rechts) und POK Werner Keller. Foto: Rieke

Burglengenfeld. Immer mehr Leistungsträger unserer Gesellschaft klagen, Beruf, Familie und andere Verpflichtungen schränkten ihre Freizeit so stark ein, dass für ehrenamtliches Engagement kein Spielraum mehr sei. Sportvereine, die händeringend nach Jugendbetreuern suchen, wissen ebenso ein Lied davon zu singen wie Feuerwehren, die Probleme haben, die sogenannte Tagesalarmsicherheit zu gewährleisten.

Ausnahmen bestätigen bekanntlich die Regel. Christoph Ludwig ist einer jener Zeitgenossen, die das Ehrenamt noch immer groß schreiben. Seit über dreißig Jahren gehört er der Freiwilligen Feuerwehr Teublitz an, seit zwölf Jahren ist er Mitglied der 2007 gegründeten Sicherheitswacht (SiWa) im Städtedreieck. „Ich hatte keine Ahnung, was da auf mich zukommen würde. Aber ich wusste, dass ich mich engagieren wollte“, berichtet der 47-jährige Dreher.

Den Respekt mühsam erkämpft

Bereut hat Ludwig den Schritt bis heute nicht, obwohl der Anfang alles andere als angenehm war. Das lag weniger an der umfangreichen Schulung, die er zu absolvieren hatte, um offiziell als Mitglied der SiWa auftreten zu dürfen, vielmehr war das Verhalten jener Leute, derentwegen die Sicherheitswacht in Leben gerufen worden war, ursächlich. Ludwig erinnert sich: Vor einer bekannten Location in der Burglengenfelder Innenstadt sammelten sich nachts regelmäßig bis zu hundert Personen, um zu rauchen und zu plaudern. Weil dabei auch reichlich Alkohol floss oder viele vorher schon getrunken hatten, verursachte das einen unangenehmen Lärmpegel. Die Angehörigen der Sicherheitswacht versuchten, die Leute zur Raison zu bringen, doch mit dem Respekt war es nicht weit her. Einige Nachtschwärmer zeigten sich besonders unbelehrbar, glaubten, mit aggressivem Verhalten und massiven Beleidigungen vor ihren Kumpels glänzen zu können. Erst als Anzeigen erstattet worden waren und sich die ersten Maulhelden vor Gericht verantworten mussten, setzte ein Lernprozess ein; nach und nach beruhigte sich die Lage, und Ludwig fühlte sich bestätigt, dass sein Engagement doch irgendwie Sinn macht.

Sinn der SiWa und ihre Kompetenzen

  • Zweck:

    In der Sicherheitswacht (SiWa) wirken Bürger an der Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung mit.

  • Befragung:

    SiWa-Angehörige sind befugt, eine Person nach deren Wahrnehmung zu Ereignissen oder Personen zu befragen, wenn anzunehmen ist, dass sie nützliche Angaben machen kann.

  • Identitätsfeststellung:

    Zur Abwehr einer Gefahr dürfen SiWa-Mitglieder die Identität der verantwortlichen Person feststellen. Sie können dazu verlangen, dass die Person mitgeführte Ausweispapiere aushändigt und Kleidungsstücke, die eine Feststellung der Identität verhindern, abnimmt. Ferner darf die SiWa zur Gefahrenabwehr eine Person vorübergehend von einem Ort verweisen. (Quelle: Gesetz über die Sicherheitswacht in Bayern)

Die Sicherheitswacht im Städtedreieck verfügt über ein Einsatzfahrzeug – was in Bayern angeblich einmalig ist. Finanziert haben den schnuckeligen Nissan die drei Kommunen. Foto: Rieke
Die Sicherheitswacht im Städtedreieck verfügt über ein Einsatzfahrzeug – was in Bayern angeblich einmalig ist. Finanziert haben den schnuckeligen Nissan die drei Kommunen. Foto: Rieke

Die SiWa im Städtedreieck startete mit acht patenten Männern und Frauen; schnell entwickelten sich eingespielte Teams. Den Dienstplan dürfen die Zugehörigen selbst stricken; als Koordinator der PI steht Oberkommissar Werner Keller zur Seite. Offizieller, per Gesetz geregelter Auftrag ist es, die Polizei bei der Erfüllung ihrer Aufgaben zu unterstützen. Stellvertretender Inspektionsleiter Markus Schmitt konkretisiert: „Die Sicherheitswacht bringt uns den Vorteil, dass wir auch Räume beleuchten, in denen die Polizei nicht ständig präsent sein kann.“ Für alle drei Kommunen des Städtedreiecks gibt es eine Liste von Örtlichkeiten, die Ludwig und Co an Wochenenden und Feiertagen abends systematisch aufsuchen. Örtlichkeiten, von denen bekannt ist, dass dort Alkohol konsumiert wird oder auch Sachbeschädigungen begangen werden.

„Als wenn wir dazugehörten“

Laut Schmitt hat sich die Sicherheitswacht im Städtedreieck auf alle Fälle bewährt; die anfängliche Skepsis unter den Beamten der PI sei längst gewichen. Das Verhältnis sei geprägt von Kollegialität, „als wenn wir dazu gehörten“, bestätigt Ludwig. Und doch hat die SiWa aktuell mit einem größeren Problem zu kämpfen. Die Mannschaft ist aus verschiedenen Gründen auf die Hälfte geschrumpft. Mindestens zwei Personen Verstärkung wären dringend erforderlich.

Wer Interesse hat und sich informieren will, melde sich bei der Inspektion in Burglengenfeld unter Tel. (09431) 70150. Nach einer Schulung durch das Polizeipräsidium Oberpfalz darf sich das frische Mitglied darüber freuen, dass die Grundausstattung der SiWa modernisiert wird. Die neuen Uniformjacken ähneln denen der Polizeibeamten sehr. Leistungsstarke Taschenlampen und Pfefferspray gehören ebenso zum Rüstzeug.

Fortbildungen und Informationsaustausch sind für die Mitglieder der Sicherheitswacht ein Muss: Christoph Ludwig, Josef Braun und Andreas Bauer besuchten erst am 23. Januar wieder eine Infoveranstaltung in Sulzbach-Rosenberg. Mit im Bild: Polizeivizepräsident Thomas Schöniger (links) und der Leiter des Sachgebiets E 2, Leitender Polizeidirektor Robert Hausmann (rechts)
              Foto: PI Burglengenfeld
Fortbildungen und Informationsaustausch sind für die Mitglieder der Sicherheitswacht ein Muss: Christoph Ludwig, Josef Braun und Andreas Bauer besuchten erst am 23. Januar wieder eine Infoveranstaltung in Sulzbach-Rosenberg. Mit im Bild: Polizeivizepräsident Thomas Schöniger (links) und der Leiter des Sachgebiets E 2, Leitender Polizeidirektor Robert Hausmann (rechts) Foto: PI Burglengenfeld

Großer Wert wird auf Fortbildungen und Meinungsaustausch gelegt. Kürzlich ging es in Sulzbach-Rosenberg um die zentralen Themen „Zivilcourage“ und „Wie verhalte ich mich im Einsatz anderen gegenüber?“ Auch wenn Mitglieder der SiWa nicht denselben Risiken ausgesetzt sind wie Polizisten, ungefährlich ist auch ihr Job nicht. Mit Erfahrung und Fingerspitzengefühl ist er jedoch ein interessantes und spannendes Ehrenamt, für welches man auch noch eine Aufwandsentschädigung bekommt.

Wir waren mit der Schwandorfer Sicherheitswacht auf Tour:

Unterwegs mit der Schwandorfer Sicherheitswacht

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