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Mit Blumen kämpfen sie für die Tiere

Familie Kruschwitz aus Teublitz baute bereits vor fünf Jahren Energiepflanzen an. Jetzt möchten sie noch mehr probieren.
Von Stefan Barte

Seit fünf Jahren gibt es am Richthof ein 2,2 ha großes Energiepflanzenfeld, dass inzwischen Heimat für unzählige Tierarten geworden ist. MdL Alexander Flierl, Willi und Johanna Kruschwitz, Markus Bäuml, Tobias Stockmeier, Michael Schöberl und Dr. Christian Stierstorfer (von links) überzeugten sich von der Biodiversität und der praktizierten Nachhaltigkeit.
Seit fünf Jahren gibt es am Richthof ein 2,2 ha großes Energiepflanzenfeld, dass inzwischen Heimat für unzählige Tierarten geworden ist. MdL Alexander Flierl, Willi und Johanna Kruschwitz, Markus Bäuml, Tobias Stockmeier, Michael Schöberl und Dr. Christian Stierstorfer (von links) überzeugten sich von der Biodiversität und der praktizierten Nachhaltigkeit. Foto: Stefan Barte

Teublitz-Richthof.Wer die steile Straße von Premberg zum Richthof befährt, dessen Augen werden zwangsweise auf der Anhöhe an der riesigen Blühfläche hängenbleiben. 18500 Quadratmeter Blütenmeer bilden seit 2019 ein wunderschönes Insektenparadies. Das ist aber beileibe noch nicht alles, was Familie Kruschwitz an Nachhaltigkeitsprojekten verfolgt. Bereits vor fünf Jahren baute sie als Pilotprojekt auf einer Fläche von 2,2 ha sogenannte Energiepflanzen an.

Die spezielle Saatmischung bestand aus 21 verschieden Pflanzen, wie zum Beispiel dem Echten Eibisch, Gelbem Steinklee oder der Flockenblume. Sie waren dazu gedacht, der Biogasproduktion zugeführt zu werden. Inzwischen hat sich herausgestellt, dass die mannshohen Pflanzen aber noch viele weitere Funktionen übernommen haben. Sie bilden ein abwechslungsreiches Futterangebot für sämtliche Tierarten, ganzjährige Deckung für Niederwild, Heimat für unzählige Tierarten und besonders Rehe fühlen sich auf dem Areal pudelwohl, weiß Jägerin Johanna Kruschwitz zu berichten. Geplant und beantragt sei deshalb ein weiterer Anbau auf 5 ha Fläche. Willi Kruschwitz ist sich dabei darüber im Klaren, dass der erzielbare Gasertrag bei Maisanbau höher wäre, wolle es aber trotzdem probieren. Dabei möchte er sich explizit nicht durch das Kulturlandschaftsschutzprogramm (KULAP) des Freistaates Bayern fördern lassen, sondern gehe seinen eigenen Weg.

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Wunsch nach weniger strengen Vorgaben

Er sehe sich durch die weiten KULAP-Vorgaben zu stark eingeengt und forderte gleichzeitig den Freistaat dazu auf, hier „umzusteuern“. Dann wären seiner Meinung nach viel mehr Landwirte dazu bereit, diesen Weg der erneuerbaren Energiegewinnung zu gehen, ist der Landwirt überzeugt. Ganz verzückt bewunderte der Vorsitzende des Imkervereins Burglengenfeld, Michael Schöberl, die Bienen- und Insektenschwärme und wünschte sich dieses „Paradies und Schlaraffenland“ auch für seinen Bereich. Er forderte eine bessere Förderung von Blühstreifen, damit die Bienen genügend Nahrung fänden. Realistisch betrachtete Dr. Christian Stierstorfer, LBV Niederbayern, die Situation der Bauern. In erster Linie müsse das Ziel der Landwirte die gesunde Ernährung der Bevölkerung sein, aber auf dem breiten Fundament in der Kooperation Naturschutz sei er sehr dankbar, wenn der „Vermaisung“, sprich Monokulturen, entgegen gewirkt werde.

Die flexible Biogasanlage in Burglengenfeld/Dirnau

  • Leistungsdaten:

    Seit 2010 am Netz

  • Höchstbemessungsleistung:

    399 kWh. Flexible Stromeinspeisung jederzeit möglich von 100 kWh bis 730 kWh

  • Steuerung:

    erfolgt über die Strombörse Leipzig, je nach Bedarf

  • Belieferung:

    erfolgt regional über die umliegenden Landwirte mit Ganzpflanzensilage

Biogasanlagenbetreiber Thomas Hofmann wertete in seinem Statement die bisher erzielte Biomasse mit Energiepflanzen als Erfolg, führte aber an, dass sich der Anbau nur rechnen würde, weil sich die Kosten des Anfahrtsweges als Nachbar im engen Rahmen hielten. Der Regionalreferent Süd-Ost des Fachverbandes Biogas, Markus Bäuml, sieht bereits die 100 Prozent-Energiewende als Folge des Klimawandels kommen. Diese Ziel zu erreichen, gehe neben der Sonnen- und Windenergie derzeit nur mit Biogasanlagen, da sie den großen Vorteil hätten, jederzeit flexibel auf Energiespitzen reagieren können. Mit dem Kohleausstieg gäbe es jetzt eine Zeitenwende und einen Richtungswechsel, hin zu erneuerbaren Energien.

Bäuml zeigte sich sicher, dass auch die Bevölkerung eine nachhaltige Bewirtschaftung des „Lebensmittels“ Energie mittragen werde. MdL Alexander Flierl dankte für die „Aktionswoche Artenvielfalt“ und betonte in seiner Ansprache, dass Arten- und Naturschutz nur in Zusammenarbeit aller Beteiligten erfolgreich betrieben werden könne. Der neue Ansatz, dass Landwirte nicht nur mit dem Boden arbeiten, sondern ihn auch pflegen und erhalten, würde jetzt besonders in den Fokus gerückt. Der Richthof sei dafür ein leuchtendes Beispiel.

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