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Mit dem „Bulli“ um die Welt

Die Neunburger Antonia und Rudi Stockerl kauften in New York vor knapp 30 Jahren einen VW-Bus. Seitdem ist das Trio auf Tour.
Von Roland Thäder

  • Rudi Stockerl steigt aus seinem „Bulli“. Er hat gerade das Hubdach für den Foto-Termin geöffnet. Foto: Thäder
  • Vor dem Kauf stand der VW-Bus ein Jahr lang auf dem Parkplatz am JFK-Flughafen in New York. Foto: ro

Neunburg.Wenn Rudi Stockerl den Schlüssel im Zündschloss umdreht, startet der Motor sofort mit dem klassische Blubbern eines luftgekühlten Boxers. Aber es ist nicht irgendein Boxermotor, sondern der seines VW T2, wie die Typenbezeichnung bei Volkswagen hieß, im Volksmund und bei Liebhabern seit jeher auch „Bulli“ genannt. Bei Oldtimerfans steht der Klassiker unter den Kleinbussen heute hoch im Kurs. Für einen gut erhaltenen T2 mit Campingausstattung sind schon 30000Euro oder mehr zu berappen.

Das ist der Original-Fahrzeugschein des „Bulli“ aus den USA. Foto: ro
Das ist der Original-Fahrzeugschein des „Bulli“ aus den USA. Foto: ro

Doch für Rudi und seine Frau Antonia kommt der Verkauf des „Bulli“ Baujahr 1974 nicht in Frage. Dazu hat das Ehepaar aus der Neukirchener Straße schon zu viel mit dem Bus mit Westfalia Ausbau erlebt, es gibt zu viele schöne Erinnerungen. Wie schrieb doch der Dichter Mattias Claudius einst: „Wenn jemand eine Reise tut, so kann er was erzählen“, und Antonia und Rudi haben in diesem Zusammenhang sehr viel zu erzählen.

Handgeschriebene Reiseberichte

Antonia Stockerl füttert einen ihrer beiden Lieblinge, den Kleinen Münsterländer Finn, mit einem ein Schmankerl. Wenn der VW-Bus einen Austauschmotor erhalten hat, wollen die beiden mit ihren Hunden wieder auf große Fahrt gehen. Foto: ro
Antonia Stockerl füttert einen ihrer beiden Lieblinge, den Kleinen Münsterländer Finn, mit einem ein Schmankerl. Wenn der VW-Bus einen Austauschmotor erhalten hat, wollen die beiden mit ihren Hunden wieder auf große Fahrt gehen. Foto: ro

Ein Stapel mit akkurat handgeschriebenen Reiseberichten aus aller Herren Ländern, geschmückt mit Bildern, Prospekten, Campingplatz-Rechnungen und Postkartenmotiven liegt neben den beiden auf der Bank. Verfasst hat sie Antonia. „Das war auf den Reisen mein Hobby“, sagt sie augenzwinkernd. Auf dem Boden neben ihnen liegen Niki und Finn, ein schwarzer Schäferhundmischling und ein Kleiner Münsterländer, der aber gar nicht so klein ist. Bellend und schwanzwedelnd empfingen die „Lieblinge“ der Stockerls den Reporter des Medienhauses Mittelbayerische Zeitung in ihrem Heim.

Wenn jemand eine Reise tut ... Auf der Heckscheibe kann jeder sehen, das Ehepaar Stockerl ist mit ihrem „Bulli“ viel rumgekommen. In Kanada zierte die Scheibe eine deutsche Fahne, weil man sie dort für U.S-Amerkikaner hielt, und die waren dort auch schon vor Trump unbeliebt. Foto: ro
Wenn jemand eine Reise tut ... Auf der Heckscheibe kann jeder sehen, das Ehepaar Stockerl ist mit ihrem „Bulli“ viel rumgekommen. In Kanada zierte die Scheibe eine deutsche Fahne, weil man sie dort für U.S-Amerkikaner hielt, und die waren dort auch schon vor Trump unbeliebt. Foto: ro

Portugal und Spanien, Frankreich, Großbritannien, ganz Skandinavien bis hinauf zum Nordkap, die Schweiz, Italien, alles und noch viel mehr haben sie in den vergangenen knapp drei Jahrzehnten mit ihren blauweißen Campingbus mit Hubdach bereist. Dabei hat der „Bulli“ gut 300 000 Kilometer auf den Tacho bekommen. Für das Triebwerk mit knapp 1,8 Litern Hubraum und 68 PS ist das eine ganze Menge. Einst wurde das Aggregat im VW411 und im 914er, dem sogenannten VW-Porsche, verbaut. Letzterer hatte allerdings ein paar Pferde mehr unter der Haube.

Zahlreiche Reiseberichte hat Antonia Stockerl verfasst. Foto: ro
Zahlreiche Reiseberichte hat Antonia Stockerl verfasst. Foto: ro

Doch das absolute Highlight stand schon am Anfang dieser ganz besonderen Freundschaft zu ihrem Auto. Denn durch einen Freund, Edi Schwendner, der 1989 in New York bei einer Airline arbeitete, wurden sie auf den Bus aufmerksam. Er parkte damals bereits seit einem Jahr am JFK-Airport und stand zum Verkauf. Rudi und Antonia besuchten den Freund, kauften den Bulli damals für 950 D-Mark und weil berufliche Veränderungen anstanden, gönnten sie sich eine sechsmonatige Auszeit und tourten mit dem „Bulli“ durch die USA, die Ostküste hinunter durch den Süden, wieder nach Norden, nach Kanada und Alaska.

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Mit dem Bulli um die Welt

 Der VW-Bus ist Baujahr 1974. 1989 haben Rudi und Antonia Stockerl ihn in New York gekauft. Der Benziner hat 1789 Kubikzentimeter Hubraum, 68 PS und ist ein Westfalia-Ausbau, ursprünglich mit Trockeneiskühlschrank. Foto: ro
Der VW-Bus ist Baujahr 1974. 1989 haben Rudi und Antonia Stockerl ihn in New York gekauft. Der Benziner hat 1789 Kubikzentimeter Hubraum, 68 PS und ist ein Westfalia-Ausbau, ursprünglich mit Trockeneiskühlschrank. Foto: ro

Der VW fuhr bei zehntausende Kilometer, so weit die Räder tragen, ohne groß zu mucken. Um die Reisekasse aufzubessern, sammelten sie Dosen und Flaschen, teilweise auf Festivals. Denn pro Stück gab es in den Supermärkten fünf Cent Pfand. „Damit konnten wir unser Mittagessen bezahlen“, erinnern sich Antonia und Rudi noch heute lachend.

Den Bus ins Herz geschlossen

In Montreal, am Ende ihrer Reise, wollten sie den Wagen ursprünglich wieder verkaufen, doch beide hatten den „Bulli“ ins Herz geschlossen und so wurde der VW mit dem Schiff von Halifax nach Bremen transportiert. Die Frachtpapiere, den U.S-Fahrzeugschein und die Original-Kennzeichen haben sie aufgehoben. Für den TÜV mussten seitliche Blinker, der Meilentacho und ein paar U.S-Besonderheiten umgebaut werden. Und die Wolfsburger Zentrale musste bestätigen, dass der Wagen nicht als gestohlen gemeldet war.

Rudi Stockerl hat die kanadischen Frachtpapiere für die Ausfuhr des VW-Bullis von Kanada nach Bremen aufgehoben. In Deutschland mussten einige U.S-Besonderheiten für den TÜV umgebaut werden, VW bescheinigen, dass der Wagen nicht gestohlen ist. Foto: ro
Rudi Stockerl hat die kanadischen Frachtpapiere für die Ausfuhr des VW-Bullis von Kanada nach Bremen aufgehoben. In Deutschland mussten einige U.S-Besonderheiten für den TÜV umgebaut werden, VW bescheinigen, dass der Wagen nicht gestohlen ist. Foto: ro

Seitdem sind sie jedes Jahr etwa einen Monat lang auf Tour gegangen. Nur in letzter Zeit wurden die Reisen etwas kürzer. Es sind mittlerweile meist Tagesfahrten in den Bayerischen Wald. Der Grund: Der Motor zieht nicht mehr so. Der leidenschaftliche Automechaniker und Oldtimerfan Rudi, der in den 60er Jahren in Rötz beim Haberl gelernt hat, sucht einen Austauschmotor. Ein Angebot hat er eingeholt: 4500 Euro. Ganz schön happig. Deshalb sucht er noch ein wenig. Einbauen würde der 67-Jährige die Maschine selbst, Ehrensache. Aber wenn der „Bulli“ dann wieder läuft, „packen wir unsere Hunde Niki und Fnin und dann ziehen wir wieder los“, freut sich Antonia bereits.

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Wenn jemand eine Reise tut...

  • Technik:

    Der VW-Bus ist Baujahr 1974. 1989 haben Rudi und Antonia Stockerl ihn in New York gekauft. Der Benziner hat 1789 Kubikzentimeter Hubraum, 68 PS und ist ein Westfalia-Ausbau, ursprünglich mit Trockeneiskühlschrank.

  • Ziele:

    Wenn jemand eine Reise tut ... Auf der Heckscheibe kann jeder sehen, das Ehepaar Stockerl ist mit ihrem „Bulli“ viel rumgekommen. In Kanada zierte die Scheibe eine deutsche Fahne, weil man sie dort für US-Amerikaner hielt, und die waren dort auch schon vor Trump unbeliebt.

  • Pläne:

    Antonia Stockerl füttert einen ihrer beiden Lieblinge, den Kleinen Münsterländer Finn, mit einem ein Schmankerl. Wenn der VW-Bus einen Austauschmotor erhalten hat, wollen die beiden mit ihren Hunden wieder auf große Fahrt gehen.

  • Papierkram:

    Rudi Stockerl hat die kanadischen Frachtpapiere für die Ausfuhr des VW-Bullis von Kanada nach Bremen aufgehoben. In Deutschland mussten einige US-Besonderheiten für den TÜV umgebaut werden, VW bescheinigen, dass der Wagen nicht gestohlen ist.

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