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Technik

Mit der App auf Käferjagd

Die bayerischen Staatsforsten haben eine Software für die Erfassung der Borkenkäfernester entwickelt. Das spart Zeit.
Von Roland Thäder

In der App der Förster und Waldarbeiter sind die Karten der Staatsforsten hinterlegt. Ein roter Punkt zeigt ein erfasstes Borkenkäfernest an. Auch Rücke- und Waldwege zum Fällen und Abtransport des befallenen Bestandes lassen sich annavigieren. So verliert man beim Kampf gegen den Käfer keine Zeit.Foto: Thäder
In der App der Förster und Waldarbeiter sind die Karten der Staatsforsten hinterlegt. Ein roter Punkt zeigt ein erfasstes Borkenkäfernest an. Auch Rücke- und Waldwege zum Fällen und Abtransport des befallenen Bestandes lassen sich annavigieren. So verliert man beim Kampf gegen den Käfer keine Zeit.Foto: Thäder

Neunburg.Es war ein langer, trockener Winter und auch der Frühling war trocken und warm. Das sind ideale Bedingungen für den Borkenkäfer, um sich zu vermehren. Im Moment gibt es nur Anzeichen dafür, dass es noch einen starken Befall der Waldbestände kommt. So erfassen die Landesanstalt für Wald- und Forstwirtschaft in Freising und die Bayerischen Staatsforsten beim Borkenkäfermonitoring die Population. Sie veröffentliche wöchentlich Fangzahlen und die sind hoch, weiß Harald Schiller, stellvertretender Leiter des Forstbetriebs Roding der Bayerischen Staatsforsten – auch zuständig für den Raum Neunburg. „Da kommt noch eine Welle auf uns zu“, so Schiller weiter. Die Frage ist nur: wann? Im Moment sei die ganze Mannschaft ausgeschwärmt, um Buchdrucker und Co. aufzuspüren.

Seit diesem Jahr haben Schiller und seine Kollegen dabei einen kleinen, digitalen Helfer. Es ist eine App und sie nennt sich „ZE-Insekt“. ZE steht für „Zufälliges Ereignis“, das können Sturmschäden oder eben ein Käferbefall sein. Was es damit auf sich hat und was die Software kann, verraten er und sein Neunburger Revierleiter Frank Steffens dem Reporter des MZ-Medienhauses. Neunburg ist eines von neun Revieren des Rodinger Betriebs. Es reicht von Rötz bis Bodenwöhr und hat eine Fläche von rund 2800 Hektar.

Karten permanent aktualisieren

Wenn ein Bestand durchforstet wird, werden per GPS die Geodaten von Feldwegen oder Rückegassen erfasst und so die Karten der Staatsforsten, die in einem Maßstab von 1:10000 vorliegen, digitalisiert und ständig aktualisiert. Gleiches gilt nun, wenn Revierleiter oder Waldarbeiter nach von Borkenkäfern befallenen Bäumen suchen. Das braune Bohrmehl verrät den Forstarbeitern: Hier sind Borkenkäfer am Werk. Der Punkt werde rot auf die digitale Karte eingetragen, sei aber im unterschied zur analogen Vorgehensweise von dem Moment an für alle Mitarbeiter verfügbar, erläutern Schiller und Steffens.

Frank Steffens (l.) und Harald Schiller zeigen das Gebiet des Forstbetriebs. Foto: Thäder
Frank Steffens (l.) und Harald Schiller zeigen das Gebiet des Forstbetriebs. Foto: Thäder

Dies habe den Vorteil, dass die Befallspunkte auch von Ortsunkundigen jederzeit auffindbar sind. Die Sucher halten direkt vor Ort auch Baumzahlen und Holzmengen in der App fest, markieren die befallenen Stämme sowie den Befallsgrad und das Entwicklungsstadium der Käfer zu dokumentieren. Bohrmehl kann man nur an trockenen, windstillen Tagen finden. Dann suchen die Mitarbeiter mit Mann und Maus Borkenkäfer. Jeder Sucher hat ein vorher definiertes Waldgebiet abzusuchen, so die Bayerischen Staatsforsten in einer Pressemitteilung zum Thema.

„Das beschleunigt Prozesse“, denn es bleibt zur Bekämpfung bzw. Aufarbeitung der befallenen Bäume nicht viel Zeit. Zwischen acht und zwölf Wochen lägen erfahrungsgemäß zwischen dem Einbohren der Elterngeneration und dem Ausflug der Jungkäfer, die dann wieder einen neuen Bestand angreifen, wissen die Förster. Deshalb suchen die Forstleute zunächst an so genannten „Hotspots“, bekannten Käfer-Quartieren und -nestern aus den Vorjahren, die bereits verzeichnet sind. Und für diesen Fall haben die Staatsforsten die besagte App entwickelt, die auf allen Smartphones aller Förster und Waldarbeiter installiert wurde.

Die kranken Bäume werden digital erfasst und dann gekennzeichnet. Foto: Thäder
Die kranken Bäume werden digital erfasst und dann gekennzeichnet. Foto: Thäder

Vor Ort im Wald können die Mitarbeiter dann der Forstbetriebsleitung dann bereits Vorschläge unterbreiten, wie die Aufarbeitung des befallenen Bestandes erfolgen soll. Sind es nur wenige Bäume, reichen unter Umständen ein paar eigene Waldarbeiter aus. Es kann aber auch der Einsatz eines Unternehmens mit Harvester notwendig sein, erklärt Schiller.

Eine schlüssige Erklärung dafür, warum die Borkenkäferplage noch nicht ausgebrochen ist, gebe es noch nicht. Es könne der hervorragenden Witterungsbedingungen für die Entwicklung der Käferbrut zum Trotz aber sein, dass es den Käfern quasi zu heiß war. „Dann ziehen sie sich ins Waldinnere zurück, wo es kühler ist“, weiß der Rodinger Förster. Dies erschwere allerdings auch das Aufspüren der Käfernester, denn um den gesamten Wald Baum für Baum zu durchforsten, fehle die Manpower, das sei unmöglich, ergänzt Steffens. Eine chemische Keule, die nur den Borkenkäfer treffen würde, gebe es nicht. Zwangsläufig wären auch andere Insekten betroffen. Und die Zertifizierung der Staatsforsten würde deren Einsatz auch nicht erlauben. „Der Borkenkäfer gehört zur Fichte dazu, das ist natürlich“, so Steffens weiter.

Die braunen Nadeln in Den Kronen sind ein Symptom. Foto: Thäder
Die braunen Nadeln in Den Kronen sind ein Symptom. Foto: Thäder

Zweifellos ist die neue App ein wichtiges Hilfsmittel im Kampf gegen den Baumschädling, zumal er sich exponentiell in den Fichtenbeständen ausbreitet. Waren es früher zwei Generationen, die pro Jahr ausflogen, so seien es mittlerweile drei Generationen. Dies sei eine Folge des Klimawandels und der damit verbundenen Verlängerung der warmen Jahreszeit, wissen die beiden Förster.

Der Mensch ist unverzichtbar

Darüber hinaus gebe es auch Versuche, mit Drohnen dem Käfer zu Leibe zu rücken. Allerdings sei es in aller Regel für den Baum zu spät, wenn man aus der Luft erkennen kann, dass sich der Baum verfärbt. Deshalb würde mit anderen Farbspektren experimentiert. Auch Hunde seien schon dafür abgerichtet worden, weiß Schiller. Allen Hilfsmitteln zum Trotz, „um den Käfer zu finden, braucht es immer noch den Menschen“, sagt der Rodinger Förster.

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