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Pilotprojekt

Mit „dicken Dingern“ auf sicherer Fahrt

Zwischen Nittenau und der A93 rollen Woche für Woche Schwertransporte. Seit kurzem unterstützen private Helfer die Polizei.
Von Thomas Rieke

Vor den Toren der Krones-Niederlassung in Nittenau: In wenigen Minuten soll sich ein Schwertransport mit Überbreite in Bewegung setzen: Hauptkommissar Rainer Hirschmann, Leiter der Polizeistation Nittenau, kontrolliert vorher nicht nur die Frachtpapiere, sondern überzeugt sich auch vom festen Sitz aller Gurte und von der vorschriftsmäßigen Bestückung des Tiefladers mit Warntafeln.Foto. Rieke
Vor den Toren der Krones-Niederlassung in Nittenau: In wenigen Minuten soll sich ein Schwertransport mit Überbreite in Bewegung setzen: Hauptkommissar Rainer Hirschmann, Leiter der Polizeistation Nittenau, kontrolliert vorher nicht nur die Frachtpapiere, sondern überzeugt sich auch vom festen Sitz aller Gurte und von der vorschriftsmäßigen Bestückung des Tiefladers mit Warntafeln.Foto. Rieke

Nittenau.Schon bei der ersten Einfahrt in eine übergeordnete Straße ist es passiert: Mein prinzipiell vorschriftsmäßiges Halten und Schauen wird vom Hintermann mit mehrfachem Hupen quittiert. Doch diesmal handelt es sich nicht um rücksichtslose Drängelei eines ungeduldigen Zeitgenossen, sondern einen gut gemeinten Rat: „Nur zu! Keine Lücke entstehen lassen – sonst drängt sich einer dazwischen! Die anderen Verkehrsteilnehmer sind gewarnt! Die Polizei ist voraus.“

Diese Szene hat sich jüngst genau so bei einem doch eher ungewöhnlichen Reportertermin abgespielt. Die MZ durfte, eingekeilt zwischen einem Tieflader und einem Begleitfahrzeug, einen Schwertransport verfolgen. An sich sind solche Touren, von der Firma Krones in Richtung Autobahnanschluss Teublitz, für Nittenau alles andere als ungewöhnlich. Jede Woche werden, teils mehrfach, mächtige Maschinenteile auf die Reise geschickt. Hintergrund unserer Präsenz aber ist eine Neuerung, für die wir uns besonders interessierten: ein Pilotprojekt mit dem Ziel, die Polizei zu entlasten.

Zeitfresser Transportbegleitung

Fakt nämlich ist: Die Station Nittenau hat eine sehr überschaubare Mannschaftsstärke. Zwar wird sie, wie das Polizeipräsidium Regensburg betont, gegebenenfalls von der Inspektion Burglengenfeld unterstützt, und das Personal sei „an Sonderaufgaben angepasst“; doch in der Praxis erweisen sich speziell die Schwertransporte als zeitraubende Angelegenheit. Und: Ereignet sich parallel zu einer Lkw-Begleitung ein Unfall oder sind wegen einer aktuellen Straftat (z.B. Einbruch) kurzfristig Ermittlungen erforderlich, wird es für die Nittenauer Ordnungshüter um Hauptkommissar Rainer Hirschmann eng. Spätestens dann kann es passieren, dass in der Wache an der Brucker Straße niemand mehr erreichbar ist – und ein Anrufer automatisch zur BI Burglengenfeld umgeleitet wird. Dort erhält er dann die Auskunft: „Die Kollegen sind wohl alle unterwegs....“

Robert Schmid ist unter den Lkw-Fahrern ein alter Hase. Nichts bringt ihn auch beim Transport überbreiter Fracht aus der Ruhe. Auch er legt Wert auf gewissenhafte Vorbereitung. Foto: Rieke
Robert Schmid ist unter den Lkw-Fahrern ein alter Hase. Nichts bringt ihn auch beim Transport überbreiter Fracht aus der Ruhe. Auch er legt Wert auf gewissenhafte Vorbereitung. Foto: Rieke

Der Aufwand, der für Schwertransportbegleitung betrieben wird, ist enorm. Weil die Teile, die befördert werden, teils eine Breite von weit über sechs Metern haben, ist es nicht damit getan, mit einer Funkstreife vorauszufahren und darauf zu vertrauen, dass der Gegenverkehr ausweicht; speziell die Kreisstraße SAD 1 ist für „dicke Dinger“ zu schmal, so dass sie, um Kollisionen auszuschließen, abschnittsweise gesperrt werden muss. Das funktioniert nur, wenn die Polizei mit zwei Einsatzwagen präsent ist.

Doch seit wenigen Monaten ist alles anders. Private „Verwaltungshelfer“ greifen der Polizeistation Nittenau unter die Arme. Die Initiative dazu ging 2016 vom Innenministerium aus, denn auch Minister Joachim Herrmann hatte angesichts wachsender Sorge um die Sicherheit im Land erkannt, dass die Polizei „viel wichtigere Aufgaben“ als die Eskortierung von Tiefladern hat. Und so gab es von höchster Stelle die Order, Strecken zu suchen, auf denen das Modell „Verwaltungshelfer“ getestet werden soll.

Die Wahl fiel in der Oberpfalz nicht ganz zufällig auf die Route Nittenau – A93. Der zuständige Sachgebietsleiter „Verkehr“ des Polizeipräsidiums wandte sich an die Firma Scheck in Neutraubling; die Spedition hat für verschiedenste Zwecke rund 200 Lkw im Einsatz, unter anderem für Krones-Transporte. Und bei Disponent Matthias Schack (tatsächlich geschrieben mit „a“!) stieß der Beamte sogleich auf offnen Ohren.

„Wir haben uns gesagt, wenn ein Engagement auch uns und unseren Kunden Vorteile bringt – wieso nicht?“ Tatsächlich profitiert von dem Projekt nicht nur die Polizeistation, die „Verwaltungshelfer“ sind auch für den Weltmarktführer für Abfüllanlagen und die Spedition von nutzen. Termine können leichter vereinbart, Wartezeiten vermieden werden, denn die Polizei gewinnt Freiräume. Dank der neuen Unterstützer muss sie für einen Transport nur noch eine Streife stellen; die bis dato zweite wird durch ein knallgelbes „BF4-Fahrzeug“ ersetzt, das Scheck 75000 Euro gekostet hat. Am Steuer sitzt Daniela Haubner. In der Neutraublinger Firmenniederlassung gewöhnlich im Empfang tätig, freut sie sich über ihren verantwortungsvollen Zusatzjob, auf den sie gewissenhaft vorbereitet wurde.

Die erste Bilanz ist positiv

Die erste Zwischenbilanz von Polizeichef Hirschmann fällt uneingeschränkt positiv aus: „Der Verwaltungshelfer zahlt sich aus!“ Die Zusammenarbeit mit der Spedition sei prima. Sollten die Ordnungshüter auch andernorts zu ähnlichen Einschätzungen kommen, steht einem Ausbau des Projekts nichts im Wege. Ziel des Ministeriums ist es letztlich, die Polizei vollständig von der Begleitung von Groß- und Schwertransporten zu entbinden. Rufumleitungen von Nittenau nach Burglengenfeld sind dann seltener nötig...

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