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Montag, 16. Juli 2018 27° 8

Politik

Mit Megafon gegen die AfD in Maxhütte

Die Rechtspopulisten lockten mit Islamkritiker Imad Karim 180 Besucher in die Stadthalle. Rund 120 Bürger hielten dagegen.
Von Thomas Rieke

Vor der Maxhütter Stadthalle trafen sich am Samstag rund 120 Bürger, um gegen die Wahlkampfveranstaltung der AfD zu protestieren. Jugendliche Demonstranten wagten sich später auch in den Saal, fielen dort aber nur durch Stühlerücken auf. Foto: Rieke
Vor der Maxhütter Stadthalle trafen sich am Samstag rund 120 Bürger, um gegen die Wahlkampfveranstaltung der AfD zu protestieren. Jugendliche Demonstranten wagten sich später auch in den Saal, fielen dort aber nur durch Stühlerücken auf. Foto: Rieke

Maxhütte-Haidhof.Ein Vorbericht in der Zeitung und ein paar Appelle über soziale Medien verfehlten ihre Wirkung nicht. Am Samstag fanden sich vor der Stadthalle rund 120 Bürger ein, um gegen die Wahlkampf-Auftaktveranstaltung des AfD-Bezirksverbands zu demonstrieren. Die Schar war bunt gemischt. Sie setzte sich vorwiegend aus Anhängern von SPD und Grünen, Gewerkschaftern und Freunden des alternativen Jugendzentrums (JUZ) zusammen. CSU- oder JU-Mitglieder wurden jedoch nicht gesichtet.

Halle mit Parolen „geschmückt“

Die Polizei hatte sich auf alle Eventualitäten eingestellt. Die Einsatzzüge Amberg und Weiden unterstützten die PI Burglengenfeld. Foto: Rieke
Die Polizei hatte sich auf alle Eventualitäten eingestellt. Die Einsatzzüge Amberg und Weiden unterstützten die PI Burglengenfeld. Foto: Rieke

Die Polizei, die mit starken Kräften angerückt war, hatte ein Sperrgitter aufgebaut, um einen großzügigen Sicherheitsabstand zum Halleneingang zu wahren. Einzugreifen brauchte sich nicht, alles blieb, wie Einsatzleiter Markus Schmitt bestätigte, friedlich. Allerdings hatten in der Nacht zuvor Unbekannte an der Halle großflächige Parolen gegen die AfD angebracht. Es sei ein Schaden in vierstelliger Höhe entstanden.

Horst Viertlmeister, Fraktionschef der SPD im Maxhütter Stadtrat, hatte die Protestveranstaltung angemeldet („für mich eine Premiere“) und zeigte sich hoch erfreut, dass so viele Menschen, darunter auch Burglengenfelds 2. Bürgermeister Bernhard Krebs, der Aufforderung gefolgt waren, der AfD die Stirn zu bieten, denn: „Wir dürfen nicht zulassen, dass diese Spaltpilze ihr Unwesen treiben.“

„Wir dürfen nicht zulassen, dass diese Spaltpilze ihr Unwesen treiben.“

Horst Viertlmeister, Fraktionschef der SPD im Maxhütter Stadtrat

SPD-Landtagskandidat Peter Wein, der wenige Stunden später in Nabburg in den Wahlkampf starten wollte, meinte, es sei gerade jetzt wichtig, Flagge für eine pluralistische Gesellschaft und Meinungsfreiheit zu zeigen. In Anspielung auf das Thema von AfD-Stargast Imad Karim, der vor einer schleichenden Islamisierung warnt, sagte Wein: „Wenn es etwas Schleichendes gibt, dann ist es eine Bewegung, die Dinge, die wir längst überwunden geglaubt hatten, wieder salonfähig macht. Wehret den Anfängen!“

In unserer Bildergalerie haben wir Eindrücke der Gegenveranstaltung vor der Stadthalle für Sie zusammengestellt:

Gegenwind zur AfD-Veranstaltung in Maxhütte

MdL Franz Schindler findet in Maxhütte klare Worte

Franz Schindler: „Wer behauptet, es gäbe eine schleichende Islamisierung in Deutschland, ist ein rechter Hetzer.“ Foto: Rieke
Franz Schindler: „Wer behauptet, es gäbe eine schleichende Islamisierung in Deutschland, ist ein rechter Hetzer.“ Foto: Rieke

Hauptredner der Protestbewegung war MdL Franz Schindler. Er warf Karim vor, er habe sich vor den Karren der Rechtspopulisten spannen lassen und verbreite nur noch Fake News. Wer behaupte, in Deutschland gäbe es eine schleichende Islamisierung, sei ein „rechter Hetzer“. Grundsätzlich gehe es, so Schindler, im „Kampf gegen die Islamisierung“ gar nicht darum, das „ohnehin kaum noch christliche Abendland“ zu retten, sondern darum, Ausländer zu diffamieren und Hass zu predigen. Der SPD-Abgeordnete forderte auf, wachsam zu sein. Es reiche nicht aus, über „gewissen- und prinzipienlose politische Figuren die Nase zu rümpfen“. Die freiheitliche Demokratie sei in Gefahr, es sei deshalb nicht nur legitim, sondern notwendig aufzustehen. Toleranz für „Feinde der Freiheit“ dürfe es nicht geben.

Die Veranstaltung, gegen die sich die Kritik richtete, begann mit rund zwanzig Minuten Verspätung, und ehe Imad Karim, seines Zeichens Regisseur, Drehbuchautor und Fernsehjournalist, aber kein AfD-Mitglied, vor 180 Zuhörern die Bühne betrat, nahmen mehrere Landtagskandidaten die Gelegenheit wahr, sich zu präsentieren.

Das Grundgesetz „anpassen“

Islamkritiker Imad Karim war der Hauptredner – und erntete in der Stadthalle lautstarken Applaus. Foto: Rieke
Islamkritiker Imad Karim war der Hauptredner – und erntete in der Stadthalle lautstarken Applaus. Foto: Rieke

Karim sagte, schon jetzt habe er das Gefühl, dass Menschen, die dem Islam angehören, in Deutschland den öffentlichen Raum eroberten. Dabei stellten sie aktuell nur acht Prozent der Gesellschaft. Jeder könne sich ausmalen, welches Bild sich ergebe, wenn der Anteil der Muslime auf 25 oder 30 Prozent steige. Vor über 40 Jahren war Karim zum Studieren nach Deutschland gekommen, schnell lernte er das Land lieben. Nun aber sei vieles bedroht, was er hier immer schätzte. Karim warnte davor, vor unangenehmen Wahrheiten die Augen zu verschließen. Fakt sei, dass die Masseneinwanderung Deutschland überfordere. Teile des Grundgesetzes müssten deshalb „angepasst“ werden. Die Zeit dränge, doch Deutschland habe verlernt, sich zu wehren.

„Wir werden von Stümpern und Halunken regiert.“

Christian Paulwitz, AfD-Bezirksvorsitzender

Zuvor hatte AfD-Bezirksvorsitzender Christian Paulwitz die „sonderbare politische Lage“, die derzeit aus seiner Sicht herrsche, beschrieben. Er sprach von einem politischen „Sommertheater“. Die untragbaren Zustände, die im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge geherrscht hätten, seien viel zu lange Zeit ignoriert worden. Kanzlerin Angela Merkels aktuelle Forderung nach einer „europäischen Lösung“ in der Flüchtlingsproblematik sei grotesk; sie selbst habe mit „Dublin III“ eine solche nämlich zerstört. Paulwitz’ Attacken gipfelten in der Aussage: „Wir werden von Stümpern und Halunken regiert.“

Was sind das nur für Leute?

Bei den jüngsten Bundestagswahlen hatte die AfD in Maxhütte-Haidhof fast 20 Prozent der Stimmen eingefangen. Bürgermeisterin Dr. Susanne Plank war deswegen regelrecht schockiert. Sie frage sich, wer diese Leute denn seien; sie müsse vielen von ihnen ja täglich begegnet sein und hätte nie gedacht, dass so viele Maxhütter mit den Rechtspopulisten sympathisierten. Am Samstag hätte die CSU-Rathauschefin Gelegenheit gehabt, in die Gesichter der Besucher zu blicken. Einige von ihnen bestätigten auf Anfrage unseres Reporters, „natürlich aus dem Städtedreieck“ zu stammen, andere weigerten sich, sich zu „outen“. Wir sollten lieber „die Randalierer draußen vor der Tür“ fragen, wo sie her seien. Dabei konnte von „Randale“ überhaupt keine Rede sein...

Lesen Sie auch: Anfang Juni trat die AfD in Lappersdorf im Landkreis Regensburg auf, Hauptredner war der Björn Höcke, der umstrittene Frontmann des stramm rechts ausgerichteten „Flügels“ der Partei. Auch in Lappersdorf formierte sich starker Gegenprotest.

Hier lesen Sie mehr Nachrichten aus Maxhütte-Haidhof.

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