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Wasserqualität

Mit Vergnügen und ohne lästige Keime

Die streng geprüften EU-Badegewässer im Landkreis Schwandorf, Ostbayerns gewässerreichsten Region, sind blitzsauber. Nur Blaualgen sorgen für Ärger.
Von Reinhold Willfurth, MZ

Glitzerndes, klares Wasser, weißer Strand und ganz viel Sonne: Es muss nicht immer Mallorca sein. Der Klausensee hat auch seine Reize.Foto: Willfurth

Schwandorf. Wie ein kleiner Fjord schmiegt sich der Hammersee in die waldreiche Landschaft bei Bodenwöhr. Bürgermeister Richard Stabl weiß, was er und seine Gemeinde an dem idyllischen Gewässer haben. Der Hammersee bietet Einheimischen und den derzeit zahlreichen Touristen neben dem üblichen Wasserspaß vor allem Ruhe – und den Bodenwöhrern willkommene Einnahmequellen. Umso wichtiger ist es Stabl und seinem Gemeinderat, das einzige potenzielle Handicap des Hammersees zu beseitigen: Bei bestimmten warmen Wetterlagen vermehren sich massenhaft Blaualgen in dem Stausee. Die Gesundheit ist aber nicht in Gefahr: Der Hammersee hat zum Beginn der heißen Phase der Badesaison eine glatte Eins für seine Wasserqualität erhalten – wie in den Jahren zuvor auch. Mit einer Ausnahme: 2011 war die Algenblüte so schlimm, dass das Gesundheitsamt vorsorglich vor dem Baden im Hammersee warnte. Nach Angaben von Landkreis-Sprecher Franz Pfeffer blieb dies aber der einzige Vorfall in den vergangenen zehn Jahren, an den sich die Mitarbeiter des Gesundheitsamts erinnern konnten.

Abseits der Algenblüte interessieren sich die Mitarbeiter des Gesundheitsamts vor allem für Fäkalkeime, die schwerwiegende Durchfallerkrankungen auslösen können. Die Krankheitserreger können aus der Gülle stammen, die Landwirte in der Nähe von Gewässern ausbringen, aber auch von Wasservögeln, wenn sie massenhaft an einem See lagern.

Auch heuer mussten die Prüfer keinen Alarm schlagen. Eine Probe an allen sechs EU-Badegewässern Anfang der Woche ergab perfekte Wasserqualität an Hammer-, Klausen-, Murner- und Steinberger See sowie am Naturbadesee Höllohe in Teublitz und im Naturbad Tegelgrube in Maxhütte-Haidhof.

In den rekultivierten ehemaligen Kohlegruben im Landkreis, „Braunkohle-Tagebau-Restseen“ im Wasserwirtschafts-Amtsdeutsch, hatten lästige Keime bislang kaum Chancen. Das sehr sauere Milieu des Wassers verhinderte deren großflächige Ausbreitung. Die letzten Zweifel daran beseitigte der Gemeinderat von Steinberg am See, Heimat des größten ostbayerischen Gewässers, bereits vor gut einem Jahr. Seit Februar 2013 fließen keine Abwässer aus der Gemeinde mehr in den See, sondern werden, so Bürgermeister Harald Bemmerl, „per Rohrsystem mit Leckagenüberwachung“ in die Großkläranlage Schwandorf/Wackersdorf gepumpt. Deshalb seien auch die Angaben im „Badegewässerprofil“ des Landkreises überholt. Dort ist die Einleitung von Abwässern nach wie vor als Manko vermerkt.

Aber auch mit einem über die Jahre normalisierten ph-Wert (am Steinberger See laut Bürgermeister Bemmerl von drei auf sechs, also fast normal) halten sich die EU-Badegewässer im Landkreis blitzsauber. Schon seit Jahren erhalten die sechs Seen und Naturbäder jeweils die Höchstnote, deren strenge Kriterien durch eine EU-Verordnung vorgeschrieben sind und regelmäßig kontrolliert werden.

Und was ist mit den Nicht-EU-Gewässern im Landkreis? „Die werden nicht untersucht. Aber wenn es Auffälligkeiten gibt, wird das Wasser nachträglich beprobt“, sagt Landkreis-Sprecher Pfeffer.

Bleibt noch das Blaualgen-Problem, das im Bodenwöhrer Hammerweiher und auch im Eixendorfer Stausee auftritt. Um es aus der Welt zu schaffen, ist ein langer Atem notwendig. „Das ist ein unglaublich kompliziertes Verfahren“, sagt Franz Pfeffer über die Maßnahmen, die die Gemeinde Bodenwöhr zusammen mit dem Wasserwirtschaftsamt Weiden, dem Amt für Landwirtschaft und Ernährung und dem Landratsamt plant. Zusammengefasst gehe es darum, „die Quellen versiegen zu lassen“, so Pfeffer. Die Quellen für die Algenpest liegen in den Wäldern und Feldern, durch die die Mündungsbäche in den Hammersee fließen. „Da geht es um Sperrflächen für die Landwirtschaft, Nutzungsänderungen für Flächen entlang der Bäche und so weiter“. Allein für den Krieg gegen die Algen im Eixendorfer Stausee rechnet Pfeffer mit Kosten in „deutlich zweistelliger Millionenhöhe“.

In der Kriegskasse der Gemeinde Bodenwöhr liegen jährlich 33 000 Euro bereit. „Wir werden etwas tun“, verspricht Bürgermeister Stabl – auch wenn die Algen nicht von heute auf morgen vertrieben werden könnten. In jahrelanger Kleinarbeit müssten jetzt schnurgerade Gräben in natürlich mäandernde Bäche umgebaut und ´Rückhalte-Teiche gegraben werden. Damit werden die Fließgeschwindigkeiten der Zulaufbäche verringert, weniger Phosphat und Nitrat in den Hammersee geschwemmt und somit den Algen die Nahrung entzogen.

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