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Verbrechen

Mord: Anwälte kritisieren die Ermittler

Robert Hankowetz und Thomas Winkelmeier beklagen die Dauer der Untersuchungen und die Informationspolitik der Polizei.
Von Reinhold Willfurth

Der Tatort: Die Polizei beschlagnahmte das Wohnhaus von Dieter Loew in Wernberg-Köblitz.
Der Tatort: Die Polizei beschlagnahmte das Wohnhaus von Dieter Loew in Wernberg-Köblitz.Foto: Archiv

Wernberg.Mehr als ein Jahr nach dem Raubmord an Dieter Loew dauern die Ermittlungen der Polizei an. Nach wie vor stehen bei der Sonderkommission „EG Wernberg“ die 52-jährige Ehefrau des Opfers sowie deren 25-jähriger Lebensgefährte als Tatverdächtige im Fokus. Nach wie vor ist das Paar auch auf freiem Fuß.

Die Anwälte der beiden Verdächtigen, Robert Hankowetz und Thomas Winkelmeier, können nicht verstehen, warum sich die Ermittlungen so lange hinziehen. Mit einem offenen Brief gingen die beiden Regensburger Anwälte jetzt in die Offensive. Ihr schwerwiegendster Vorwurf an die federführende Staatsanwaltschaft Amberg: Die Verteidigung werde entgegen den gesetzlichen Vorgaben weitgehend über den Stand der Ermittlungen im Dunkeln gelassen.

Aber auch die Dauer der Ermittlungen ist für die Anwälte nicht nachvollziehbar. So moniert Thomas Winkelmeier, dass die Vergleichsspuren des von ihm vertretenen 25-Jährigen zum Abgleich mit den Spuren am Tatort „bereits vor über sechs Monaten zur Verfügung gestellt“ worden seien. Sein Mandant sei Polizist in München und seit Bekanntwerden der Anschuldigungen beamtenrechtlich suspendiert. Eine schnellere Aufklärung wäre daher „wünschenswert“, so Winkelmeier weiter.

„Wir erhalten laufend Schreiben von den Anwälten mit immer wieder neuen Umständen.“

Oberstaatsanwalt Dr. Thomas Strohmeier

Für die Anwälte entstehe der Eindruck, dass derzeit andere Täterkreise im Mittelpunkt stünden. Umso unverständlicher sei es, dass der „Makel, der durch die Ermittlungen gegen unsere Mandanten erzeugt wurde“, nicht behoben werde.

Die Juristen kritisieren auch Teile der Medien, die den Anschein erweckt hätten, der Lebensgefährte der Ehefrau sei der „Geliebte“ in einer ansonsten intakten Ehe gewesen. Zum Tatzeitpunkt sei das Ehepaar aber längst getrennte Wege mit jeweils neuen Partnern gegangen. Die Medien würden außerdem suggerieren, dass gegen die beiden Verdächtigen ein Haftbefehl vorliege, der nur wegen fehlender Fluchtgefahr nicht vollzogen werde. Dem sei aber nicht so.

Letzeres bestätigte Oberstaatsanwalt Dr. Thomas Strohmeier auf Anfrage der MZ. Das übrige Schreiben wollte Strohmeier nicht kommentieren. Nur so viel: „Wir erhalten laufend Schreiben von den Anwälten mit immer wieder neuen Umständen“. Tatsache sei, dass die Ermittler eine „unglaubliche“ Menge an Spuren auswerten müssten. Die Auswertung durch das Landeskriminalamt könne sich, so Strohmeiers Einschätzung, noch „einige Monate hinziehen“.

Mysteriöser Raubmord

  • Die Tat:

    Dieter Loew war am Morgen des 22. Dezember 2014 von einer Pflegekraft blutüberströmt in seinem Haus in Wernberg aufgefunden worden. Einen Monat später erlag er in einem Regensburger Krankenhaus seinen schweren Kopfverletzungen.

  • Die Ermittlungen

    Die Sonderkommission „EG Wernberg“ der Amberger Kriminalpolizei ermittelte zunächst gegen Unbekannt. Im Frühjahr 2015 wurde öffentlich, dass die 52jährige, von Loew getrennt lebende Ehefrau und deren damals 25jähriger Lebensgefährte des Mordes verdächtig sind.

  • Vorwürfe:

    Die Witwe überzog ihrerseits die Polizei mit Vorwürfen, unter anderem soll sie nach ihrer Ansicht bei der Untersuchung des Tatorts schlampig gearbeitet haben. Die Polizei wies die Vorwürfe umgehend zurück.

  • Spurensicherung:

    In der Wohnung der Tatverdächtigen in Weiden sowie in fünf weiteren Häusern, Wohnungen und Liegenschaften wurden Spuren gesichert. Diese Spuren werden nun aufwendig untersucht. (fu)

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