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Pädagogik

Musikschule droht der Ausschluss

Die Einrichtung in Neunburg hat zu wenig festangestellte Lehrkräfte. Nun könnte der Titel „Musikschule“ aberkannt werden.
Von Roland Thäder

Die Zahl der Musikschüler ist in den vergangenen Jahren angestiegen. Archivfoto: Tanja Kraus
Die Zahl der Musikschüler ist in den vergangenen Jahren angestiegen. Archivfoto: Tanja Kraus

Neunburg.Die Musikschulen im Landkreis Schwandorf wollen neue Wege gehen. Die Städtische Musikschule Neunburg und die Musikschulvereine Pfreimd und Schwandorf führen Gespräche darüber, wie sie unter einem gemeinsamen Dach ihren Schülern ein noch besseres Angebot anbieten können. Dabei geht es auch um Defizite, die Lehrer-Bezahlung und die zukünftige Finanzierung. Der Neunburger Schule droht nämlich der Ausschluss aus dem Verband der Bayerischen Sing- und Musikschulen, weil sie die Quote der Festangestellten nicht erfüllt. Das hätte auch die Aberkennung des Titels zur Folge. Festanstellungen würden aber enorme finanzielle Langzeit-Belastungen mit sich bringen. Jetzt soll eine Lösung gefunden werden.

Die musikalische Frühförderung ist ein Schwerpunkt der Arbeit der Städtischen Musikschule Neunburg. Archivfoto: Ralf Gohlke
Die musikalische Frühförderung ist ein Schwerpunkt der Arbeit der Städtischen Musikschule Neunburg. Archivfoto: Ralf Gohlke

Dazu trifft sich der Neunburger Bürgermeister Martin Birner als Dienstherr der Neunburger Einrichtung mit dem langjährigen Pfreimder Vereinsvorsitzenden Arnold Kimmerl und der Vorsitzenden des neu gegründeten Schwandorfer Vereins, Cornelia Horsch. Mit von der Partie werden am Freitag im Neunburger Rathaus auch die Neunburger Musikschulleiterin Bärbl Nutz (Neunburg) und Wolfgang Mages (Pfreimd) sein. Darüber hinaus wird der gebürtige Thansteiner und pensionierte Rektor der Landkreis-Musikschule Cham, Paul Windschüttl, berichten, wie er die Institution im Landkreis Cham aufgebaut hat. Diese Musikschule wurde 1991 gegründet.

Verband droht Neunburg mit Ausschluss

Bärbl Nutz als Conferencier Archivfoto: Tanja Kraus
Bärbl Nutz als Conferencier Archivfoto: Tanja Kraus

An eine landkreisweite Musikschule möchte Kimmerl im Gespräch mit der Mittelbayerischen gar nicht denken, aber es gehe bei einer wie auch immer gearteten Kooperation schon auch um staatliche und kommunale Zuschüsse. Der Auslöser für die jüngsten Aktivitäten war das oben genannte Schreiben des Verbandes der Sing- und Musikschulen vom 15. Juni 2018.

Kultur

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Gemäß den Statuten müssen die Verbandsmitglieder mindestens 51 Prozent ihrer Musiklehrer fest anstellen. Ansonsten würde die Mitgliedschaft zum 31. August 2019 enden. Dem Verbandsschreiben aus dem Vorjahr zufolge dürfte die Neunburger Institution den Titel „Musikschule“ nun nicht mehr führen. Aberkennen könnte ihn die Rechtsaufsicht bei der Regierung der Oberpfalz. „Die Angelegenheit ist beim Kultusministerium und bei der Regierung in Bearbeitung“, heißt es dazu in einer Stellungnahme der Regierung auf Anfrage der Mittelbayerischen.

Was man in der Musikschule lernen kann

  • Anmeldung:

    Für das Schuljahr 2019/2020 sind Anmeldungen noch möglich unter Tel. (09672) 2456, Fax: 915868, E-Mail: Musikschule-Neunburg@t-online.de; Internet: www.musikschule.stadtneunburgvormwald.de

  • Tasten- und Zupfinstrumente:

    Klavier, Kirchenorgel, Keyboard, E-Orgel, Akkordeon, Steirische Harmonika, Gitarre und E-Bass, Ukulele, Hackbrett, Zither, Harfe

  • Blasinstrumente:

    Block- und Querflöte, Klarinette, Saxophon, Trompete, Flügelhorn, Posaune, Waldhorn, Tenorhorn, Bariton, Tuba

  • Streichinstrumente:

    Geige, Bratsche, Cello, Kontrabass

  • Weitere Fächer:

    Schlagzeug/Percussion, Stimmbildung/Gesang, Dudelsack, Okarina-Flöte

In Neunburg handelt es sich aber mit Ausnahme der Leiterin, Bärbl Nutz, um Honorarkräfte. Der Neunburger Stadtrat hat sich mit dem Thema bereits beschäftigt, wollte sich aber auf das Festangestellten-Modell nicht einlassen.

Drängen lassen will sich Bürgermeister Birner durch die Fristsetzung des Verbandes keinesfalls. „Im Notfall können wir die Schule auch umbenennen“, sagt der Rathauschef gegenüber der Mittelbayerischen. Es gehe bei den Gesprächen darum, alles unter ein Dach zu bekommen und auch die Auslastung der Lehrer zu gewährleisten, sagt Birner weiter. Wenn das gelungen sei, werde er auch die Bürgermeister-Kollegen der Neunburger Außenstellen in Bodenwöhr, Tännesberg und Teunz informieren.

Stadtrat sprach sich gegen Festangestellte aus

Musikschulleiterin Bäbl Nutz mit einer Kindergruppe Archivfoto: Steinsdorfer
Musikschulleiterin Bäbl Nutz mit einer Kindergruppe Archivfoto: Steinsdorfer

Der Stadtrat hatte durchaus gewichtige Gründe, warum er sich gegen das Modell mit Festangestellten gewandt hat: Die Aufstellung des Musikschulhaushalts aus dem Jahr 2018 weist in einem Kostenvergleich im Haushaltsansatz 269 430 Euro aus. Der Ist-Betrag mit Honorarkräften beläuft sich auf 259 859 Euro und der hochgerechnete Ansatz mit Festangestellten beliefe sich auf 352 217 Euro.

Das Gesamtdefizit der Musikschule würde gegenüber diesem Ist-Ansatz auf einen Schlag von 34 Prozent auf 42 Prozent steigen. Das Defizit, allein des Verwaltungshaushalts, würde von 88 880 auf 147 738 Euro hochschnellen, und das Jahr für Jahr. Dass die Stadträte davor zurückschrecken, ist nachvollziehbar.

Frühzeitige Lernimpulse fördern die Entwicklung des musikalischen Gehörs. Archivfoto: Ralf Gohlke
Frühzeitige Lernimpulse fördern die Entwicklung des musikalischen Gehörs. Archivfoto: Ralf Gohlke

Dass die Schule Erfolge vorzuweisen hat, ist nicht von der Hand zu weisen. Die Zahl der Schüler ist in den vergangenen 20 Jahren von 275 auf 401 gestiegen. Die Hälfte sind Auswärtige. Einer der Schwerpunkte der Städtischen Musikschule liegt auf der musikalischen Früherziehung. „Diese ist ein attraktives und bewährtes vorschulisches Lernangebot“, heißt es dazu über das Konzept. Kinder fänden dabei zusammen mit Gleichaltrigen den Zugang zur Welt der Musik.

„Es handelt sich hier aber nicht um ein Hobby, sondern um die Ausbildung von Kindern. Das ist eigentlich eine schulische Aufgabe.“

Arnold Kimmerl, Vorsitzender des Musikschulvereins Pfreimd

Frühzeitige Anregungen und Lernimpulse fördern die Entwicklung des musikalischen Gehörs in besonderem Maße. „Alle Aktivitäten der Musikstunde gehen vom Erleben und Denken des Kindes aus. So leistet die musikalische Früherziehung einen höchst positiven Beitrag zur Gesamtentwicklung des Kindes“, schreibt Bärbl Nutz dazu.

Musikvereine übernehmen schulische Aufgaben

Die Sängerin Romy Börner widmet sich in der Neunburger Musikschule auch der Frühförderung. Archivfoto: Ralf Gohlke
Die Sängerin Romy Börner widmet sich in der Neunburger Musikschule auch der Frühförderung. Archivfoto: Ralf Gohlke

Diese Frühförderung ist auch für den Pfreimder Kimmerl das Hauptargument für eine engere Kooperation der Musikschulen. „Jeder schaut, dass er sich nicht noch mehr aufhalst“, zeigt Kimmerl Verständnis für die Haltung des Stadtrats. Schließlich war er selbst einmal Bürgermeister. „Es handelt sich hier aber nicht um ein Hobby, sondern um die Ausbildung von Kindern. Das ist eigentlich eine schulische Aufgabe“, sagt Kimmerl, der auch stellvertretender Landrat ist. Diese Aufgabe falle an Grundschulen aber oftmals der Budgetierung zum Opfer.

Deshalb sei in Pfreimd der Verein in die Bresche gesprungen. Jetzt wollen die drei Musikschulen einen gemeinsamen Weg finden, „das auf sichere Beine zu stellen“. Dann lasse sich vielleicht auch eine höhere Förderung erreichen, führt Kimmerl aus. Die staatliche Förderung kenne drei Stufen: 20 Prozent, 35 Prozent und 50 Prozent. Die Eingruppierung hänge aber von der Höhe der kommunalen Zuschüsse ab. Vielleicht gelinge es hier, auch den Landkreis mit ins Boot zu holen, hofft Kimmerl.

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