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Veröffentlichung

Nach WAA: Junge Generation wachrütteln

Oskar Duschinger will die Geschichte der WAA noch einmal lebendig werden lassen. Sein neues Buch erscheint im Herbst.
von cornelia Lorenz

Oskar Duschinger (r.) durchleuchtet in seinem neuen Buch über Altlandrat Hans Schuierer (l.) zum zweiten Mal die WAA-Zeit. Foto: Duschinger
Oskar Duschinger (r.) durchleuchtet in seinem neuen Buch über Altlandrat Hans Schuierer (l.) zum zweiten Mal die WAA-Zeit. Foto: Duschinger

Schwandorf.Mit 27 Jahren hat Oskar Duschinger sein erstes Buch über Hans Schuierers Kampf gegen die atomare Wiederaufarbeitungsanlage (WAA) in Wackersdorf geschrieben. Heute ist der Lehrer aus Bruck 58 und arbeitet auf die Veröffentlichung seines zweiten Werks über den streitbaren Landrat hin. „Auch die junge Generation soll erfahren, was vor 30 Jahren hier in der Oberpfalz passierte“, sagt Duschinger. Zu lesen gibt es sein neues Buch voraussichtlich ab Oktober – es soll zeitgleich mit dem Kinofilm „Wackersdorf“, den Regisseur Oliver Haffner 2017 in der Region drehte, auf den Markt kommen.

Es war im Jahr 1986, auf dem Höhepunkt der Proteste gegen die WAA, als Duschinger sich zum ersten Mal an den Schreibtisch setzte, um Schuierers Widerstand und die Ereignisse in Wackersdorf in Buchform zu bringen. Über 100 000 Menschen protestierten damals im Taxöldener Forst, in Vietnam erprobtes CN- und CS-Gas kam zum Einsatz – und Schuierer stemmte sich eisern gegen die geplante Plutoniumfabrik. „Ich war beeindruckt von diesem Mann, diesem Gandhi aus der Oberpfalz, der sich durch nichts von seinem gewaltlosen Widerstand abbringen ließ“, erinnert sich Duschinger.

Der „Gandhi aus der Oberpfalz“

Am Ende seiner umfangreichen Recherchen und Gespräche mit Schuierer stand damals das 300 Seiten dicke Werk mit dem Titel „Unbestechlich“. Duschinger, heute Rektor der Grundschule in Maxhütte-Haidhof, war damals noch Lehramtswärter. „Ich rechnete mit beruflichen Schwierigkeiten, doch die blieben zum Glück aus. Einen so jungen Kerl nahm man wahrscheinlich gar nicht ernst“, sagt er.

Die Proteste rund um die WAA liegen 30 Jahre zurück, vergessen sind sie längst nicht:

Der WAA-Widerstand veränderte die Oberpfalz

Bis zum heutigen Tag hat ihn die Geschichte der WAA nicht losgelassen – und einen wesentlichen Punkt hat Duschinger immer bedauert: Sein Buch endete damals mit den Ereignissen des Jahres 1986 – eingestellt wurde der Bau der Anlage aber erst 1989. Diese Lücke wollte Duschinger füllen. Bei einem Treffen im Dezember 2017 schwelgten er und Schuierer, die seit der WAA-Zeit eine Freundschaft verbindet, in alten Zeiten. „Da haben wir darüber fabuliert, dass wir das zu Ende bringen könnten, was wir vor 30 Jahren begonnen haben“, sagt Duschinger.

Viele Dokumente ausgewertet

Rund 400 Seiten dick soll das neue Buch nun werden, das im Oktober beim Regenstaufer Battenberg-Verlag erscheinen wird. In den letzten Monaten hat Duschinger dafür unzählige Dokumente gewälzt – zum Beispiel toxologische Gutachten zu den Gaseinsätzen und disziplinarische Schreiben der Regierung an Schuierer. Außerdem hat Duschinger zahllose Bilder gesichtet und viele Gespräche mit Zeitzeugen geführt – ganz besonders ausführlich natürlich auch mit dem Altlandrat. Er ist mittlerweile 87 Jahre alt, doch die WAA-Zeit hat ihn nie losgelassen. Die Dreharbeiten zum Kinofilm „Wackersdorf“ im Raum Schwandorf haben das Thema bei vielen Menschen wieder ins Bewusstsein gerückt – und Schuierer wurde wieder verstärkt darauf angesprochen. Unangenehm sei ihm das nie gewesen. „Es freut mich sogar, denn so sieht man, dass die Leute Interesse haben“, sagt er.

Lesen Sie mehr: Die WAA-Gegner waren beseelt von der Idee, Großes zu bewirken. Die Sehnsucht nach einer vereinten Bewegung lebt auch heute.

Deshalb hat er sich auch die Zeit genommen, für Duschingers neues Buch gedanklich noch einmal tief in die WAA-Zeit einzutauchen. Dabei konnte er auch die eine oder andere Anekdote beisteuern – zum Beispiel, dass er im Mai 1988 von der CSU einen Brief mit einem Autogramm des damaligen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß und einer Bestellkarte für den Bayern-Kurier bekommen hat.

Seine Art des Widerstands

„Ich habe damals keine Steine geworfen, sondern beobachtet.“

Oskar Duschinger, Buchautor

Das sind Geschichten, die auch Duschinger zum Schmunzeln bringen. Doch viele lustige Momente wird es in seinem neuen Schmöker nicht geben. „Es ist ein politisches Buch“, betont er. Er selbst sei nie politisch aktiv gewesen. „Ich wollte einfach nur diese umweltzerstörende Anlage verhindern“, sagt er. Deshalb war er bei den Protesten gegen die WAA oft vor Ort, häufig zusammen mit der ganzen Familie. „Ich habe damals keine Steine geworfen, sondern beobachtet. Jeder leistet auf seine Art Widerstand – ich habe ein Buch geschrieben“, sagt er.

In unserer Bildergalerie sehen Sie weitere Eindrücke der damaligen Auseinandersetzungen:

25 Jahre Baustopp der WAA

Dass das Nachfolgewerk mit dem Arbeitstitel „Der unbeugsame Demokrat“ zeitgleich mit dem Kinofilm veröffentlicht wird, ist natürlich kein Zufall. Eine Zusammenarbeit mit Produzent Ingo Fliess sei in Planung, sagt Duschinger. Der Film werde Emotionen hervorrufen, viel mehr noch als es ein Buch könne. Dafür könne sein Buch die Ereignisse viel umfassender darstellen als der Kinofilm. „Ich zeige Schuierer und den Widerstand in allen Facetten.“.

Der Konflikt um die geplante Wiederaufarbeitungsanlage in Wackersdorf prägte die Menschen. Sämtliche Informationen zu diesem Thema finden Sie hier.

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