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Teichwirtschaft

Nasser Start in die Karpfensaison

Im Oberpfälzer Seenland dreht sich bis April wieder alles um den Fisch, den viele am liebsten gebacken essen.
Von Renate Ahrens

Bis April dreht sich wieder alles um den gesunden Fisch, der das Aushängeschild der Region ist. Fotos: Renate Ahrens

Bruck.„Herrliches Fischwetter ist heute“, erklärt die Oberpfälzer Teichnixe und blickt strahlend von ihrem Schirm hervor in den grauen Regenhimmel. Viel Wasser brauchen die Fischwirte, das weiß Lena Bächer (20) aus eigener Erfahrung. Mit einem Netz holen die Mitglieder des Angelvereins Bruck eifrig große, dreijährige Karpfen aus dem Weiher. Denn endlich ist wieder Karpfensaison.

Zur Eröffnung hat der Zweckverband Oberpfälzer Seenland dieses Mal in das Heimat- und Bauernmuseum Bruck eingeladen – was passender nicht sein könne, befand zweiter Bürgermeister Robert Feuerer. Schließlich, so erzählt er, würden die Brucker einer alten Sage nach selbst als Karpfen bezeichnet, seitdem ein Bäuerlein dachte, einen Vogel im Schlamm gefunden zu haben, ihn in einen Käfig steckte und mit Wasser übergoss, bis herauskam, dass es ein Karpfen war.

Fisch in verschiedenen Variationen

Gerne isst man den gesunden, wohlschmeckenden Fisch hier zudem, auch der zweijährige Jakob, Neffe eines Anglers, hat keinerlei Berührungsängste und krault dem ersten gefangenen Karpfen die Flossen. Knusprig gebacken, so mag Jakob ihn jedoch noch lieber, und so dürfen ihn auch die vielen Ehrengäste in verschiedenen Variationen und als Suppe genießen.

Knusprigen Karpfen können Fischliebhaber ab jetzt wieder genießen. Foto: Ahrens
Knusprigen Karpfen können Fischliebhaber ab jetzt wieder genießen. Foto: Ahrens

Im Oberpfälzer Seenland, das mit dem Charlottenhofer Weihergebiet das Herzstück des Fischwirtschaftsgebiets Karpfenland Mittlerer Oberpfalz bildet, dreht sich nun bis April alles um den Karpfen. Im Jahr 2001 hat dieser Fisch das Prädikat „geschützte geografische Angabe“ erhalten. Zudem sei er ein „reines Naturprodukt“, das nachhaltig, frisch und wohlschmeckend sei, wie Alexander Flierl, MdL und Vorstandsvorsitzender der Teichgenossenschaft Oberpfalz, betonte. „Die Teichwirtschaft ist ein wesentlicher Teil unserer Kultur, der Erhalt für die Politik ein großes Anliegen.“

Ein Interview mit Teichnixe Lena Bächer lesen Sie hier!

Vieles hänge damit zusammen, ob Artenvielfalt, Hochwasserschutz oder Biodiversität. Das entscheidende Argument für dieses hervorragende Lebensmittel, sagte Flierl, sei jedoch sein Geschmack. Längst wird er nicht mehr nur blau oder gebacken zubereitet, immer mehr setze man neben traditionellen auf neuinterpretierte, kreative Rezepte. Bis April kann man sich davon in vielen Gaststätten und Restaurants im Landkreis Schwandorf überzeugen.

„Die Teichwirtschaft ist ein wesentlicher Teil unserer Kultur, der Erhalt für die Politik ein großes Anliegen.“

MdL Alexander Flierl

Doch auch die Probleme der Züchter mit dem Kormoran oder dem Biber blieben nicht unerwähnt. „Bei wirtschaftlichen Schäden und Überpopulation, und das ist zurzeit der Fall, darf er bekämpft werden“, sagte der Europaabgeordnete und Verbandsvorsitzende der Bayerischen Berufsfischer, Albert Deß. Schließlich ist der Oberpfälzer Karpfen ein Erzeugnis der traditionellen Teichwirtschaft mit einer fast 1000-jährigen Geschichte. Es sei wichtig, sagte auch MdL Joachim Hanisch, immer wieder darauf hinzuweisen und diese Tradition zu pflegen. Viele Menschen würden den Karpfen immer mit Franken verbinden, wie er bedauerte.

Rückzugsraum für bedrohte Tiere

Drei Jahre alt waren die Karpfen, die aus dem Teich in Mappach geholt wurden.
Drei Jahre alt waren die Karpfen, die aus dem Teich in Mappach geholt wurden.

Expertin Bächer, die in einem feschen Dirndl aus Fischhaut kam, erklärte viel Wissenswertes, während die Fischer die Karpfen aus dem Teich holten. Dieser sei auch ein wertvolles Ökosystem und ein wichtiger Rückzugsraum für bedrohte Tier- und Pflanzenarten. In den Naturteichen durften die Fische drei Sommer lang heranwachsen, bevor diese abgelassen und abgefischt werden. Die Karpfen ernähren sich fast ausschließlich von natürlichen Kleinlebewesen.

Informationen über den Karpfen, die Teichwirtschaft, aber auch über Gaststätten, die den Fisch zubereiten, erhält man im Internet auf www.karpfenland-oberpfalz.de.

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Fischwirte sorgen für gute Qualität

  • 10 000 Hektar Teichfläche:

    Die Oberpfalz zählt heute etwa 3000 Betriebe, die auf knapp 10 000 Hektar Teichfläche Karpfenteichwirtschaft betreiben. Die Fischzucht stelle im Oberpfälzer Raum einen wichtigen Wirtschaftsfaktor dar, darauf weist das Fischwirtschaftsgebiet Karpfenland Mittlere Oberpfalz hin.

  • Zusammenschluss:

    Das Fördergebiet ist ein landkreisübergreifender interkommunaler Zusammenschluss und eines von vier Fischwirtschaftsgebieten in Bayern. Es umfasst den gesamten Landkreis Schwandorf. Die genaue Zahl der Teichwirte und gefischten Karpfen im Landkreis könne man aber nicht festhalten.

  • Nebenberuf:

    Laut Stephanie Wischert, Projektmanagerin bei Karpfenland Mittlere Oberpfalz, sind viele Fischwirte nebenberuflich tätig. Alle tragen jedoch zur Qualität bei: Das langsame Wachstum der Fische garantiere ein mageres und festes Fleisch, das bekömmlich und reich an ungesättigten Fettsäuren sei.

  • Museum:

    Die Geschichte der Teich- und Fischwirtschaft wird seit 2012 anschaulich im Heimat- und Bauernmuseum in Mappach erzählt, wie man sich bei der Saisoneröffnung überzeugen konnte. Gleich neben dem Museum befindet sich der Weiher, von dem die Gäste das Abfischen beobachten durften. (tre)

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