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Altstadt

Neue Chancen für das Bergviertel

Bauamtsleiter Schade will das Quartier im Schatten des Schwandorfer Schmidtbräu-Geländes aus dem Dornröschenschlaf holen.
Von Reinhold Willfurth

Die Wand der einstigen Brauerei Schmidt (links) ragt vor der Spitzwegstraße im Bergviertel auf.Foto: Willfurth
Die Wand der einstigen Brauerei Schmidt (links) ragt vor der Spitzwegstraße im Bergviertel auf.Foto: Willfurth

Schwandorf.Das Bergviertel soll in die Überlegungen für die Zukunft des Schmidbräu-Geländes einbezogen werden. Reinhard Schade, Leiter des Stadtbauamts, will die Idee demnächst dem Stadtrat vortragen. Die Regierung der Oberpfalz als Zuschussgeber ist eingeweiht. Ganz neu ist die Idee nicht: Zuletzt hatte eine Machbarkeitsstudie der Architekten Köstlbacher Miczka 2013 die Häuserzeile östlich der Spitzwegstraße in das Konzept für die Brauerei-Brache eingebunden.

Das Bergviertel liege im Dornröschenschlaf, befanden die Regensburger Architekten und schlugen eine lockere Bebauung vor, die sich an den Maßen des Urkatasters orientieren sollte. Doch seitdem ist nichts passiert. Über die Hinterhofatmosphäre des Quartiers können die stellenweise hübsch sanierten Altstadthäuser entlang der Spitzwegstraße nicht hinwegtäuschen. Leerstände im desolaten Zustand oder zum Parkplatz umfunktionierte Baulücken nagen arg am durchaus vorhandenen Charme des Altstadtviertels im Schatten der massiven Brauereigebäude.

Die Diskussion um die Zukunft des Schmidbräu-Geländes habe den Blick auf das wertvolle Altstadt-Areal dahinter verstellt, findet Reinhard Schade. Statt der „Briefmarkenplanung“ für das Brauereigelände muss aus seiner Sicht der Planungshorizont auf das dahinterliegende Viertel erweitert werden – „von der böhmischen Torgasse bis zum Marktplatz“.

Leerstand Foto: Willfurth
Leerstand Foto: Willfurth

Für die „Verzahnung mit dem unmittelbaren Umfeld“ sprechen Schade zufolge viele Gründe. Einer davon sei die „Abstandsflächen-Problematik“. Fehlender Abstand zu den Nachbargebäuden war einer der Gründe für den heftigen Widerstand der Stadtplanung gegen den Plan von Prof. Hans-Peter Scheck, drei Wohnblocks mit 44 Wohnungen auf dem Gelände zu bauen. Der Widerstand wurde nicht schwächer, als Scheck seinen Plan auf 36 Wohnungen reduzierte. Zweites Problem im engen Bergviertel sind die Stellplätze. Während Hans-Peter Scheck auf die nahe Rathausgarage verwies, ist Reinhard Schade skeptisch, ob es ohne Stellplätze vor Ort geht.

„Über Tellerrand hinausblicken“

Wildwuchs Foto: Willfurth
Wildwuchs Foto: Willfurth

Jetzt biete sich die Chance, „über den Tellerrand hinauszublicken“ und das komplette Viertel neu zu beplanen. Bei der Regierung der Oberpfalz, wo über Städtebaufördermittel entschieden wird, hat der Bauamtsleiter schon vorsorglich angefragt und nach eigener Aussage positive Resonanz erhalten. Dass der Plan nicht über Nacht gezeichnet werden könne, sei freilich auch klar. „Das wird ein dickes Brett, das wir da oben bohren müssen“, sagt Schade, der auch auf die Personalnot in seinem Amt verweist. Die Stadt hat kürzlich den Kaufvertrag für das 3000 Quadratmeter große Schmidtbräu- Geländes unterschrieben. Damit will die Kommune die Oberhand behalten bei der Entwicklung des wichtigen innerstädtischen Areals. Außerdem sind öffentliche Fördermittel für den Abbruch der Bestandsgebäude und den Neu- oder Umbau von öffentlichen Gebäuden und Verkehrswegen zu erwarten.

„Das wird ein dickes Brett, das wir da oben bohren müssen.“

Reinhard Schade, Bauamtsleiter

In der Diskussion ist außerdem eine öffentliche Teilnutzung. Ein Umzug der Stadtbibliothek auf das Brauereigelände ist nach wie vor denkbar. Ansonsten aber wartet die Stadt auf Investoren, die das Gelände intelligent und wirtschaftlich bebauen wollen. Fragt sich nur, ob eine Überplanung des Bergviertels die ohnehin knappen Ressourcen in der Stadtplanung noch weiter reduzieren, sprich, ob die Erlösung des Areals aus seinem Dornröschenschlaf noch länger auf sich warten lässt.

Stadtrat im Prinzip angetan

Vorbild Blasturm-Umfeld Foto: Willfurth
Vorbild Blasturm-Umfeld Foto: Willfurth

Eine kurze Umfrage unter Stadträten zeigt immerhin, dass Schades Idee auf fruchtbaren Boden fällt. Für CSU-Fraktionssprecher Andreas Wopper ist „alles herzlich willkommen, was das Schmidtbräu-Gelände weiterbringt“. Für die Personalnot in der Verwaltung hat Wopperer einen ganz einfachen Vorschlag: Nicht alles selber machen, sondern Planungen an externe Büros vergeben. Kurt Mieschala (Unabhängige Wähler) macht die Idee Schades „mit Sicherheit Sinn“. Schließlich sei das Bergviertel nicht nur eine attraktive Wohngegend, sondern auch Schauplatz von Stadtführungen mit auswärtigen Gästen, denen man die schönen Seiten der Kreisstadt zeigen wolle.

Das Bergviertel

  • Befund:

    Die Architekten Köstlbacher Miczka schlugen 2013 Alarm: Der zunehmend desolate Zustand des Schmidtbräu-Areals ziehe auch das Bergviertel in Mitleidenschaft. Er schade dem Zentrum und blockiere die Entwicklung der City. Die Hinterhof-Atmosphäre schlägt sich in Leerständen oder als Parkplätze genutzten Brachflächen nieder. Stellenweise zeigen sich aber auch vorbildlich sanierte Altstadthäuser, die Qualität des Viertels unterstreichen.

  • Vorbild:

    Ein Beispiel für eine gelungene Sanierung im Bergviertel ist auch zunehmend das Umfeld um den Blasturm. Nach langen Jahren des Leerstands lässt der Oberpfälzer Waldverein das dortige Türmerhaus aufwendig restaurieren. (fu)

Mit dem Blasturm und seinem Umfeld gebe es auch schon ein gutes Beispiel für eine gelungene Sanierung im Quartier. Unbedingte Voraussetzung für Mieschala ist allerdings, dass die Planung für das Schmidtbräu-Areal nicht unter der neuen Planung leide. Dass die Stadt als Käufer auftritt, sieht der UW-Stadtrat skeptisch. Allein die Abrisskosten seien mit bis zu 700 000 Euro so teuer, dass die Stadt draufzahlen werde, Förderung hin oder her. Alfred Damm (ÖDP) fürchtet, dass die grundsätzlich sinnvolle Idee dafür sorgen könnte, dass sich eine Bebauung des Brauereigeländes „über Jahre hinzieht“.

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