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Dorferneuerung

Neue Dorfmitte ist bald am Ziel

Der Neunburger Bauausschuss besichtigte den Baufortschritt der Ringstraße rund um den Dreiseithof in Mitterauerbach.
Von Ralf Gohlke

Der Stand der Arbeiten an der Ringstraße um den „Aiherlhof“ war der einzige Besichtigungspunkt des Bauausschusses. Foto: R. Gohlke
Der Stand der Arbeiten an der Ringstraße um den „Aiherlhof“ war der einzige Besichtigungspunkt des Bauausschusses. Foto: R. Gohlke

Neunburg. Nur ein Besichtigungspunkt stand auf dem „Reiseplan“ des Bauausschusses vor seiner öffentlichen Sitzung am Donnerstag. Ziel war der über 200 Jahre alte Dreiseithof in Mitterauerbach. Seit 2012 wird das ehemalige Schieder-Anwesen aufwendig saniert. Entstehen wird dort ein neuer Dorfmittelpunkt mit dem Feuerwehrhaus, einer Dorfscheune, dem Gemeinschaftshaus und einem Backofen. Die Arbeit an den Gebäuden erfolgte unter enormer Eigenleistung der Dorfgemeinschaft, die sich bis lang auf weit mehr als 14 000 Arbeitsstunden summiert haben. Hinzu kommen Holzspenden der Waldbesitzer und einiges mehr. Inzwischen befinden sich alle Arbeiten „auf der Zielgeraden“.

Barrierefrei in die Kirche

Eine der größeren Projekte ist derzeit noch der Bau der „Ringstraße“ am Anwesen. Sie dient vordringlich dem Zweck einer besseren Erschließung des Geländes im Bereich der Dorfkirche und des Friedhofes. Vor Ort erläuterte Architekt Michael Steidl den Mitgliedern des Ausschusses den Stand der Arbeiten, die vom Bauunternehmen Franz Wilhelm ausgeführt werden.

Die Ringstraße erschließt künftig die Zufahrt zum Friedhof von Mitterauerbach wesentlich besser. Mit dem Neubau konnte auch die Anzahl der Parkmöglichkeiten deutlich erhöht werden. Zudem bietet sie ein gestalterisches Segment für den Dreiseithof. Foto: R. Gohlke
Die Ringstraße erschließt künftig die Zufahrt zum Friedhof von Mitterauerbach wesentlich besser. Mit dem Neubau konnte auch die Anzahl der Parkmöglichkeiten deutlich erhöht werden. Zudem bietet sie ein gestalterisches Segment für den Dreiseithof. Foto: R. Gohlke

Neben den gestalterischen Elementen hob Steidl die Vorteile hervor, die die Entwässerung für das Mauerwerks hat und wies auf die hohe Dinglichkeit hin, die die Neuanlage von Parkplätzen hatte. Diese können nun sowohl bei den Gottesdiensten als auch bei Beerdigungen genutzt werden.

Besonders wies der Planer auf die Bereitschaft der Kirchenverwaltung hin, den Straßenausbau mit der Sanierung der Friedhofsmauer zu begleiten. Hier sei zusätzlich ein barrierefreier Zugang sowohl zum Friedhof als auch in die Kirche geschaffen worden, der an anderer Stelle, wegen der Hanglage kaum möglich gewesen wäre.

Werner Bachseitz, Sachgebietsleiter des Amtes für ländliche Entwicklung, sprach im Zusammenhang mit dem Straßenbau und der Sanierung des Hofes von einem „Leuchtturmprojekt“ in Planung und Durchführung und ergänzte: „Als Dorferneuerer da mit im Boot zu sein, ist einmalig.“

m Keller mit seinem aus Bruchsteinen gemauerten Tonnengewölbe, erinnert nach der Sanierung nichts mehr an das einst eher muffige und feuchte Raumklima. Der Boden wurde mit den Originalziegeln gepflastert, die einmal den Erker des Hauptgebäudes bildeten.
m Keller mit seinem aus Bruchsteinen gemauerten Tonnengewölbe, erinnert nach der Sanierung nichts mehr an das einst eher muffige und feuchte Raumklima. Der Boden wurde mit den Originalziegeln gepflastert, die einmal den Erker des Hauptgebäudes bildeten.

Trotz der schwierigen Geländeverhältnisse habe die Firma Wilhelm den Straßenbau „sauber umgesetzt“. Die Ringstraße sei genau die richtige Abrundung für das gesamte Projekt. Es sei insgesamt ein Beispiel dafür, was machbar sei, wenn sich die Gemeinschaft, wie in dem Fall, einbringe.

Türen und Fenster im Hauptgebäude wurden entweder restauriert oder, wie bei den Kastenfenstern, nach alten Mustern neu angefertigt. Die Türbeschläge und Schlösser wurden im Original erhalten. Alle Holzoberflächen, einschließlich der Böden, erhielten ein Anstrich auf Leinölbasis.
Türen und Fenster im Hauptgebäude wurden entweder restauriert oder, wie bei den Kastenfenstern, nach alten Mustern neu angefertigt. Die Türbeschläge und Schlösser wurden im Original erhalten. Alle Holzoberflächen, einschließlich der Böden, erhielten ein Anstrich auf Leinölbasis.

Die wenigsten Leute könnten sich vorstellen, was aus einem alten Gemäuer bei entsprechendem Engagement alles werden könne. Daher sei es eine gute Entscheidung der Dorfgemeinschaft und der Verantwortungsträger der Stadt gewesen, „das alte Geraffel nicht einfach wegzuschieben“. Die Atmosphäre, die darin herrsche, sei mit keinem Neubau zu erreichen.

Alte Lampen modernisiert

Davon konnten sich bei einem Rundgang die Ausschussmitglieder erneut überzeugen. Der führte sie zunächst in die Scheune, in der die Ergänzungen und Verstärkungen der ursprünglichen Konstruktion noch gut erkennbar sind. Einen besonderen Charme erhält sie unter anderem durch die alten Industrielampen, die technisch auf einen modernen Standard gebracht und nun mit LED-Leuchten ausgestattet wurden. Erneute Holzspenden wurden in Galeriegeländer umgesetzt. Der Boden soll noch mit Ziegeln und Dielen ausgelegt werden.

Die Katholische Kirchenstiftung trug ebenfalls zur Neugestaltung des Ortskerns bei. Die Friedhofsmauer wird komplett saniert. Zusätzlich wurde ein Durchbruch mit einem Rundbogen geschaffen, der nun einen barrierefreien Zugang auch zur Kirche erlaubt. Foto: R. Gohlke
Die Katholische Kirchenstiftung trug ebenfalls zur Neugestaltung des Ortskerns bei. Die Friedhofsmauer wird komplett saniert. Zusätzlich wurde ein Durchbruch mit einem Rundbogen geschaffen, der nun einen barrierefreien Zugang auch zur Kirche erlaubt. Foto: R. Gohlke

Beim Betreten des ehemaligen Wohnhauses fiel sofort das angenehme Raumklima auf, das nichts mehr mit dem feuchten Modergeruch vor der Entkernung zu tun hatte. „Was man jetzt riecht, ist Leinöl“, erklärte Michael Steidl. Alle Holzoberflächen wurden mit leinölbasierten Anstrichen versehen, einschließlich der Holzböden. Nahezu liebevoll strich er über die Tür zum Wohnzimmer, dem Original, bei dem lediglich von Insekten zerstörte Teile ausgetauscht worden waren. Auch die Beschläge seien original. Steidl wies besonders auf die hellen Räume hin. Besondere Leibungen hätten dies möglich gemacht, obwohl die Fenster sehr klein sind. Ein Permanentheizsystem in den Sockelleisten sorge dafür, dass keine Feuchtigkeit in die Wände aufsteigen könne und eine Wandheizung (hinter Putz) gewährleiste das angenehme Raumklima.

Ein Blick in den Keller und das Obergschoss begeistere die Ratsmitlieder ebenfalls. Bürgermeister Martin sprach erneut von „einer Perle im ländlichen Raum“ und freute sich auf die Einweihung, voraussichtlich 2019.

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