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Neunburger Nord-Ostgruppe rüstet auf

Der Neunburger Zweckverband saniert Anlagen und investiert kräftig in Photovoltaik und die IT-Sicherheit.
Von Roland Thäder

Weder Qualität noch Quantität des Neunburger Trinkwassers haben unter der Dürre gelitten. Foto: Oliver Berg/dpa
Weder Qualität noch Quantität des Neunburger Trinkwassers haben unter der Dürre gelitten. Foto: Oliver Berg/dpa

Neunburg.Wer in Neunburg den Wasserhahn aufdreht, kann sicher sein: Er bekommt bestes Trinkwasser zu einem unschlagbaren Preis. Seit 29 Jahren wird Klaus Zeiser, Vorsitzender des Zweckverbands zur Versorgung der Nord-Ostgruppe Neunburg vorm Wald, nicht müde, dies zu betonen. Das ist nicht überall selbstverständlich. Aber damit das so bleibt, fährt der Wasserversorger heuer eine Investitionsoffensive. Diese zielt auf die Versorgungssicherheit als auch auf eine verbesserte Wirtschaftlichkeit ab.

Herzstück dieser Offensive ist die Wasseraufbereitungsanlage des Zweckverbands in Erzhäuser. Von dort wird im Zuge der Verbesserung der Sicherheit der öffentlichen Infrastruktur künftig die gesamte Wasserversorgung gesteuert. Dazu wurde auch die Zugriffsmöglichkeit der Steuerung auf wenige Mitarbeiter beschränkt. Die vorhandene IT-Sicherheit mit Password wird um eine zweite Sicherheitsstufe mit Autorisierung ergänzt, sagten Zeiser, Wassermeister Johann Brunner und Zweckverbandsgeschäftsführer Werner Schärtl im Gespräch mit dem MZ-Reporter.

Sicher und wirtschaftlich

Wassermeister Johannes Brunner hat mit wenigen Klicks alle Betriebspunkte des Wasserleitungsnetzes auf dem Bildschirm. Foto: Thäder
Wassermeister Johannes Brunner hat mit wenigen Klicks alle Betriebspunkte des Wasserleitungsnetzes auf dem Bildschirm. Foto: Thäder

Welch großen Schaden Hacker in der digitalen Welt anrichten können, haben wir bei den Datenskandalen der vergangenen Wochen und Monate erfahren. Schließlich ist „Trinkwasser das wichtigste Lebensmittel, es kann nicht ersetzt werden“, heißt es im Eingangs- und Leitsatz der DIN 2000.

Die digitale Steuerung des Wassernetzes und der Einbau digitaler Wasserzähler sorgen aber auch für eine Verbesserung der Wirtschaftlichkeit. So müssen die neuen digitalen Zähler erst nach zwölf statt wie bisher nach sechs Jahren ausgetauscht werden. Das senkt Kosten. Außerdem lassen sich über die Rückmeldungen der digitalen Zähler Leckagen leichter entdecken, Wasserverluste somit minimieren, weil sie ungewöhnlichen Dauerfluss erkennen. In der Folge werden am Jahresende Fehlermeldungen ausgelesen.

Wassermeister Brunner hat mit wenigen Klicks im Gebäude der Stadtwerke Füllstände und Zustand der technischen Betriebspunkte der gesamten Wasserversorgung auf dem Bildschirm im Blick. Da sind die fünf Brunnen, die das Trinkwasser aus der Bodenwöhrer Senke aus bis zu 180 Metern Tiefe an die Oberfläche fördern, genauso dargestellt, wie die neun Hochbehälter bis hinauf nach Wagnern, neun Druckerhöhungsanlagen oder die 72 Schachtbauwerke.

Der Wasserversorger

  • Fördermengen:

    2016 – 1,23 Millionen Kubikmeter; 2017 – 1,24 Millionen Kubikmeter, 2018 – 1,39 Millionen Kubikmeter

  • Versorgungsgebiet:

    4000 Hausanschlüsse, 15 000 Einwohner

  • Mitarbeiter:

    Werner Schärtl (Geschäftsführer), Johannes Brunner und Torsten Hergenröther (Wassermeister, Franz Schneider, Gerhard Vizthum und Reinhard Karl (Monteure); Christoph Meier (Versorgungstechniker, Oliver Tetsch (Azubi)

Neben Neunburg und den Gemeinden der Verwaltungsgemeinschaft werden Teile von Schwarzenfeld, Schwarzach, Winklarn, Oberviechtach und Teunz mit Wasser versorgt. Neu hinzu kommen gerade die Thansteiner Ortsteile Jedesbach und Dautersdorf. Auch der Niedermuracher Ortsteil Pertholzhofen wird ans Netz angeschlossen, sobald die Gemeinde mit dem Leitungsbau die Voraussetzungen erfüllt habe, so Verbandsvorsitzender Zeiser. Insgesamt versorgt der Zweckverband 15 000 Einwohner. Deshalb muss er in diesem relativ dünn besiedelten Gebiet ein besonderes Augenmerk auf die Wirtschaftlichkeit haben. Einige Betriebe aus der Lebensmittelbranche, wie Lorenz Bahlsen, „sichern uns in Neunburg mit massiver Wasserabnahme an wenigen Punkten die Wirtschaftlichkeit“, sagt der Verbandsvorsitzende.

Immerhin ist die Wasserpreisstabilität bis einschließlich 2020 bereits festgeschrieben (Die MZ berichtete). Der Kubikmeter kostet 1,2o Euro (plus 7 % Umsatzsteuer), einschließlich Abwasserentsorgung in Höhe von 1,74 Euro fallen 2,90 Euro an. Dafür gibt es im Supermarkt allenfalls eine sehr günstige Kiste Mineralweiser, betont Zeiser. Und diese müsse man auch noch nach Hause tragen.

Die Stromkosten senken

Zweckverbandsvorsitzender Klaus Zeiser und Geschäftsführer der Nord-Ostgruppe, Werner Schärtl. Foto: ro
Zweckverbandsvorsitzender Klaus Zeiser und Geschäftsführer der Nord-Ostgruppe, Werner Schärtl. Foto: ro

Angesichts von 250 000 Euro Stromkosten pro Jahr, die in erster Linie für die Wasserpumpen anfallen, setzt der Zweckverband verstärkt auf regenerative Energien. Im Frühjahr soll auf dem Grundstück neben besagter Aufbereitungsanlage eine Freiflächen-Photovoltaikanlage entstehen. Dafür nimmt der Zweckverband rund 500000 Euro in die Hand. Die Leistung von 140 Watt Peak (kwp) wird direkt eingespeist.

Das Neunburger Trinkwasser selbst ist nahezu perfekt. Herausgefiltert werden bei vier Brunnen nur Eisen und Mangan. Dort muss es sogar aufgehärtet werden, weil es zu weich ist. Das Wasser aus dem fünften Brunnen kann sogar völlig ohne Aufbereitung hinzugemischt werden. Wenn der Brunnen 2 demnächst für eineinhalb Jahre wegen der Sanierung ausfällt (Baujahr 1960/61 im Zuge des damaligen Neubaus der Kaserne), werden das die Verbraucher laut Zeiser und Brunner gar nicht merken, weil die Förderleistung durch die anderen Brunnen locker ausgeglichen werde.

Damit erübrigt sich auch schon fast die obligatorische Frage des MZ-Reporters nach den Auswirkungen der Dürre des vergangenen Sommers aufs Trinkwasser. So weit es das Reservoir betreffe, erläutert Brunner, habe es lediglich höhere Schwankungen gegeben. Die Steigerung des Verbrauchs um 150 000 Kubikmeter auf rund 1,4 Millionen Kubikmeter gegenüber 2017 könne durchaus etwas mit dem heißen Sommer zu tun haben, ließe sich aber eventuell auch auf die Fußball WM zurückführen. Denn im Frühjahr 2018 hätte die Produktion von Chips und Co. Hochkonjunktur gehabt. Als die Deutsche Nationalmannschaft dann früh ausgeschieden ist, waren Letztere schon produziert.

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