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Ernährung

Neunburger Schulessen kommt aus Nürnberg

Caterer aus der Stadt zeigten kein Interesse an der Ausschreibung des Schulverbands. Die MZ macht den Geschmackstest.
Von Roland Thäder

Maxi Gruber hat das Mittagessen des neuen Caterers „S-Bar for Kids“ überzeugt.Foto: Thäder
Maxi Gruber hat das Mittagessen des neuen Caterers „S-Bar for Kids“ überzeugt.Foto: Thäder

Neunburg.Es ist Donnerstagmittag und ich – 56 Jahre alt – sitze unter lauter Schülern in der Mensa der Mittelschule Neunburg. Da hat sich mächtig was verändert, seit ich selbst die Schulbank gedrückt habe. Heute wird elektronisch per Chip-System gezahlt und erfasst, ob ein Schüler gegessen hat. Sogar seine Allergien sind im elektronischen System erfasst, damit er nichts Falsches zu essen bekommt.

Rektorin Irene Träxler hat zum Testessen eingeladen. Denn die Mittelschule hat einen neuen Essenslieferanten. Der Neunburger Metzger Klaus Baumgärtner hatte aufgehört. Doch der neue Caterer liefert täglich aus Nürnberg und ist mit 2,90 Euro pro Portion auch noch um 50 Cent billiger. Kann das etwas taugen?

In Gruppen stellen sich die Kinder im Zehn-minuten-Takt zum Essenfassen an. Foto: ro
In Gruppen stellen sich die Kinder im Zehn-minuten-Takt zum Essenfassen an. Foto: ro

Serviert wird Karotten-Kartoffel-Brokkoli-Auflauf mit Salat und Zitronenjoghurt. Das Essen ist trotz des langen Anfahrtswegs noch heiß – 70 Grad, sagt Küchenchefin Margaretha Zwicknagel. Es wird regelmäßig bei der Anlieferung kontrolliert. Das Gemüse hat tatsächlich Biss, auch wenn die Konsistenz auf den ersten Blick dies nicht vermuten ließ. Geschmacklich ist es erstaunlich gut abgerundet. Vor allem beim Salz hat der Küchenchef die richtige Dosis gefunden – Chapeau.

Besonders gut kommt bei der Jugend die neue Salatbar mit drei Sorten Salat und zwei Dressings an. Letztere hätte sich der Senior im Speisesaal allerdings etwas würziger gewünscht. Wirklich gelungen ist dagegen das Dessert: Der Zitronenjoghurt ist kaum gezuckert und hat viel natürliches Aroma. Der ist, wie sich auf Nachfrage herausstellt, tatsächlich selbst gemacht. Alles in allem kann man den Mittagstisch nur weiterempfehlen.

Hier ist Feedback erwünscht

Auf diesem Bewertungszettel geben die Schüler ihr Urteil ab: Hat es geschmeckt oder ehr nicht. Foto: ro
Auf diesem Bewertungszettel geben die Schüler ihr Urteil ab: Hat es geschmeckt oder ehr nicht. Foto: ro

Der Speiseplan hängt übrigens neben der Ausgabetheke und darunter können die Schüler ihr Urteil abgeben. Tatsächlich hat niemand eine schlechte Bewertung abgegeben. Was ebenfalls Aufschluss darüber gibt, ob es geschmeckt hat, ist die Rücklaufquote. Fast alle Teller waren leer gegessen. Der Abfallbehälter für die Essensreste ist klein und wurde nicht voll. Und der elfjährige Maxi Gruber aus Katzdorf machte keinen Hehl daraus, dass es ihm geschmeckt hat: „In der Mensa wird man immer satt.“

Das Mittagessen

  • Preis:

    Von 3,40 Euro ist der Preis pro Portion auf 2,90 Euro gesunken.

  • System:

    Die Firma „Kitafino“ rechnet per Chip-System das Mittagessen ab. Eltern überweisen das Geld. Damit lässt sich auch kontrollieren, ob ein Kind zu Mittag gegessen hat.

  • Zutaten:

    Im „Kitafino-Sytsem“ ist auch hinterlegt, ob ein Kind Lebensmittelallergien hat. Danach wird das Essen zusammengestellt.

  • I-Tüpfelchen:

    Margaretha Zwicknagel verfeinert die Gerichte mit Kräutern aus dem Schul-Hochbeet.

Aber warum wollte Baumgärtner nicht mehr weitermachen?„Es sind drei Kräfte weggebrochen. Das konnten wir nicht kompensieren“, sagt er gegenüber der MZ. Die Zusammenarbeit sei immer gut gewesen. Die Grundschule an der Lederer Straße, die seit dem neuen Schuljahr über eine neue Mensa verfügt, versorgt Baumgärtner jedoch weiter.

Das Mittagessen ist ein Gemeinschaftserlebnis. Foto: ro
Das Mittagessen ist ein Gemeinschaftserlebnis. Foto: ro

Auf eine öffentliche Ausschreibung des Neunburger Schulverbands im vergangenen Frühjahr für dessen Nachfolge bewarb sich jedoch kein Caterer aus Neunburg. Es bewarb sich überhaupt nur eine Firma, „S-Bar for Kids“ aus Nürnberg, weiß Stadtkämmerer Michael Haßfurter. Und da keine Gründe vorlagen, die Franken auszuschließen, bekam das Unternehmen den Zuschlag für die Versorgung von rund 125 Mittel- und rund 15 Gastschülern der Realschule. Denn die Realschule verfügt über keine eigene Mensa. Und schließlich ist das Mittagessen für die Schüler ein zentraler Bestandteil für das Angebot eines Ganztagesunterrichts.


„Das hat uns schon sehr überrascht, dass seitens der lokalen Betriebe kein Interesse bestanden hat“, sagt der Schulverbandsvorsitzende, Bürgermeister Martin Birner. Obwohl er bei bekannten Neunburger Betrieben für den Auftrag warb, bekam er nur Absagen. Personalmangel sei in der Regel der Grund dafür gewesen, berichtet auch Rektorin Träxler.

I-Tüpfelchen: Margaretha Zwicknagel verfeinert die Gerichte mit Kräutern aus dem Schul-Hochbeet. Foto: ro
I-Tüpfelchen: Margaretha Zwicknagel verfeinert die Gerichte mit Kräutern aus dem Schul-Hochbeet. Foto: ro

Beim Mittagessen in der Mensa gehe es auch um das Gemeinschaftserlebnis, so Träxler. Die Kinder essen zusammen, räumen zusammen ab und gehen wieder in ihre Klassenzimmer. Dabei lernen sie, Verantwortung zu übernehmen – und ein Stück Esskultur. „Da wir nur Produkte und Zutaten verwenden, die keine Geschmacksverstärker, Aromen oder Konservierungsstoffe etc. enthalten, entspricht unser Essen auch den strengen Vorschriften für Kinderkrippen. Bei der Auswahl unserer Produkte und Lieferanten achten wir auf größtmögliche Regionalität und konstante Qualität“, erläutert „S-Bar“-Inhaber Jürgen Nagler auf der Firmenhomepage und gibt dazu ausführliche Infos über Herkunft der Lebensmittel und ihre Verarbeitung in einem Video.

Lieferzeit beträgt eine Stunde

So versucht der Firmenchef, für Transparenz und Vertrauen zu sorgen. „Das Geschäft hat ein gewisses Volumen erreicht und die Geräte müssen ausgelastet sein“, erläutert Nagler telefonisch einen Grund für die Bewerbung um den Auftrag. Die Anlieferung benötige aus der Nürnberger Südstadt nach Neunburg etwa eine Stunde. Solange brauche man in Nürnberg auch für eine Lieferung in die Nordstadt.

„In der Mensa wird man immer satt.“

Maxi Gruber (11)

Im Landkreis Schwandorf sei die Mittelschule die erste Kundin, aber mit Lieferungen nach Bamberg habe das auch klein angefangen und das Geschäft sei gewachsen. Bei entsprechender Expansion sei sogar ein kleiner Standort vor Ort denkbar. Dass sich kein lokaler Caterer darum beworben habe, versteht Nagler sehr gut. Denn „S-Bar“ habe sich ausschließlich auf Horte, Kindergären und Schulen spezialisiert. Da gebe es viele Besonderheiten zu berücksichtigen, wie beispielsweise Allergien von Kindern.

Reporter Roland Thäder schreibt in seinem Kommentar, dass Essen aus Nürnberg dem Wunsch nach Regionalität nicht entsprechen kann:

Kommentar

Ein Schildbürgerstreich

Es ist schon etwas seltsam. Da das wird Land auf Land ab das hohe Lied der Direktvermarktung von Lebensmitteln und die hohe Qualität regionaler Lebensmittel...

Nach Neunburg liefere „S-Bar“ sogar glutenfrei. Wöchentlich bekomme Nagler aus Neunburg eine Rückmeldung, wie die Gerichte ankommen. Bislang „sind Feedback und Zusammenarbeit toll“, so Nagler. Eine Einschätzung, die Rektorin Träxler nur bestätigen kann.

Auch Rektorin Irene Träxler ist mit dem neuen Caterer zufrieden. Foto: ro
Auch Rektorin Irene Träxler ist mit dem neuen Caterer zufrieden. Foto: ro

Dass es aber durchaus auch andere Möglichkeiten gibt, für gute Mittagsverpflegung zu sorgen, beweist in Neunburg F.EE. Seit August 2016 hat der Hersteller von Elektronik- und Investitionsgütern eine neue Kantine, die das Unternehmen mit sechs festangestellten Mitarbeitern betreibt. Rund 200 Hauptgerichte werden dort täglich verzehrt, weiß Pressesprecher Tobias Reitmeier. Pro Essen werden durchschnittlich 3,50 Euro fällig. Das Geld wird via Chipkarte gleich vom Lohn abgezogen. Angeboten werden Fleisch-, Fisch-, aber auch vegetarische Gerichte. Das Rindfleisch von einem Bauernhof aus der Umgebung, das Schweinefleisch stammt aus Ursprungshaltung. Das Gemüse kaufe F.EE beim lokalen Händler Meindl, sagte Gerlinde Fleischmann gegenüber der MZ – übrigens beim Mittagstisch in der Kantine.

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