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Geschichte

Neunburger überlebte Kriegsmassaker

Georg Ippisch überlebte ein Massaker während des Ersten Weltkriegs in München. Er war auf dem Treffen eines Gesellenvereins.
Von Theo Männer

Dieses Foto zeigt eine Szene bei der Beerdigung der 21 ermordeten Gesellen, an der auch Georg Ippisch teilnahm. Foto: Sammlung Männer
Dieses Foto zeigt eine Szene bei der Beerdigung der 21 ermordeten Gesellen, an der auch Georg Ippisch teilnahm. Foto: Sammlung Männer

Neunburg v. Wald.Bereits im August 1918 erklärte die oberste Heeresleitung den Krieg faktisch für verloren. Im Oktober 1918 machte die neue Reichsregierung unter Max von Baden dem amerikanischen Präsidenten Wilson ein Waffenstillstandsangebot. Das Kriegsende war in greifbare Nähe gerückt. Da kam in Kiel der Befehl zum Auslauf der deutschen Hochseeflotte. Die Matrosen meuterten am 29. Oktober 1918. Die „Revolution“ sprang auf die Regierungsstädte über. In München flüchtete am 7. November 1918 König Ludwig III. Das war das Ende der Monarchie der Wittelsbacher. Am 9. November 1918 wurde der Waffenstillstand von Compiègne und am 28. Juni 1919 der Friede von Versailles geschlossen.

In Bayern rief am 8. November 1918 Kurt Eisner die Republik aus, stützte sich auf einen Arbeiter- und Soldatenrat und bildete eine provisorische Regierung. Bei der Landtagswahl im Januar 1919 fiel er durch und wurde am 21. Februar 1919 von Graf Arco erschossen. SPD-Mann Hoffmann bildete die neue Regierung. Diese musste aber wegen der am 7. April ausgerufenen Räterepublik nach Bamberg ausweichen.

Blutbad am 6. Mai zählt zu den grausamsten Verbrechen der „Weißen Garden“

Der rote Terror beherrschte wochenlang die Stadt. Erst Anfang Mai konnten reguläre Reichstruppen mit bayerischen Freikorps die rote Gewaltherrschaft niederschlagen. Dann löste der weiße Terror den roten ab. Zwischen der „Roten Armee“ und den „Weißen Garden“ kam es zu unglaublichen Verbrechen. Innerhalb von acht Tagen waren 1000 Opfer zu beklagen. Zu den Opfern zählen auch 21 Mitglieder des katholischen Gesellenvereins St. Joseph. Das Blutbad galt als das grausamste aller Verbrechen des blutigen Terrors. Am Abend des 6. Mai trafen sich, wie jeden Dienstag, im Vereinslokal „Maxkasino“ in der Augustenstraße etwa 30 Mitglieder des Katholischen Gesellenvereins. Sie waren allesamt regierungstreu und Mitglieder der eben gegründeten Bayerischen Volkspartei.

Georg Ippisch

  • Geburt:

    Georg Ippisch wurde am 2. Juni 1 888 in Neunburg geboren. Er heiratete am 18. Januar 1923 in Neunburg Anna Roßkopf. Die Familie wohnte in Haus Nr. 254, später in der Bahnhofstraße 29.

  • Militär:

    Im 1. Weltkrieg war er beim Infanterie-Leibregiment im Einsatz.

  • Beruf:

    Ippisch trat beruflich in den Dienst der BayWa Neunburg ein, stieg bald zum Chef auf und war 30 Jahre Lagerhaus-Verwalter.

  • Tod:

    Am 4. Oktober 1962 starb er in einer Klinik in Regensburg und wurde am 8. Oktober 1962 in Neunburg beerdigt.

Einer unter ihnen war der aus Neunburg stammende Georg Ippisch, der durch Glück dem Massaker entkommen ist. Aus Erzählungen der Familie Ippisch geht hervor, dass Georg frühzeitig die Versammlung verlassen hat. Er wollte zahlen, die Bedienung kam nicht. Georg Ippisch legte das Geld auf den Tisch und verließ das Lokal. Nur wenige Minuten später stürmten Regierungssoldaten das Lokal, verhafteten die noch anwesenden Gesellen und trieben sie zum Karolinenplatz. Den Regierungssoldaten war Meldung gemacht worden, dass sich im Lokal heimlich Spartakisten versammelten, also Anhänger der roten Räterepublik. Den Gesellen gelang es nicht, den Irrtum aufzuklären. Schon auf dem Weg zum Karolinenplatz kam es zu gewaltsamen Übergriffen und Misshandlungen durch die Soldaten.

Im Hof und im sogenannten „Spartakistenkeller“ des Prinz-Georg-Palais wurden dann 21 Gesellen bestialisch ermordet und anschließend die Leichen gefleddert. Die anwesenden Offiziere machten kaum Anstalten, einzuschreiten.

Nur vier von 30 Gesellen überlebten das Massaker

Georg Ippisch entkam dem Massaker nur durch Glück. Foto: Düll
Georg Ippisch entkam dem Massaker nur durch Glück. Foto: Düll

Die Gesellen beteuerten ihre Unschuld, verwiesen auf ein Missverständnis, zeigten ihre Papiere, baten flehentlich um Schonung – alles vergebens. Drei Gesellen überlebten das Massaker, zwei waren bewusstlos, einer stellte sich tot. Der vierte Überlebende war Georg Ippisch.

Die Beerdigung der 21 ermordeten Gesellen fand unter großer Anteilnahme der Münchner Bevölkerung statt. Unter ihnen war auch Georg Ippisch, dessen Teilnahme ein Foto mit textlichem Vermerk auf der Rückseite belegt. Die Traueransprache hielt Pater Rupert Mayer. In den folgenden Jahren strengten Hinterbliebene Gerichtsverfahren an, auch mit Unterstützung der Bayerischen Volkspartei – aber nur vier niedrige Dienstgrade wurden zu kurzen Haftstrafen verurteilt.

Kunst

Kein Platz für Neunburgs Museums-Schätze

Mit der Räumung des Depots im Schloss sind neue Probleme aufgetaucht. Derzeit sind auch Ausstellungsflächen belagert.

In der Presse fehlte es an einer objektiven Berichterstattung über dieses Massaker. Nach 100 Jahren, am 6. Mai 2019, wurde am Karolinenplatz in München eine Gedenktafel zur Erinnerung an die 21 ermordeten Gesellen durch die Kolpingsfamilie München angebracht. Sie hat folgenden Text: „In diesem Haus wurden nach Niederschlagung der Räterepublik am 6. Mai 1919 von Regierungssoldaten und Freikorps-Angehörigen 21 Mitglieder des katholischen Gesellenvereins St. Joseph – heute Kolpingsfamilie – brutal ermordet, weil man sie als Spartakisten verdächtigte.“

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