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Neunburgerin besucht Flüchtlingscamp

Elke Reinhart ist nach Jordanien und in den Libanon gereist. Dort traf sie Familien von Irakern und Syrern, die hier leben.
Von Roland Thäder

In der Mitte des Zelts, das sich zwei Flüchtlingsfamilien teilen, steht ein alter Ofen. Es besteht permanent Brandgefahrt. Die Wände bestehen aus Plastikplanen. Wenn es regnet steht der unbefestigte Boden unter Wasser. Krankheitenbreiten sich aus. Für Medizin und Arztbesuche ist kein Geld vorhanden. Der Grundbesitzer verlangt Pacht für den „Zeltplatz“. Foto: Elke Reinhart
In der Mitte des Zelts, das sich zwei Flüchtlingsfamilien teilen, steht ein alter Ofen. Es besteht permanent Brandgefahrt. Die Wände bestehen aus Plastikplanen. Wenn es regnet steht der unbefestigte Boden unter Wasser. Krankheitenbreiten sich aus. Für Medizin und Arztbesuche ist kein Geld vorhanden. Der Grundbesitzer verlangt Pacht für den „Zeltplatz“. Foto: Elke Reinhart

Neunburg.Fluchtursachen zu bekämpfen ist seit der Flüchtlingswelle vor vier Jahren zu einem Stereotyp der Politik geworden. Wirklich getan hat sich nichts oder es lässt sich zumindest schwer nachprüfen. Elke Reinhart, Integrationsbeauftragte der Stadt Neunburg, reiste nach Jordanien und in den Libanon. Dort besuchte sie Verwandte von Flüchtlingen, die in Neunburg leben und Camps und forschte nach. Die Lebensumstände sind tragisch. Es gibt zwei verlorene Generationen.

„Ich wollte einfach wissen, wie die Lage vor Ort wirklich ist.“

Elke Reinhart über den Grund ihrer Reise

Zuvor war sie in einer von Rotariern organisierten Reise in der indischen Region Mangalore, um sich an einer Anti-Polio-Impfaktion für Säuglinge zu beteiligen. Die Rotarier kämpfen seit gut 30 Jahren weltweit dafür, die Kinderlähmung auszurotten. Es ist ihnen schon fast gelungen. Dank der Impfaktionen gibt es Polio nur noch in Afghanistan, Pakistan und Nigeria.

Ab Juni Club-Präsidentin

Ein Bruder und die Mutter von Amir Al Wakkaa, der mit seiner Familie in Neunburg lebt. Sie sind in Jordanien gestrandet. Ein anderer Bruder lebt in der Türkei. Sie schlagen sich mit Gelegenheitsjobs durch. Im Libanon leben die Geflüchteten in provisorischen Hütten aus Planen. Foto: Reinhart
Ein Bruder und die Mutter von Amir Al Wakkaa, der mit seiner Familie in Neunburg lebt. Sie sind in Jordanien gestrandet. Ein anderer Bruder lebt in der Türkei. Sie schlagen sich mit Gelegenheitsjobs durch. Im Libanon leben die Geflüchteten in provisorischen Hütten aus Planen. Foto: Reinhart

Dabei werden die Rotarier auch von Microsoft-Gründer Bill Gates finanziell unterstützt. Im Rotary Club Oberpfälzer Wald/Oberviechtach übernimmt Elke Reinhart ab Juli für ein Jahr die Präsidentschaft. Mittlerweile arbeiten alle fünf Service Clubs im Landkreis Schwandorf, Die Lion’s Clubs Oberpfälzer Wald und Schwandorf, die Rotary Clubs Oberpfälzer Wald und Schwandorf und Round Table Schwandorf, eng in der Initiative „Integration SAD“ zusammen, sagt Reinhart. Darin werden u.a. Deutschkurse für Mütter, Arbeitsmarktintegration, die Kleiderläden EMMA und Kinder unterstützt (www.integration-schwandorf.de).

Zwischen Hoffen und bangen

Ihre Reise in den Nahen Osten hat die Schwarzhofenerin privat finanziert. „Ich wollte einfach wissen, wie die Lage vor Ort wirklich ist“, anstatt sich auf Medienberichte zu verlassen, sagte Reinhart. Dazu traf sie in Amman, der Hauptstadt Jordaniens, und im Libanon Experten der Rotarier, von Flüchtlingsorganisationen und der Konrad-Adenauer-Stiftung. Mit der Deutsch-Syrerin Hana Nasser besuchte sie auch Flüchtlingscamps in der Bekaa-Ebene direkt an der syrischen Grenze.

In der westindischen Region Mangalore fand die Impfaktion der Rotarier für Säuglinge statt, an der sich Elke Reinhart beteiligte. Microsoft-Gründer Bill Gates legt auf jeden Euro den die Rotarier dafür ausgeben, zwei drauf. Foto: Reinhart
In der westindischen Region Mangalore fand die Impfaktion der Rotarier für Säuglinge statt, an der sich Elke Reinhart beteiligte. Microsoft-Gründer Bill Gates legt auf jeden Euro den die Rotarier dafür ausgeben, zwei drauf. Foto: Reinhart

Unter anderem traf sie die Mutter und einen Bruder von Amir Al Wakkaa, der mit seiner Familie in Neunburg lebt und die Frau eines Irakers. Die Familie Al Wakkaa ist mittlerweile in alle Welt verstreut. Die Syrer erhalten in Jordanien ein wenig Unterstützung. Das sei aber zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel. Geheizt wird mit einer Gaslampe. Die Iraker erhalten gar nichts. Die Geflüchteten halten sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser. Allerdings lebten große Teile der dortigen Bevölkerung selbst in ärmlichen Verhältnissen. Die Lage der Geflüchteten, gerade im Libanon, sei jedoch erbärmlich. Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen, UNHCR, unterstütze lediglich 60 Prozent von ihnen, weiß Reinhart.

Sie hat die Verteilung von Heizöl erlebt. Zwei Kanister pro Familie müssen für einen Monat reichen. Nach einer Woche ist das Öl meist verbraucht. Dann heißt es für alle: frieren. Viele Menschen würden auf engstem Raum in Hütten aus Plastikplanen hausen. Darin stehe meist ein alter Ofen. „Es besteht ständig die Gefahr, dass ein Feuer ausbricht“, beschreibt Elke Reinhart die Ängste der Menschen. Jeder Geflüchtete über 15 Jahre müsse pro Jahr 200 US-Dollar bezahlen, sonst würde er ausgewiesen. Dieses Geld zu beschaffen, sei für die Menschen sehr schwierig.

Zwei verlorene Generationen

Die meiste Zeit seien die Bewohner der Camps zum Nichtstun verdammt. „Gut ausgebildete Menschen mit Ende 20, Anfang 30 müssen die produktivste Phase ihres Lebens mit Warten verbringen. Kinder gehen nicht zur Schule, weil das Geld fehlt, um einen Schulbus zu bezahlen“, so Reinhart. Die Menschen hätten kaum genug zu essen, um zu überleben – und zurück in das vom Bürgerkrieg gezeichnete Syrien, in dem der Diktator Baschar al Assad fester im Sattel sitzt als zuvor, können sie auch nicht. Wehrfähige Männer zwischen 15 und 30 Jahren sowieso nicht. In diesem Zusammenhang spricht Reinhart von zwei „Lost Generations“. Denn was soll aus den Kindern denn in zehn oder 15 Jahren werden, wenn sie keine Chance auf Bildung haben?

Auf dem Land wird in Indien sytematisch eine Infrastruktur aufgebaut. Dieses Wasch- und Toilettenhaus dient einer Verbesserung der hygienischen Situation. Ein solches Haus kostet 275 bis 300 Dollar. Das Geld dafür wird von indischen Service Clubs aufgebracht. Foto: Reinhart
Auf dem Land wird in Indien sytematisch eine Infrastruktur aufgebaut. Dieses Wasch- und Toilettenhaus dient einer Verbesserung der hygienischen Situation. Ein solches Haus kostet 275 bis 300 Dollar. Das Geld dafür wird von indischen Service Clubs aufgebracht. Foto: Reinhart

Aber es gibt auch einzelne Lichtblicke in dem düsteren Bild, das Reinhart zeichnet. So habe sie den Metzger Abed Bahmad kennengelernt. Der sagt, es muss etwas passieren. Der Einfluss von Religion und Korruption auf die Politik müsste eingedämmt werden. Als Zeichen für den Wunsch nach einem friedlichen Zusammenleben der Menschen hat er sich den islamischen Halbmond und das christliche Kreuz ineinander verschlungen auf den Unterarm tätowieren lassen.

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