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Neunburgs „Emma“ droht das Aus

Der soziale Kleiderladen hat für seine Räume im Bauerbeck-Haus die Kündigung erhalten. Es muss schnell Ersatz her.
Von Bettina Mehltretter

„Emma“ ist auch ein Begegnungszentrum für Menschen unterschiedlicher Nationen. Archivfoto: Tanja Kraus
„Emma“ ist auch ein Begegnungszentrum für Menschen unterschiedlicher Nationen. Archivfoto: Tanja Kraus

Neunburg.Dass Neunburgs sozialer Kleiderladen ein Riesenproblem bekommen würde, war den Ehrenamtlichen schon länger klar. Der Lengfelder Reiner Puzicha hatte im Dezember das Bauerbeck-Haus verkauft, in dem „Emma – Einfach Mode mehrmals anzieh’n“ 2015 eröffnet hatte und im ersten Jahr nicht einmal Miete zahlen musste. Doch dass der Käufer die Räume so schnell für eine andere Nutzung renovieren wollen würde, hat Gründerin Elke Reinhart und ihr Team doch kalt erwischt. Dieser Tage hat ihnen der neue Eigentümer gekündigt.

„Wenn wir im August immer noch nichts haben, müssen wir zusperren.“

Elke Reinhart, Gründerin von „Emma“

Reinhart versteht den Schritt grundsätzlich – ist nun aber in großer Not. „Ab sofort“ brauche sie Ersatz für die bisherigen Räume in der Vorstadt, erklärt sie. Die Zeit drängt. „Wenn wir im August immer noch nichts haben, müssen wir zusperren.“

Das alte Bauerbeck-Haus soll künftig neu genutzt werden. Für „Emma“ ist dann kein Platz mehr. Foto: Ralf Gohlke
Das alte Bauerbeck-Haus soll künftig neu genutzt werden. Für „Emma“ ist dann kein Platz mehr. Foto: Ralf Gohlke

In der „Emma“ erhalten Kunden Kleider und Schuhe äußerst günstig. T-Shirts sind normalerweise für 1,50 Euro zu haben, Winterjacken für acht. Wer nachweisen kann, dass er bedürftig ist, zahlt sogar nur die Hälfte. Das Publikum reicht von Schnäppchenjägern, die bis aus Burglengenfeld und Schwandorf nach Neunburg fahren, bis hin zu Bedürftigen aus Neunburg und den VG-Gemeinden. Myriam Becher, Inhaberin von Mode Becher am Jobplatz und gelegentlich für „Emma“ ehrenamtlich im Einsatz, ist immer wieder erstaunt, wie viel Kleidung und Schuhe im Laden einen zweiten Abnehmer finden. „Es wäre Wahnsinn, wenn all das tatsächlich weggeworfen werden würde“, sagt sie.

Auch die Schwandorfer profitieren inzwischen von „Emma“. In der Breite Straße 6 gibt es mittlerweile die erste Filiale des sozialen Kleiderladens.

Ein Ort der Begegnung

Elke Reinhart hofft, dass sich für die Neunburger „Emma“ bald eine Lösung abzeichnet. Müsste sie das Geschäft schließen, würde sie das „extrem unglücklich“ machen. Denn „Emma“ ist für sie mehr als ein Second-Hand-Laden. Dort treffen Oberpfälzer auf Menschen aus anderen Ländern wie Polen, Bulgarien oder Äthiopien. Oft kommen sie ins Gespräch. Das hilft bei der Integration. „So nah wie bei uns kommt man sich ja selten“, sagt Reinhart.

Das „Emma“-Team, zu dem zwischen 15 und 20 Helfer zählen, erlebt im Laden häufig besondere Momente. Einmal ist eine ältere Frau – vielleicht 75, vielleicht 80 Jahre alt – hereinspaziert, weil sie sich das jetzt „auch mal anschauen“ wolle. Wenig später tischten ihr junge Geflüchtete aus Syrien und Afrika, die im Laden helfen, Kaffee und Torte auf. „Die Frau war so entzückt“, erinnert sich Reinhart. „Das war für mich das Schönste.“

Umtauschen ist im Second-Hand-Laden in Neunburg nicht erlaubt, wie an der Haustür steht. Foto: Ralf Gohlke
Umtauschen ist im Second-Hand-Laden in Neunburg nicht erlaubt, wie an der Haustür steht. Foto: Ralf Gohlke

An die neuen Räumlichkeiten haben die Ehrenamtlichen keine großen Ansprüche. Bezahlbar müssen sie sein. Luxus braucht „Emma“ nicht. Vor allem eine Toilette wäre wichtig; daran scheiterte es bei Reinharts erster Besichtigung eines potenziellen neuen Standorts. „Emma“ würde gerne einen Leerstand beleben.

Räume sollten gut in Schuss sein

Eine große Rolle spielt auch die Zeit. Spätestens in drei Monaten müsste der Laden umziehen können. Deshalb musste Elke Reinhart auch ein erstes gutes Angebot ablehnen. Bastian Binder betreibt vom ehemaligen Becher-Modehaus aus einen Versand von Mittelalterzelten und hätte gerne geholfen. Aber er hätte länger als drei Monate gebraucht, um die Räume und die Toilette entsprechend vorzubereiten. Denn die Ehrenamtlichen von „Emma“ bräuchten einen neuen Standort, der nicht komplett renoviert werden müsste. Schließlich sind ihre Kapazitäten begrenzt.

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