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Region Schwandorf
Sonntag, 22. Juli 2018 22° 4

Umwelt

Niedrig- statt Nullenergiehaus

Der geplante Anbau an das Schwandorfer Landratsamt kommt mit wenig Energie aus. Ein mustergültiger Öko-Standard kostet extra.
Von Reinhold Willfurth

  • Ohne Be- und Entlüftung kommen Sitzungssaal und neues Verwaltungsgebäude des Landratsamts aus.Visualisierung: Büro Schönberger
  • Außenstellenleiterin Rosina Pimmer (2. v. l.) erläuterte beim Ortstermin im Januar die Mängel der Nabburger Lehrwerkstätte. Foto: Heinzl/Archiv
  • An den Verwaltungsbau (blau) schließt sich im Süden der Sitzungssaal an.Visualisierung: Büro Schönberger

Schwandorf. Schwandorf. Das war den Kreisräten im Bauausschuss dann doch zu viel Geld: Bei über 800 000 Euro Mehrkosten und 5000 Euro eingesparter Energie pro Jahr hätte sich die Öko-Investition beim neuen Anbau des Landratsamts erst dann rentiert, wenn das Gebäude schon längst wieder abbruchreif wäre. Unter dieser Prämisse zogen die beiden Ökoparteien im Kreistag bei der Sitzung am Mittwoch ihre Anträge wieder zurück, mit denen sie für einen Bau nach dem Passiv- oder gar Nullenergie-Status geworben hatten.

Es hatte sich so gut angehört: Der ohnehin sehr gut gedämmte Holzbau des neuen Verwaltungsgebäudes mitsamt dem repräsentativen Sitzungssaal als Musterhaus in Sachen Energieverbrauch. Dies hatten Rudi Sommer (Bündnis 90/Grüne) und Alfred Damm (ÖDP) im Sinn, als sie die Kosten für einen Passivhaus-Standard für das neue Gebäude prüfen ließen. Die Antwort von Architekt Michael Schönberger fiel ernüchternd aus, was den finanziellen Aufwand betrifft.

„Dunkelgrün“istsehrteuer

Für die Einhaltung der strengen Kriterien – unter anderem ein Wärmebedarf von weniger als 15 Kilowattstunden pro Jahr und eine konsequente Ausrichtung der Glasflächen nach Süden – müssten die Pläne grundlegend geändert werden. Unter anderem müsse im Gegensatz zum jetzigen Entwurf eine Be- und Entlüftung für knapp 350 000 Euro eingebaut werden. Für die Fenster mit Extradämmung und Dreifachverglasung müssten 96 000 Euro in die Hand genommen werden für die Dämmung der Fassade noch einmal 260 000 Euro. Die Energieeinsparung sei im Vergleich zu dem ohnehin schon gut gedämmten Holzbau des ersten Entwurfs zu vernachlässigen. Finanziell höre sich das „brutal“ an, räumte Rudi Sommer ein. Man dürfe aber auch die Vorbildwirkung eines ökologisch gebauten öffentlichen Gebäudes nicht außer Acht lassen. Auch der von Alfred Damm vorgeschlagene Kompromiss, das Gebäude nach dem Kfw-40-Standard zu bauen, steht nach der Rechnung von Michael Schönberger in keinem Verhältnis zum Aufwand.

„Das ist das Geld unserer Bürger, das wir da ausgeben. Die Mehrkosten sind nicht vertretbar“, sagte Siegfried Damm (SPD). „Wir haben schon sehr viel getan in dieser Richtung“, sagte auch Georg Butz (CSU). Auch bei den Schulen müsse der Landkreis so manchen Wunsch offen lassen.

Über den ebenfalls von ÖDP und Grünen gestellten Antrag, auf das neue Gebäude sowie auf Restflächen des Altbaus Photovoltaik zu installieren, waren sich die Ausschussmitglieder dagegen schnell einig. „Da führt kein Weg daran vorbei“, sagte Landrat Thomas Ebeling zu dem 150 000 Euro teuren Projekt. Der Landkreis soll künftig alle PV-Anlagen auf dem Dach des Landratsamt in Eigenregie betreiben, so ein weiterer Beschluss.

Kein schöner Anblick

Auf dem neuen Sitzungssaal werden dagegen keine Solarmodule montiert, beschlossen die Kreisräte mit großer Mehrheit. Rudi Sommer, Alfred Damm und Karl Bley (SPD) waren anderer Meinung. „Das ist Platzverschwendung“, sagte Sommer zum Verzicht auf die Solartechnik, die man sogar mit einem begrünten Dach kombinieren hätte können. Landrat Ebeling war dagegen der Meinung, dass es nun genug sei, zumal er sich etwas Schöneres vorstellen könne als den Blick von den oberen Stockwerken des Landratsamts auf die womöglich blendenden PV-Module auf dem Dach des Sitzungssaals.

Die engen Verhältnisse auf dem Nabburger Schulberg bleiben weiter ein Problem. Nur eins steht jetzt fest: Die Außenstelle des Beruflichen Schulzentrums Schwandorf wird bleiben – aus dem einfachen Grund, weil in Schwandorf trotz der seit Jahren laufenden Umbauten kein Platz wäre für die künftigen Bankkaufleute und Kfz-Mechatroniker. Gerade die Kfz-Lehrwerkstatt war in die Diskussion gekommen, weil sie dringend sanierungsbedürftig ist – und in direkter Nachbarschaft zum Förderzentrum Nabburg steht, das aus allen Nähten platzt und ebenso dringend ausgebaut werden muss.

Ein Architekt soll jetzt ein Zukunftskonzept entwickeln, das die Frage beantwortet, wie es auf dem Schulberg weitergehen soll. Von den Räten kritisierte Notlösungen wie jetzt wieder bei der Förderschule (siehe Info) sollen so bald wie möglich der Vergangenheit angehören.

Aus dem Bauausschuss

  • Förderzentrum:

    Das Förderzentrum in Nabburg hat einen Zusatzbedarf von 2200 Quadratmetern Fläche für den Unterricht von Schülern mit diversen Lernhindernissen. Auf dem Schulberg geht es eng zu. Hier müssen JAS-Gymnasium, Realschule, Berufs- und Förderschule miteinander auskommen. Diskutiert wurde ein Neubau der Förderschule. Ein EU-weit gesuchter Architekt soll nun herausfinden, ob ein Miteinander der vier Schulen möglich oder ein Neubau „auf der grünen Wiese“ notwendig ist.

  • Baugenehmigungen:

    Die florierende Baukonjunktur bekommt auch die Bauverwaltung am Landratsamt zu spüren. Zwei Abgänge und fehlender Nachwuchs sorgten dafür, dass Baugenehmigungen länger auf sich warten ließen, antwortete Landrat Thomas Ebeling auf Nachfrage von Karl Bley (SPD). Eine weitere Stelle sei ausgeschrieben. Erst im August soll das Amt wieder voll besetzt sein.

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