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Sicherheit

Nittenau braucht Geld vom Freistaat

Nittenau kann den Hochwasserschutz nicht allein finanzieren. Umweltminister Glauber (FW) sichert Förderung zu.
Von Max Schmid

Die Landtagsfraktion der Freien Wähler besuchte Nittenau. In der „Buign“ verdeutlichte Bürgermeister Karl Bley (links) Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (daneben) den Hochwasserschutz.  Foto: Max Schmid
Die Landtagsfraktion der Freien Wähler besuchte Nittenau. In der „Buign“ verdeutlichte Bürgermeister Karl Bley (links) Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (daneben) den Hochwasserschutz. Foto: Max Schmid

Nittenau.Die Stadt Nittenau erhielt am Mittwoch hohen Besuch aus München: Die Landtagsfraktion der Freien Wähler informierte sich im Rahmen ihrer Klausurtagung, die derzeit im Schloss Schwarzenfeld stattfindet, in Nittenau über den Hochwasserschutz. Mit dabei waren auch FW-Landesvorsitzender und Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger, Umweltminister Thorsten Glauber und FW-Fraktionssprecher Florian Streibl.

Bürgermeister Karl Bley zeigte sich bei der Begrüßung im Sitzungssaal des Rathauses erfreut über das Interesse der Freien Wähler am Hochwasserschutz. Er gab einen kurzen Abriss über die Geschichte der Stadt, die derzeit knapp 9500 Einwohner zählt und sich als Bindeglied zwischen den Landkreisen Schwandorf, Cham und Regensburg verstehe.

2002: sechs Millionen Euro Schaden bei Hochwasser

Die Lage am Regenfluss sei eigentlich recht beschaulich, bei Hochwasser aber auch gefährlich. Um diese Gefahr zu verdeutlichen, zeigte Bley den FW-Politikern einen Kurzfilm über das Hochwasser, dem die Stadt 2002 ausgeliefert war. Bley verwies dabei auf einen Pegelstand des Regens von mehr als fünf Metern, so dass Katastrophenalarm ausgelöst werden musste. 750 Einsatzkräfte und zahlreiche Hilfsorganisationen versuchten damals, dem Wasser Herr zu werden.

Auch beim Gespräch mit der FW-Landtagsfraktion im Rathaus war der Hochwasserschutz der Stadt ein zentrales Thema.  Foto: Max Schmid
Auch beim Gespräch mit der FW-Landtagsfraktion im Rathaus war der Hochwasserschutz der Stadt ein zentrales Thema. Foto: Max Schmid

Mit 10 000 Sandsäcken, die später zur Bekämpfung des Hochwassers an der Elbe nach Dessau transportiert wurden, wurden Bauwerke gesichert. Von diesem Hochwasser wurden damals 300 private Haushalte und 75 Gewerbebetriebe betroffen, es entstand ein Schaden von rund sechs Millionen Euro. Auch vor dem Rathaus sei das Wasser einen dreiviertel Meter hoch gestanden, berichtete Bley.

Als Reaktionen der Stadt nannte der Bürgermeister die Anpassung des Alarmplans, das interkommunale Projekt mit Bodenwöhr und Bruck für Gewässer dritter Ordnung, die Gewässerrückhaltung am Dobelbach und die Realisierung des Durchstichs „Buign“, damit das Wasser schneller abfließen kann. Durch das Wasserwirtschaftsamt seien Planungen für den Schutz des Hauptortes durchgeführt worden. Die Stadt selbst wolle neben dem Hochwasserschutz auch den Neubau der großen Regenbrücke und die Gestaltung der Angerinsel voranbringen.

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Bürgermeister Karl Bley informierte über die Planung zur Errichtung eines „Hauses des Flusses“, das als Alleinstellungsmerkmals Nittenaus ganz dem Fluss gewidmet werden solle. Er verwies zudem auf rund 40 Fischarten, die im Regen vorkommen.

Minister Aiwanger interessierte sich dafür, wie hoch denn die Bereitschaft der Bevölkerung sei, beim Hochwasserschutz mitzumachen. Bley bekannte dazu: Es herrsche keine große Begeisterung und koste viel Überzeugungsarbeit. Die Stadt versuche aber auch, an neuralgischen Stellen Grundstücke zu erwerben, wenn es möglich sei. Er verwies dabei auf den Erwerb der Fläche beim Durchstich „Buign“.

Förderung des Freistaats wichtig für Nittenau

Umweltminister Thorsten Glauber beim Ortstermin in Nittenau   Foto: Max Schmid
Umweltminister Thorsten Glauber beim Ortstermin in Nittenau Foto: Max Schmid

Auf die Konsequenzen für Baubeschränkungen angesprochen sagte Bley, dass die Stadt Überschwemmungsgrenzen festgelegt und Retentionsflächen geschaffen habe. Zur Finanzierung des Hochwasserschutzes sei man auf die Förderung durch den Freistaat Bayern angewiesen, die Stadt könne die immensen Kosten alleine nicht tragen. MdL Joachim Hanisch zeigte sich davon überzeugt, dass Nittenau ein gutes Beispiel dafür sei, dass die Bevölkerung von der Notwendigkeit der Schutzmaßnahmen überzeugt werden müsse.

Der Fraktionssprecher der Freien Wähler im Landtag, Florian Streibl, überreichte Bley als Gastgeschenk einen holzgeschnitzten bayerischen Löwen aus seiner Heimat und bedankte sich für die Gastfreundschaft. Streibl erinnerte mit Blick auf das Hochwasser von 2002 an die verheerenden Auswirkungen des Klimawandels auf eine ganze Region. Damit sich solche Tragödien nicht wiederholen, habe Nittenau kräftig investiert. Das Ergebnis sei ein „Leuchtturmprojekt für den dezentralen Hochwasserschutz in Bayern“, lobte Streibl die Aktivitäten der Stadt. Ein Ortstermin schloss sich an.

Leuchtturmprojekt

  • Situation:

    Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber, der mit den FW-Landespolitikern angereist war, verwies auf die Hochwasserereignisse von 1954, 1993 und 2002 in der Stadt Nittenau. Um sicherzustellen, dass sich dies nicht wiederhole, habe die Stadt mit millionenschwerer Unterstützung des Freistaates viel Geld in den technischen Hochwasserschutz investiert. Wegen noch ausstehender Verhandlungen mit örtlichen Wasserkraftwerksbesitzern habe aber bisher nur der erste Bauabschnitt fertiggestellt werden können.

  • Maßnahmen:

    Glauber verwies darauf, dass im Staatshaushalt 350 Millionen Euro „rund um das Wasser“ zur Verfügung stehen. Die Förderquote für den Hochwasserschutz bezifferte er auf 60 Prozent, dennoch bleibe für die Stadt Nittenau ein nicht unbeträchtlicher Selbstbehalt. Die Freien Wähler wollen deshalb mit effektiven, kleinteiligen Maßnahmen reagieren. Ziel sei, viel Wasser mit dezentralen Regenrückhaltebecken zurückzuhalten, abseits der Flüsse und in der Fläche. Die Fluten sollen die großen Flüsse erst gar nicht erreichen.

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