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Infrastruktur

Nittenau schaut in die Rohre

Dringend sanierungsbedürftig sind das Wasser- und Kanalnetz der Stadt, informierte der Bauamtsleiter in der Ratssitzung.
Von Renate Ahrens

2017: Mitarbeiter der Stadtverwaltung und Bürgermeister Karl Bley (rechts) inspizieren einen Kanal in der Eichendorffstraße. Weil viele Stränge im Stadtgebiet marode sind, werden solche Termine künftig häufiger stattfinden. Foto: Ahrens
2017: Mitarbeiter der Stadtverwaltung und Bürgermeister Karl Bley (rechts) inspizieren einen Kanal in der Eichendorffstraße. Weil viele Stränge im Stadtgebiet marode sind, werden solche Termine künftig häufiger stattfinden. Foto: Ahrens

Nittenau.„Bald werden wir sehen, wo das Geld der Stadt bleibt – verbuddelt in der Erde“, verkündete 2. Bürgermeister Albert Meierhofer bei der Stadtratssitzung am 29. Mai, die (außer der Bekanntgabe der Namen des neuen Seniorenbeirats) als einziges Thema die Wasserversorgung von Nittenau hatte.

In den nächsten Jahren, so prophezeite Bauamtsleiter Erwin Schreiber, werde die Stadt Nittenau eine Menge Geld für Sanierungsmaßnahmen ausgeben müssen: rund drei bis fünf Millionen Euro für das Wasserversorgungsnetz, acht bis zwölf Millionen Euro für Abwasserleitungen.

Ein landesweites Problem

Eine Initiative des bayerischen Landesamts für Umwelt soll auf diese Problematik, die ganz Bayern betreffe, aufmerksam machen. Geschätzte zehn bis 15 Prozent aller Leitungen müssten erneuert werden – so auch in Nittenau. Die erwartete Lebensdauer von Trinkwasser- und Abwasserrohren liegt bei 50 bis 80 Jahren.

Die Initiative

  • „Schau auf die Rohre“:

    Dabei handelt es sich um eine Initiative der bayerischen Wasserwirtschaftsverwaltung.

  • Problemstellung:

    Während sich ein Rohrbruch in der Trinkwasserversorgung meist schnell bemerkbar macht und zum Teil ganze Straßen überflutet, bleiben beschädigte Kanalrohre lange unentdeckt. Gutachten mit Kanalkameras sollen in Nittenau Genaueres erkennen lassen. Eine Sanierung ist unumgänglich.

  • Weitere Infos bekommt man auf: www.schaudrauf.bayern.de

Die Gesamtlänge der Haupt- und Hausanschlussleitungen beträgt in Nittenau etwa 125000 Meter. Zwei Hochbehälter besitzt die Stadt, in Kaaghof und Lohbügl, mit jeweils 300 Kubikmeter Inhalt. Drei Kläranlagen reinigen das Wasser. 3000 Schächte, sieben Regenrückhaltebecken und 25 Pumpstationen müssen ständig in Betrieb gehalten werden, um die Wasserversorgung der Bevölkerung zu gewährleisten.

Geht man also von etwa zehn bis 15 Prozent Sanierungsbedarf aus und von geschätzten Kosten von 250 Euro pro laufendem Meter, betragen die Kosten allein für die Wasserleitungen 3,2 bis 4,7 Millionen Euro. Für die Abwasserversorgung wird noch mehr Geld investiert werden müssen, da die Rohre tiefer liegen, so Schreiber, nämlich etwa acht bis zwölf Millionen Euro. Geschätzte 160000 Meter betrage die Länge der Abwasserleitungen. Genaue Zahlen gibt es nicht.

Anfang der 1950er Jahre gab es in Bayern nur wenige kommunale Kläranlagen, und das Kanalnetz hatte nur einen geringen Umfang, informiert das Umweltministerium im Zuge einer Öffentlichkeitskampagne. Mittler­weile seien 97 Prozent der Haushalte in Bayern an das öffentliche Kanalnetz angeschlossen.

Schäden im Kanal machen sich schleichend bemerkbar

Im Gegensatz zur Trinkwasserleitung machten sich Schäden im Kanal nur schleichend bemerkbar. Die Folgen eines Rohrbruchs im Kanal seien aber dramatisch. Wenn Kanalrohre feine Risse aufweisen, können Wurzeln eindringen. Das Gleiche passiert, wenn Dichtungsringe nicht mehr einwand­frei funktionieren. Die Wurzelein­wüchse stören den Durchfluss und kön­nen im schlimmsten Fall das Kanal­rohr kom­plett verstopfen.

Dann kann es zu einem Rückstau und Überschwemmungen in Kellern und auf Straßen kommen. Erst kürzlich, so Schreiber, habe es zum Beispiel in Stefling einen Schaden gegeben. „Das Wasser sucht sich seinen Weg“, so der Bauamtsleiter. Man werde wohl Gutachten erstellen lassen müssen, entgegnete Meierhofer auf die Frage von Heinrich Hofstetter, wie man eventuelle Schäden erfassen könne. Außerdem ist eine Digitalisierung des Netzes geplant. Um den Zustand eines Kanalrohrs zu überprüfen, werden sogenannte Kanalkameras eingeführt und fahrbare Roboter durch den Kanal geschickt. Sie senden Bilder, die etwaige Schäden anzeigen. Um die Dichtigkeit eines Kanals zu überprüfen, wird Luft oder Wasser in den Kanal gepresst. Die Überprüfung von Trinkwasserleitungen ist meist schwieriger als beim Kanalnetz. Hygiene steht an oberster Stelle. Außerdem steht das System dauernd unter Druck. Deswegen, so das Ministerium, könnten Leitungen nicht einfach geöffnet werden oder mit einer Kamera befahren werden.

Wasserpreis wird steigen

Ob es denn eine staatliche Förderung gäbe, fragte Elisabeth Bauer. Zuschüsse gebe es für einen Neubau, nicht aber für bereits entstandene Schäden, erklärte Meierhofer. Doch man käme um eine Erneuerung nicht umhin. „Sauberes Wasser ist lebensnotwendig für eine Stadt“, betonte er. „Natürlich wollen wir außerdem eine gute Abwasserentsorgung.“ In den vergangenen Jahren hätte man bereits viel Geld ins Kanalnetz investiert. Die Stadträte, so bat Meierhofer, sollten das Gespräch mit Bürgern suchen und über die Notwendigkeit der Maßnahmen aufklären.

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