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Region Schwandorf
Dienstag, 22. Mai 2018 24° 1

Norbert Blüm lobt Geist und Vitalität von Senioren

Die Rente sei einst der Wartesaal auf den Tod gewesen. Heute hingegen: „Viele 80-Jährige sind topfit, und schwingen auf Mallorca das Tanzbein.“ Dieses überspitze Bild bleibt hängen, nach der Rede von Norbert Blüm. Der ehemalige Bundesminister für Arbeit und Soziales hat gestern in Klardorf gesprochen – vor rund 200 Senioren. Blüm war auf Einladung von Rudolf Kraus, Bezirksvorsitzender der CSU-Senioren-Union, nach Schwandorf gekommen.

Im Gespräch mit der Mittelbayerischen Zeitung konkretisiert Norbert Blüm das Bild von tanzenden Rentnern: „Die Gesellschaft muss verstehen, dass der dritte Lebensabschnitt kein Anhängsel mehr ist. Er ist etwas ganz eigenes.“

Der 74-Jährige hält eine schwungvolle Rede. Er sei gegen eine Rente mit 67. Auch wenn die Verhältnisse bedingten, dass Menschen länger arbeiten müssten. Blüm plädiert für mehr Flexibilität beim Renteneintritt. Ein langsamer, stufenweiser Eintritt in die Rente, sei auch ein menschlicher. „Technischer Fortschritt bedeutet doch auch, dass er mit dem menschlichen Lebensrhythmus in Einklang gehen muss.“

Einklang fordert der ehemalige Bundesminister auch zwischen Jung und Alt. Die Neugier der Jungen und die Erfahrung der Alten seien das zu schöpfende Potenzial einer Gesellschaft. Und nicht nur auf geistiger auch auf materieller Ebene sei der Zusammenhalt gefragt: „Die Jungen müssen für die Alten sorgen.“ Er tritt für ein staatliches Rentensystem ein. Kritisiert hingegen den zunehmenden Trend, privat vorzusorgen. Eine einzige Gruppe profitiere davon – nämlich die Versicherungsanbieter.

Profit regiere auch eine weitere Branche: das Geschäft mit der Gesundheit. „Wir dürfen den Arzt nicht zum Geschäftsmann machen. Er eignet sich nicht dafür. Der Arzt war immer näher am Priester als am Geschäftsmann,“ so Blüm. Weiter fordert er das Beleben traditioneller Bilder und Werte. Und sagt: „Wir brauchen unsere Senioren, um unsere Gesellschaft geistig zu erneuern.“ Wieso sieht er Anlass für eine geistige Erneuerung? Blüm sagt: „Was ist das für eine Gesellschaft, die nur noch mehr haben will.“ Er sehe den so genannten Homo Calculator vor sich: Den Menschen, der jeden Schritt kalkuliert, nach Berechnungen handelt.

Viel Beifall und Lachen erntet Blüm, als er in beinahe kabarettistischer Weise auf die undurchschaubare Komplexität der Lebenswelt eingeht, gerade für Senioren. „Heute müsse man schon Subventionologie studieren, um mit der Bahn zu fahren. Niemand kann alles verstehen. Man muss auch vertrauen.“

Anschließend ging der Politiker noch auf das Leben seiner Generation ein. Diese habe viel Schlimmes erleben müssen. Er nennt einschneidende Jahreszahlen und endet mit einem Datum, das eines der positivsten Signale setzte: 1990, das Jahr der Deutschen Einheit. Die CDU habe die Weichen gestellt – wie auch für vieles andere. „Wählen Sie also richtig“, gab er den Zuhörern mit.

Nach der Rede Blüms kam der CSU-Bundestagskandidat Karl Holmeier auf die Bühne. Er stellte seine Ziele vor und beantwortete Fragen.

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