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Dienstag, 19. Juni 2018 23° 3

Natur

Oberpfalz trumpft mit Umweltstation auf

Als erstes Freilandmuseum in Bayern darf sich Neusath-Perschen ab sofort „Staatlich anerkannte Umweltstation“ nennen.
Von Renate Ahrens

Bezirkstagspräsident Franz Löffler, Museumsleiterin Dr. Birgit Angerer, Umweltwissenschafter Christian Wundsam und stellvertretender Landrat Arnold Kimmerl (v. li.) freuen sich über die Anerkennung. Foto: Ahrens
Bezirkstagspräsident Franz Löffler, Museumsleiterin Dr. Birgit Angerer, Umweltwissenschafter Christian Wundsam und stellvertretender Landrat Arnold Kimmerl (v. li.) freuen sich über die Anerkennung. Foto: Ahrens

Nabburg.Laut schnatternd kreuzen Gänse den Weg, der noch genau wie vor 200 Jahren mit Schotter belegt ist, knabbern an Klee und Löwenzahn und lassen sich von den Besuchern nicht stören, die heute aus ganz besonderem Anlass zu dem Mustergarten spazieren, den eine Klasse aus Pfreimd ein ganzes Jahr lang betreut hat. Hier sprießen Karotten, Bohnen und Zwiebeln aus den Beeten – alles alte, über Generationen überlieferte und dem hiesigen Boden angepasste Sorten.

Der Garten wird nun mit einer Klasse des sonderpädagogischen Förderzentrums Nabburg weitergeführt. „Für die Schüler ist es faszinierend zu beobachten, wie aus einem Samenkorn etwas wächst. Man kann es nicht beschleunigen, man muss die Pflanze hegen und pflegen“, erzählt Museumsleiterin Dr. Birgit Angerer begeistert von diesem Projekt. „Früher hat das jedes Kind gewusst.“ Das sei heute leider nicht mehr der Fall. Auch über gesunde Ernährung und Kochen mit frischen, regionalen Produkten lernen Kinder leider immer weniger, erklärt auch Bezirkstagspräsident Franz Löffler. Dabei sei das so einfach – und soll sich nun ändern.

Am Freitag wurde dem Oberpfälzer Freilandmuseum Neusath-Perschen mit sofortiger Wirkung der Status als „Staatlich anerkannte Umweltstation“ verliehen. Doch eigentlich legt man hier im Museum schon immer viel Wert darauf, das Bewusstsein der Besucher für die Natur zu schärfen. Die Anerkennung ist deshalb laut Ministerium eine „ausdrückliche Wertschätzung der bisher geleisteten qualifizierten Umweltbildungsarbeit“. Stellvertretender Landrat Arnold Kimmerl bezeichnete sie als „zukunftsweisend für die neue Generation“, um schonender mit den Ressourcen umzugehen.

Neue Stelle damit verbunden


Der Bezirk Oberpfalz ist somit der erste der sieben bayerischen Bezirke mit eigener Umweltstation – und Neusath-Perschen das erste Freilandmuseum in Bayern mit dieser Anerkennung. Die Freude ist groß – nicht zuletzt wegen der Förderung, die mit damit verbunden ist. Denn an einer Umweltstation muss ein wissenschaftlicher Vollzeitmitarbeiter beschäftigt sein. In Neusath-Perschen übernimmt diese Aufgabe Bauhofleiter Christian Wundsam zur Hälfte. Wundsam sei als Diplom-Umweltwissenschaftler ideal geeignet. Die weitere halbe Stelle soll ausgeschrieben werden. Es gehe bei einer Umweltstation, erklärte Löffler, um das Erleben und Erfahren von Umwelt und Natur. Die pädagogische Arbeit im Museum will man nun noch erweitern und intensivieren.

„Was landet heute auf vielen Tellern? Erdbeeren und Gurken mitten im Winter“, betont der Bezirkstagspräsident, der selbst von einem Bauernhof stammt. „Der Mensch wollte immer mehr haben. Wir können hier beweisen, dass es auch anders und nachhaltiger geht.“ Die Erfahrungen, die man im Museum macht, will man bayernweit weitergeben, zum Beispiel an andere Freilichtmuseen oder an Obst- und Gartenbauvereine – diese „Multiplikatorenausbildung“ war überhaupt neben dem Mustergarten das zweite für die Anerkennung erforderliche Projekt. „Wir versuchen, den Menschen nahezubringen, vielleicht nur einmal in der Woche ein gutes, artgerecht gehaltenes Stück Rotvieh zu essen“, erklärt Angerer. Hier im Museum leben die Tiere noch wie vor 200 Jahren, die Äcker werden ohne Dünger und Insektenvernichtungsmittel bearbeitet. Wichtig sei aber auch der Erhalt alter Gebäude, wie es hier geschieht.

Noch mehr Kurse anbieten


Durch die Schaffung der Stelle erhoffe man sich, die Kurse und Mitmach-Aktionen wie die Weltwasserwoche, „Erlebnis Landwirtschaft“ oder Obstbaumschnittkurse noch ausbauen zu können. Der Bezirk Oberpfalz erwarte sich mit der Anerkennung aber auch eine Erhöhung der Attraktiviät und der Bekanntheit des Museums – und damit eine Steigerung der Besucherzahlen und eine gewisse Profilierung innerhalb der Freilichtmuseums- und Umweltbildungsszene, wie auch Kimmerl erklärte. „Umweltbewusstsein kann man nicht verordnen. Man muss die Menschen überzeugen“, betonte Löffler, und Angerer fügte hinzu: „Die gewonnene Freiheit und den Wohlstand, den wir jetzt haben, dürfen wir dabei auf keinen Fall aufgeben.“

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Erleben von Natur

  • Eine „Staatlich

    anerkannte Umweltstation“, eine Anerkennung des Bayerischen Umweltministeriums, ist eine außerschulische Bildungseinrichtung rund um das Thema „Umwelt“.

  • Ziel ist, das

    Umweltbewusstsein und die Handlungskompetenzen zu erweitern. Angeboten wird ein Erleben und Erfahren von Natur und Umwelt. Der Freistaat Bayern fördert eine Umweltstation mit maximal 70 Prozent, jedoch höchstens 50 000 Euro.

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