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Experiment

Ohne Handy auch nicht „gestorben“

Dank der Computermäuse lief an der Mittelschule Bruck ein ungewöhnliches Projekt. Die Ergebnisse stimmen nachdenklich.

Die Schüler, die sich an dem Projekt beteiligten, mit Lehrerin Barbara Greber und (im weißen Poloshirt) Birgit Zwicknagel, Initiatorin der Computermäuse Stamsried. Foto: Mittelschule Bruck
Die Schüler, die sich an dem Projekt beteiligten, mit Lehrerin Barbara Greber und (im weißen Poloshirt) Birgit Zwicknagel, Initiatorin der Computermäuse Stamsried. Foto: Mittelschule Bruck

Bruck.Nach langer Suche haben die Mitglieder des Vereins der „Computermäuse“ Stamsried im Rahmen eines Workshops für mehr Medienkompetenz eine 8. Klasse an der Grund- und Mittelschule Bruck gefunden, die freiwillig an einem Projekt „handyfreie Woche“ teilnehmen wollte. Der Plan war, so berichtet Birgit Zwicknagel, die Handys eine volle Woche (Montag bis Montag) abzugeben und darauf zu verzichten, natürlich mit der Option, das Mobiltelefon zurückfordern zu können, wenn „die Schmerzgrenze“ erreicht sei. Die Klasse besteht aus 20 Schülern; elf, also knapp die Hälfte, ließen sich anfangs auf das Experiment ein. Als es ernst wurde, waren nur noch neun bereit, das Handy abzugeben.

Neun Schüler dokumentierten ihre Zeit „ohne“

Als die Geräte am 22. Mai, 8 Uhr, in der Frühe eingesammelt wurden, sah man den Teilnehmern deutlich ihr Unbehagen, an, heißt es im Bericht der „Computermäuse“. Die neun Schüler (acht Jungs, ein Mädchen) sollten laut Zwicknagel anhand eines Tagebuchs dokumentieren, wie sie sich „ohne“ fühlten, ob sie stattdessen auf andere Medien zurückgriffen usw. Auch die Eltern sollten am Ende ein Statement abgeben, ebenso Klassenleiterin Barbara Greber, die gleichzeitig stellvertretende Schulleiterin ist.

Ein Schüler stieg nach der Hälfte der Zeit aus. Die restlichen Schüler führten das Projekt aber zu Ende. Am 29. Mai, 8 Uhr, wurden die Handys wieder zurückgegeben. Zwicknagels erster Eindruck: „Die Erleichterung war spürbar!“ Als Dankeschön erhielten alle Teilnehmer die Broschüre „Clever ins Netz“ sowie sechs Fahrchips für das Rodelparadies in Sankt Englmar. Der Hintergedanke dabei war auch, den Schülern einen „medienfreien“ Tag zu schenken, den sie mit der Familie verbringen können. Das Ganze wurde vom Verein Computermäuse initiiert und finanziert.

Die Tagebuch-Auswertungen ergaben folgende Einblicke: Negativ fanden die Teilnehmer, dass sie sich nicht mehr „up-to-date“ fühlten und sich mit Freunden nicht mehr über
WhatsApp austauschen konnten. Auch die Vereinbarungen zu Treffen gestalteten sich umständlicher, weil man auf herkömmliche Art telefonieren musste. Einige Schüler gaben an, ihnen sei langweilig geworden und sie hätten häufiger ferngesehen. Nur wenige bekannten, deutlich gereizter als sonst zu sein. Alle gaben zu, dass sie die letzten zwei Tage das Handy „etwas“ vermisst hatten. Positiv gaben die Teilnehmer an, dass die Tage länger waren und sie viel mehr Zeit draußen verbrachten. Nach zwei Tagen gaben einige zu, sich freier, ja sogar glücklicher zu fühlen.

Auch für die Eltern war es schwierig

Die Fragebögen der Eltern ergaben folgendes Bild: Sie fanden es sehr schwierig, den Kontakt mit den Kindern nicht halten zu können, wenn sie draußen waren. Die meisten bestätigten, ihre Kinder seien zuhause hilfsbereiter gewesen. Zu mehr Unterhaltung oder Unternehmungen mit der Familie oder gemeinsamem Fernsehen sei es jedoch nicht gekommen, so der Großteil der Eltern. Klassleiterin Greber hat wenig Veränderung festgestellt. Bisweilen war ein unbewusster Griff zur Hosentasche, wo gewöhnlich das Handy steckt, zu bemerken. Allerdings ist die Matheprobe, die in dieser Woche geschrieben wurde, bei einigen der Teilnehmer deutlich besser ausgefallen als frühere Arbeiten... (ht)

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Die Computermäuse

  • Sicherer Umgang:

    Die Computermäuse Stamsried sind eine Initiative für den sicheren Umgang mit den neuen Medien, gegründet 2005. Der Verein ist gemeinnützig und und besteht aus sieben Gründungsmitgliedern.

  • Kontakt:

    Alle Einnahmen fließen ausschließlich in dieses Projekt. Birgit Zwicknagel, Referentin und Initiatorin, betreut die Initiative zusammen mit Miriam Brenke. Kontakt: Birgit Zwicknagel, Tel. (0 94 66) 910374

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