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Inklusion

Ostermarkt mit sozialer Note

Wer am Wochenende Schloss Teublitz besucht, findet viele Ideen zum Fest. Und tut was für das Selbstwertgefühl Gehandicapter.
Von Stefan Barte

Im Schlosshof präsentieren Sonja Simanek und Susan Cakaj ihre selbst getöpferten und liebevoll kolorierten Keramikartikel. Susanne Zeibich (Mitte) leitet die beiden an und hilft, wenn es nötig ist. Foto: Barte
Im Schlosshof präsentieren Sonja Simanek und Susan Cakaj ihre selbst getöpferten und liebevoll kolorierten Keramikartikel. Susanne Zeibich (Mitte) leitet die beiden an und hilft, wenn es nötig ist. Foto: Barte

Teublitz.Einmal im Jahr laden das „Schloss Teublitz“ respektive das Wohn- und Bildungsinstitut des Sozialwerks Heuser die Öffentlichkeit zum Besuch des „Historischen Ostermarkts“ in seine Räumlichkeiten ein. Dieser Markt unterscheidet sich jedoch von allen anderen Ostermärkten in der Region, denn es werden nur Gegenstände zum Kauf angeboten, die die Klienten selbst hergestellt haben. Es handelt sich also ausschließlich um Unikate.

Eine weitere Besonderheit ist, dass der Erlös überhaupt nicht im Vordergrund steht. Vielmehr versteht sich der Markt als Inklusionsveranstaltung. Das heißt, es geht schlichtweg um Anerkennung und Wertschätzung gegenüber den psychisch erkrankten Menschen, die im Institut betreut werden. Durch den Verkauf des mit ihren eigenen Händen Erschaffenen, erfahren sie Zuspruch und Bestätigung.

Zurück in geregelten Alltag

Oftmals wurden diese Menschen durch schlimme Ereignisse aus ihrer bis dahin völlig normalen Lebensbahn geworfen. Im Schloss Teublitz werden sie zielgerichtet durch therapeutisches Arbeiten langsam wieder aus dem Tief in einen geregelten Lebensalltag geführt. Ein solch großes Projekt wie der Ostermarkt bedarf freilich einer gezielten Planung und langfristigen Vorbereitung. Im Grunde sind alle Mitarbeiter des Sozialwerks Heuser irgendwie involviert und leisten beachtliche Hintergrundarbeiten in Sachen Logistik, um den kunstgewerblichen Markt überhaupt zu ermöglichen.

Im September 2017 haben Maximilian Wimmer und Michael Schmeller in der Burggärtnerei begonnen, Stiefmütterchen, Gänseblümchen und Vergissmeinnicht zu sähen. Jetzt sind 2000 Pflänzchen in Gärtnerqualität verkaufsbereit. Foto: Barte
Im September 2017 haben Maximilian Wimmer und Michael Schmeller in der Burggärtnerei begonnen, Stiefmütterchen, Gänseblümchen und Vergissmeinnicht zu sähen. Jetzt sind 2000 Pflänzchen in Gärtnerqualität verkaufsbereit. Foto: Barte

Die Klienten selbst sind bereits seit Monaten damit beschäftigt, ihren ganz persönlichen Teil zum Gelingen beizutragen. Es wird eifrig getöpfert, gemalt, kreiert, gegartelt und geschreinert. Die Ideen für die herzustellenden Kunstgegenstände kommen von Irene Heuser selbst. Sie entwirft und designed beispielsweise eine neue Vasenkollektion, Keramikbecher oder Teetassen. Sogar die österliche Schlossdekoration gestaltet sie jedes Jahr erneut und setzt diese vor Ort selbst um.

Die Betreuer unterstützen die Klienten bei der Umsetzung der Ideen nach Kräften und leiten sie helfend an. Beispielsweise baut die Schreinerei des Teublitzer Schlosses heuer einen großen Holzlastwagen und Holzschwäne, die als Sitz- und Spielplatz für Kinder gedacht sind. Als Vorlage dienten alte Postkarten der Zeit um 1920.

„Schloss Teublitz“

  • Das Wohn- und Bildungsinstitut:

    Träger ist die Unternehmensgruppe Sozialwerk Heuser. Bereits 1977 hat es das Schloss übernommen. 2005 folgten der Erwerb durch Johannes Heuser und die Nutzung als Außenwohngruppe des Instituts „Die Burg“.

  • 2014/2015 wurde umgebaut und komplett nach modernstem Standard gem. SGB XII renoviert.

  • Kapazitäten:

    29 Plätze, jede Wohnung mit Nasszelle, Telefon, Fernseher, Internet. Derzeit ist die Einrichtung mit 24 Klienten belegt. (bbs)

Elwira Unger, Leiterin des Wohn- und Bildungsinstituts „Schloss Teublitz“, liebt ihre Einrichtung und führt das Haus eigenständig. Sie sieht sich aber auch als „Haus 3“ der Burg Burglengenfeld, da sie ständig eng zusammenarbeiten. „Ich finde das Ambiente des Hauses toll. Es ist kein Heim, sondern ein Zuhause mit Flair. Im historischen erhaltenen Kern ist jedes Zimmer individuell und modern eingerichtet. Das schätzen unsere Bewohner“, erzählt sie leidenschaftlich.

Es geht nicht um Schnelligkeit

Das Schloss verfügt derzeit über sechs verschiedene Werkstätten. Die Polsterei, die Bildhauerei, die Kunstwerkstatt, die Schreinerei, die Töpferei sowie die Praktische Hauswirtschaft. Diese verwöhnt die Ostermarktbesucher im Schloss-Restaurant beispielsweise mit Kaffee und selbst gebackenen Torten und Kuchen. Im ehemaligen Bullenstall werden zahlreiche Keramikerzeugnisse präsentiert.

Ein Postkartenmotiv dient Steven Porada als Vorlage für sein Ostergemälde, welches in den nächsten Tagen fertiggestellt wird. Es wird beim Ostermarkt ausgestellt. Foto: Barte
Ein Postkartenmotiv dient Steven Porada als Vorlage für sein Ostergemälde, welches in den nächsten Tagen fertiggestellt wird. Es wird beim Ostermarkt ausgestellt. Foto: Barte

Um dem diesjährigen Motto „Unser Liebling, der Osterhase“ gerecht zu werden, hat das Töpferteam von Susanne Zeibich zeitig angefangen, Hasen in allen Variationen zu erschaffen. Nicht weniger als 200 Stück warten nun auf einen neuen Liebhaber. Zeibichs Kontrolle ist streng. „Ich achte auf Qualität. Gleichzeitig möchten wir die Klienten natürlich ermutigen und aufbauen. Was aber nützt es, wenn ich überall zustimme? Es geht hier nicht um Schnelligkeit, sondern Genauigkeit“, erläutert sie ihre Strategie.

Nicht nur von der hohen Qualität der Mümmelmänner, sondern auch der gesamten kunstgewerblichen Stücke können sich die Besucher am kommenden Samstag und Sonntag, jeweils von 13 bis 18 Uhr, selbst überzeugen. Als besondere Attraktion gibt es um 16 Uhr eine Lesung aus der Geschichte von Schloss Teublitz.

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