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Region Schwandorf
Samstag, 21. April 2018 26° 2

Tourismus

Per Mausklick geht’s ab in die Wellness

Die IHK Regensburg unterstützte in Neunburg v. Wald die Touristiker mit Vorträgen und Workshops zum Thema Digitalisierung.
Von Ralf Gohlke

Mit bis zu 200 000 Besuchern jährlich rechnen die Betreiber der größten begehbaren Holzkugel der Welt in Steinberg Foto: inMotionPark GmbH

Neunburg.Der gute alte Reisekatalog hat mehr oder weniger ausgedient. Nachdem weit über 87 Prozent aller Deutschen über einen Internet-Anschluss verfügen können, wird vom Kurztrip bis zur Weltreise alles über das Netz gebucht oder zumindest alle Informationen zu einem gewünschten Reiseziel eingeholt. Für die Anbieter bedeutet das im Umkehrschluss, wer dort nicht mit einer ansprechenden und aussagekräftigen Präsentation vertreten ist, hat eigentlich schon verloren.

Dass die Digitalisierung im Tourismus mehr beinhaltet als einen Eintrag auf einer beliebigen Plattform, vermittelte die IHK Regensburg am Dienstag in einer Informationsveranstaltung mit Workshops in der Schwarzachtalhalle. Der Titel lautete „Zwischen customer journey, open data und virtual reality – Echter Mehrwert wird nur vor Ort geschaffen“.

Enttäuschte Gäste bleiben weg

Ulrich N. Brandl, Vorsitzender des IHK-Tourismusausschusses, verdeutlichte ebenfalls noch einmal die Realität. „Mit einem Klick buchen wir das Wellness-Wochenende und die Massage dazu. Wir erkunden vor der Anreise online die Zimmer des Wunschhotels oder bewundern das Bergpanorama.“ Alles sollte online und so leicht wie möglich buchbar sein.

Daher sei es für alle Anbieter solcher Leistungen wichtig, die Vorteile der Digitalisierung nicht nur zu kennen, sondern sie vor allem auch zu nutzen. Er mahnte jedoch an, dass die Angebote dann auch der Realität entsprechen müssten, vor allem in der Qualität. „Enttäuschte Gäste kommen nicht wieder“, stellte er heraus.

Die IHK Regensburg hat sich dem besonderen Thema Tourismus und Digitalisierung angenommen und dazu eine Infoveranstaltung in der Schwarzachtalhalle organisiert. Foto: ggo

Um die Qualität zu gewährleisten, bedürfe es funktionierender Netzwerke vor Ort und auch die der Hotels und der Gastronomie müssten stimmen. Für ihn etwas unverständlich war es, dass zwar Hotels bewertet würden, Ärzte jedoch nicht. Er ließ auch nicht unerwähnt, dass schlechten Bewertungen nicht selten „Erpressungsversuche“ vorausgingen.

Über das Ausmaß der digitalen Buchungen berichteten Carolina Alema´n und Matthias Scheuerl von „Booking.com“. Sie gaben zunächst bekannt, dass die Zahl der Pauschalbuchungen rückläufig sei und der Trend zur Einzelbuchung ginge. Das erfordere, sich mit wirklich attraktiven Angeboten zu präsentieren. Den Vorteil der Digitalisierung sahen beide in der Personalisierung, dem sogenannten „dynamischen Ranking“, welches sich aus den Daten ergebe, die ein „User“ über seine Recherchen im Internet preisgeben würde. Über dynamische Filter könne der Anwender seine Suche zusätzlich personalisieren.

Wie wichtig die Markenbildung für den Tourismus ist, verdeutlichte Stefan Egenter von der Allgäu GmbH. Wichtig dabei sei die Entwicklung von der Herkunfts- zur Qualitätsmarke. Allein für den Bereich der Hotellerie seien neun Markenkriterien entwickelt worden. Egenter listete eine Reihe von Beispielen auf, die ihn zu dem Fazit führten: „Marke ist viel mehr als ein gemeinsames Logo.“

Reizvolle Angebote schaffen

Der Unternehmer Tom Seller berichtete über „das künftige Highlight der Region, der Welt größte begehbare Holzkugel“ in Steinberg am See. Er erläuterte seine Motivation für das Projekt, die unter anderem darin läge, dass sich die Menschen weit weniger bewegten als noch vor 20 oder 30 Jahren. Allein mit dem Anreiz, je größer umso besser, ließen sich die Menschen heute nicht mehr motivieren einen bestimmen Ort zu besuchen. Dazu bedürfe es der Schaffung von Anreizen für Erlebnisse, die bei der Kugel gegeben sein werden. „Alles kann, nichts muss“, sagte er. Dadurch sei das Projekt reizvoll für Kinder ab drei Jahren bis „zur Oma mit 105“. Er war sicher, dass der Start im Juli erfolgen werde.

Schlaglichter aus den Impulsvorträgen

  • Prognose:

    Für den weltweiten E-Commerce-Handel im Jahr 2021 lautet die Prognose auf 4,5 Billionen US-Dollar, was einen Zuwachs von 140 Prozent gegenüber 2016 bedeutet.

  • Personalisierung:

    74 Prozent der Online-Kunden fühlen sich frustriert, wenn besuchte Webseiten Inhalte anzeigen, die nichts mit ihren persönlichen Interessen zu tun haben (Stichwort „dynamisches Ranking“).

  • Einfache Kommunikationsstrategie:

    Menschen müssen dir zuhören. Damit dir Menschen zuhören, muss das, was du sagst, interessant und relevant sein.

  • Fremdenverkehr:

    Tagestouristen geben 25 bis 40 Euro, im Mittelwert 34,50 Euro aus. Das ergibt für die Region Schwandorf bei 200 000 Besuchern jährlich, nach Abzug des Betreiberanteils, rund 4,6 Millionen Euro.

Die Kugel allein sei aber in circa zwei Stunden „abgehakt“, weshalb weitere Angebote in der Region nötig seien, die ein gemeinsames Leitbild und eine entsprechende Vernetzung erforderten. Er machte zudem keinen Hehl daraus, dass Anbieter auch der Unterstützung bedürften, die hier beispielhaft gewesen sei. Sein Fazit lautete „Teamwork ist, wenn alle das gleiche wollen“.

Das Tourismus und Politik Hand in Hand gehen müssten unterstrichen auch stellvertretender Landrat Jakob Scharf und 2. Bürgermeisterin Margit Reichl. Was fehle, sei nur noch „die App zum Kofferpacken“.

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