mz_logo

Region Schwandorf
Sonntag, 22. April 2018 26° 2

Energie

Petition gibt den Bürgern Auftrieb

Die Initiative gegen eine Stromtrasse im Naabtal hat erfolgreich eine Landtagspetition eingereicht – und will nachlegen.
Von Hubert Heinzl

Statt Monstertrassen Erdkabel – das ist kurz gefasst die Forderung der Bürgeraktion Naabtal. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Schwandorf.Die Bürgeraktion Naabtal stemmt sich hartnäckig gegen die Tennet-Pläne, den Ersatzneubau für den Ostbayernring auf der Bestandstrasse durch das Naabtal zu errichten. Im Spätherbst richtete man eine Petition an den Bayerischen Landtag, die Mitte November im Wirtschaftsausschuss unter Vorsitz von Erwin Huber behandelt wurde. Der Verlauf der Diskussion liegt jetzt auch in schriftlicher Form vor. Das Ergebnis: „Der Ausschuss bittet die Staatsregierung, dem Anliegen (...) Rechnung zu tragen“, wie es in dem zusammenfassenden Schreiben aus dem Landtagsamt heißt.

Am Anfang 700 Unterschriften

Vor zwei Jahren schon forderte die Bürgeraktion, dass das Naabtal zwischen Krondorf und Ettmannsdorf vom Tennet-Projekt Ostbayernring verschont bleiben soll – der geplanten Wechselstrom-Höchstspannungsleitung zwischen dem fränkischen Redwitz und Schwandorf. Über 700 Bürgerinnen und Bürger beteiligten sich seinerzeit an einer Unterschriftenaktion, wandten sich gegen eine mögliche neue „Monsterstromtrasse“ im Naabtal. Inzwischen hat es den Anschein, als würden ihre Befürchtungen wahr werden.

Nach umfassenden Untersuchungen, Gesprächsforen und Anhörungen präsentierte Tennet drei Trassenvorschläge, die von der Regierung der Oberpfalz im Raumordnungsverfahren auf zwei mögliche Varianten eingedampft wurden: die Bestandstrasse, die als „mit den Erfordernissen der Raumordnung (...) vereinbar“ bewertet, und eine Trasse weiter im Westen, die „als raumverträglich beurteilt“ wird. Sie ist, im Abschnitt Schwandorf, nahezu identisch mit dem Vorschlagskorridor für den Südostlink – eine Gleichstromtrasse von Sachsen-Anhalt nach Landshut, die ebenfalls von Tennet geplant und errichtet wird. Hier ist allerdings eine Erdverkabelung bereits vorgesehen. Trotz dieser Ausgangslage gibt Tennet nach einer Bewertung durch ein internes Punktesystem der Naabtaltrasse den Vorzug und will mit dieser Variante auch ins Planfeststellungsverfahren gehen, möglicherweise schon im kommenden Frühjahr.

Genau das können die Mitglieder der Bürgeraktion nicht nachvollziehen, wie Sprecher Walter Ostheim (64) erläutert. Die Naabtalvariante würde nach seinen Worten zu „Hot Spots“ mit Abständen von weniger als 100 Metern (Ettmannsdorf) und 200 statt bisher 350 Metern (Krondorf) führen und widerspräche damit dem bayerischen Landesentwicklungsprogramm, das in einer Soll-Vorschrift 400 Meter als Mindestabstand zur Wohnbebauung nahelegt. Bei der Westtrasse dagegen seien „null Häuser“ betroffen, die Entfernung zur Stromtrasse würde laut Ostheim zwischen 400 und 600 Metern liegen. Die Erweiterungsmöglichkeiten der Firma Horsch seien mit dieser Variante nicht eingeschränkt, die Eingriffe in die Natur angesichts der Nähe von B 85 und der „größten Deponie des Landkreises“ bei Haselbach verschmerzbar.

Die Bürgeraktion sieht deshalb in einer Bündelung beider Stromautobahnen auf der Westtrasse den Königsweg, die optimale Lösung. Zwar räumt Ostheim ein, dass es bisher nur wenige Erfahrungen über Erdkabel mit Gleich- und Wechselstromleitungen in einem Korridor gebe. Doch ein solches Vorgehen sei technisch möglich und werde in Deutschland mit der sogenannten AGS-Verfahrenstechnik auch bereits erprobt. „Bei der Bundesnetzagentur verfolgt man das mit Interesse und unterzieht das Verfahren bereits einer Überprüfung“, sagt Ostheim. Falls dies nicht klappt, fordert die Bürgeraktion eine Erdverkabelung auf beiden Trassen, also auch im Naabtal. „Die Verkabelung müsste nördlich von Irlaching beginnen und bis zum Gelände des Umspannwerks in Büchelkühn reichen“, sagt Ostheim.

„Die Politik redet und tut nichts“

Erdkabel fordert auch der Schwandorfer Stadtrat, Erdkabel wollen Lokalpolitiker und Abgeordnete, und Erdkabel hält der Wirtschaftsausschuss des Bayerischen Landtags für die beste Option. Das Problem: Bei den Stromautobahnen ist nicht der Freistaat Bayern zuständig, sondern der Bund. Und um eine Erdverkabelung des Ostbayernrings um Schwandorf umzusetzen, wäre eine kleine, aber folgenreiche Änderung des Bundesbedarfsplangesetzes erforderlich: Der Ostbayernring müsste als Pilotprojekt vermerkt werden.

Kritik an der Naabtaltrasse

  • Das Projekt:

    Der Ostbayernring soll erneuert und so für die Anforderungen im Zuge der Energiewende ertüchtigt werden (Ersatzneubau). Er verläuft auf 185 Kilometern Länge vom fränkischen Redwitz bis nach Schwandorf.

  • Raumordnungsverfahren:

    Nach dem Raumordnungsverfahren bleiben von drei vorgeschlagenen Trassenvarianten noch die Bestandstrasse durch das Naabtal und eine weiter westlich gelegene Trasse – vorbei an Kreith, Irlbach und Gögglbach.

  • Planfeststellungsverfahren:

    Ins Planfeststellungsverfahren will Netzbetreiber Tennet mit der Trasse im Naabtal gehen, die in einer internen Punktebewertung des Unternehmens den Vorzug bekommen hat.

  • Kritik:

    Die Bürgeraktion Naabtal fordert eine Bündelung von Südostlink und Ostbayernring auf der westlich gelegenen Alternativtrasse, und zwar in Form von Erdkabeln. Die Naabtaltrasse wird nur dann akzeptiert, wenn im Schwandorfer Stadtgebiet ebenfalls Erdkabel verlegt werden. (hh)

Ostheim und seine Mitstreiter erkennen an, dass die Politik im Freistaat auf ihrer Seite ist. „Aber die Politik redet und tut nichts. Ich sehe noch keine konkreten Ergebnisse, nichts, was sich am Horizont abzeichnet“, kritisiert der Sprecher der Bürgeraktion. Und: „Der Zeitfaktor wird jetzt zunehmend kritisch. Es müssen endlich konkrete Maßnahmen auf den Tisch“, sagt Walter Ostheim.

So untätig die Politik auch sein mag – die Bürgeraktion Naabtal ist es nicht. Laut Ostheim bereitet die Initiative eine erneute Petition an den Bayerischen Landtag vor, diesmal, um die „methodische Fragwürdigkeit“ des Tennet-internen Punktesystems anzugreifen. Und auch eine Petition an den Bund behält man sich vor.

Mehr Nachrichten aus Schwandorf lesen Sie hier.

Aktuelles aus der Region und der Welt gibt es über WhatsApp direkt auf das Smartphone: www.mittelbayerische.de/whatsapp

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht