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Region Schwandorf
Samstag, 18. August 2018 29° 3

Investitionen

Pionierleistung vollbracht

Der Glasveredler Irlbacher in Schönsee beteiligt sich an der Erdgasleitung und ermöglicht so auch Haushalten den Anschluss.
Von Ralf Gohlke

Entlang der Grenze zum Standortübungsplatz hat die Firma Baumer bereits mit den Verlegearbeiten für die Gasleitung begonnen. Fotos: R. Gohlke
Entlang der Grenze zum Standortübungsplatz hat die Firma Baumer bereits mit den Verlegearbeiten für die Gasleitung begonnen. Fotos: R. Gohlke

Schönsee.Wo familiengeführte, mittelständische Unternehmen erfolgreich tätig sind, profitieren in der Regel auch deren Standortgemeinden davon. Das gilt sowohl für die Schaffung von ortsnahen Arbeitsplätzen als auch für die Einnahmen aus der Gewerbesteuer, die am Ort bleibt. Ein Beispiel, wie sich intensive Zusammenarbeit von Kommune und Gewerbe beziehungsweise Industrie zusätzlich positiv auswirken kann, erlebt derzeit die Stadt Schönsee. Die Firma Irlbacher Blickpunkt Glas ist im Rahmen ihres ständigen Wachstums auch stets darum bemüht, ihren nicht unerheblichen Energiebedarf im Blick zu haben.

Weg vom Heizöl

Jüngstes Zukunftsprojekt ist daher der Bau eines Blockheizkraftwerkes, dessen Stromertrag und Abwärme in die Produktion fließen sollen. Verschiedene Modelle wurden berechnet, was dafür als Energieträger am besten geeignet wäre. Die Wahl fiel letztendlich eindeutig zugunsten von Erdgas aus, und eine Erdgasleitung könnte auch die Stadt mit versorgen. Die Bayernwerke Netz GmbH bot sich dafür als Partner an.

Der Spatenstich auf dem Firmengelände mit der Unternehmerfamilie, den Vertretern der Bayernwerke und der beteiligten Firma war eher symbolisch.
Der Spatenstich auf dem Firmengelände mit der Unternehmerfamilie, den Vertretern der Bayernwerke und der beteiligten Firma war eher symbolisch.

Mit einem symbolischen Spatenstich unter Beteiligung der Unternehmerfamilie, Bürgermeisterin Birgit Höcherl sowie den Firmen, welche die Erdgasleitung bauen werden, wurde diese Gemeinschaftsleistung nun der Öffentlichkeit vorgestellt.

Die Besonderheit besteht darin, dass die Firma Irlbacher die Hälfte der Kosten für den Bau der rund 12,5 Kilometer langen Fernleitung von Oberviechtach über Racken-thal nach Schönsee tragen wird. Das macht bei einem Gesamtbetrag von rund 960 000 Euro immerhin rund 450 000 Euro aus.

Kunststoffleitungen bieten die Basis für wirtschaftliche Erschließungen in der Fläche. Foto: ggo
Kunststoffleitungen bieten die Basis für wirtschaftliche Erschließungen in der Fläche. Foto: ggo

„Die Idee für eine BHKW entstand bereits 2015“, erklärte Seniorchef Josef Irlbacher bei einer kleinen Feierstunde. Allerdings hätten die Wirtschaftlichkeitsberechnungen schnell ergeben, dass dies ohne Erdgas nicht machbar wäre. Von dem Bau der Leitung könne nun auch die Stadt profitieren, die einige Projekte an der Hand habe, die mit Gas versorgt werden könnten.

„Bei den privaten Nutzern muss noch etwas Überzeugungsarbeit geleistet werden“, meinte der 2. Bürgermeister Josef Irlbacher. Er ließ nicht unerwähnt, dass die Firma Mitglied der „Exzellenzinitiative Klimaschutz-Unternehmen“ sei. Daher sei es für die Familie wichtig gewesen, von dem bislang sehr hohen Verbrauch an Heizöl wegzukommen. Er war aber auch sicher, dass dem Unternehmen noch ein langer Prozess bevorstehen werde.

Die Firma Omexum Frankenluk aus Cham übernimmt die Facharbeiten, wie das Verschweißen. Foto: ggo
Die Firma Omexum Frankenluk aus Cham übernimmt die Facharbeiten, wie das Verschweißen. Foto: ggo

Bürgermeisterin Birgit Höcherl war natürlich mehr als erfreut, dass die Kommune auf diese Art und Weise zu einem Erdgasanschluss komme. „Das macht unseren Ort wieder ein Stück nachhaltiger“, sagte sie. Inzwischen gäbe es bereits konkrete Anfrage aus der Bevölkerung, mittlerweile sogar auch schon aus Ortsteilen. Ein Kompliment gab sie weiter an die Familie Irlbacher, die sich damit einmal mehr als „nicht nur der größte Arbeitgeber“ erwiesen habe. Zugleich versprach sie die Bauarbeiten nach Kräften zu unterstützen.

Erfahrene Firmen

Für die Bayernwerk GmbH unterstrich Peter Ketterl, Leiter der Netzdienste Oberpfalz, dass die Investitionsbereitschaft der Firma Irlbacher langfristig eine wirtschaftliche Sicherheit für dieses Neubauprojekt schaffe. Zudem wies er darauf hin, dass durch die Zusammenarbeit des Bayernwerks mit der Bayerischen Forstverwaltung, der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, dem Landratsamt Schwandorf sowie den Kommunalverwaltungen der Städte Oberviechtach und Schönsee relativ problemlos eine geeignete Trasse habe gefunden werden können.

Ein Größenvergleich mit dem Kettenbagger verdeutlicht die Dimensionen der Gasleitungsrohre. Foto: ggo
Ein Größenvergleich mit dem Kettenbagger verdeutlicht die Dimensionen der Gasleitungsrohre. Foto: ggo

„Als Partner der Kommunen kümmern wir uns zudem aktiv darum, bei den Arbeiten an der Erdgasinfrastruktur auch die Breitbandinfrastruktur im Blick zu haben“, so Ketterl. Im Bereich Rackenthal sollen daher zugleich sogenannte Speed-Pipes mitverlegt werden.

Firmenchef Josef Irbacher ist zugleich 2. Bürgermeister von Schönsee. Foto: ggo
Firmenchef Josef Irbacher ist zugleich 2. Bürgermeister von Schönsee. Foto: ggo

Zufrieden äußerte er sich über die Ergebnisse der Ausschreibung der Arbeiten, wonach die Firma Baumer aus Oberviechtach die Tiefbau- und die Firma Omexom Frankenluk GmbH mit Sitz in Cham, die technischen Arbeiten an der Gasleitung übernehmen werden. Er war zuversichtlich, das der Bauzeitenplan, bis Ende September 2018, eingehalten werden könne.

Auf die neue Aufgabe freute sich auch Projektleiter Martin Gierl. Er sprach im Zusammenhang mit dieser besonderen wirtschaftlichen Konstellation von einer „echten Pionierleistung“.

Die Partner

  • Die Firma Irlbacher Blickpunkt Glas

    verarbeitet seit über 80 Jahren Spezialgläser in höchster Präzision für Innen- und Außenleuchten, Kaminofenindustrie, Architektur, Gebäudetechnik, Sanitär, Maschinenbau sowie Forschung und Wissenschaft. Die immer noch familiengeführte Unternehmensgruppe hat ihren Sitz in Schönsee und verfügt inzwischen nahezu weltweit über eigene Niederlassungen oder Vertretungen.

  • Die Bayernwerke Netz GmbH

    betreut im Bayernwerk-Netzcenter Schwandorf ein Gebiet von rund 2800 Quadratkilometern. Im Betreuungsgebiet leben rund 270 000 Einwohner in 84 Kommunen. Das von dort betriebene Niederspannungs- und Mittelspannungsnetz hat eine Länge von rund 9300 Kilometern. Das Erdgasnetz erstreckt sich derzeit noch über eine Länge von rund 700 Kilometern.

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