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Politik behindert die humanitäre Hilfe

Die politische Lage in der Ukraine erschwert die Arbeit des Vereins „Aktion Tschernobyl – aktiv für Menschen in der Ukraine“.

Der neue Vorstand mit Bürgermeister Arnold Kimmerl (r.): vorne (v.l.) Kassenprüferinnen Klara Bauer, Sonja Lindner-Stöckl, Angelika Ziegler, hinten (v.l.) Heinz Fink, Dr. Josef Ziegler und Alois Beierlein Foto: hcr

PFREIMD. Seit sich die Ukraine nach dem politischen Führungswechsel wieder mehr an Russland anlehnt und die bisherigen Unterstützer aus den Verwaltungsebenen ihrer Ämter enthoben wurden, werden die Hilfstransporte des Vereins „Aktion Tschernobyl – aktiv für Menschen in der Ukraine“ am Grenzübergang in die Ukraine mit bürokratischen Hürden behindert. Wie dieser Entwicklung entgegengetreten werden könnte, war einer der Tagesordnungspunkte bei der Jahreshauptversammlung mit Neuwahlen.

Der Vorsitzende des 112 Mitglieder starken Vereins, Dr. Josef Ziegler, berichtete von Behinderungen durch den Zoll beim Grenzübertritt des 20. Hilfskonvois im April dieses Jahres. 13 Fahrzeuge, davon acht Sattelschlepper, waren mit medizinischen Hilfsgütern beladen. Der Wert der Ladungen – rund 500000 Euro. „Das war Provokation pur“, klagte der Vorsitzende. Interventionen bei den Generalkonsulaten hätten keine Erfolge gebracht.

Ganz anders das Bild an den ukrainischen Kliniken, Kinder- und Waisenhäusern. Hier wurden die Helfer mit Ehrungen und Danksagungen überhäuft. Kontrollbesuche in der Ukraine hätten ergeben, dass die medizinischen Geräte wie die Sterilisatoren noch nicht eingesetzt werden konnten, berichtete der Vorsitzende. Auch hier würden jüngste bürokratische Hürden, „die wohl politisch bedingt sind“, den Einsatz der Geräte behindern. So seien die Mitarbeiter an den Autoklaven noch nicht ausgebildet, verlangt wurden Bescheinigungen, dass die gelieferte Kleidung sauber sei und „man hat die technischen Angaben für den gelieferten Kühlschrank verlangt.“

In seinem Tätigkeitsbericht sprach Ziegler von „enorm hohen Aktivitäten des Vereins“: vom Sortieren der Spenden über Schulung der Autoklaven-gruppe, dem Kauf eines reparaturbedürftigen Lastwagens mit Hebebühne, der in monatelanger Arbeit wieder fahrtüchtig gemacht wurde, über die Reparatur eines Gabelstaplers, vielen Aktionen wie Benefizveranstaltungen, Vorträgen in ganz Bayern, Kontrollbesuchen in der Ukraine und „Netzwerkpflege“ mit Gewinnung weiterer Sponsoren. „Das sind große Dinge, die die Ehrenamtlichen leisten“, dankte Ziegler den Mitgliedern. Um weiteren Spannungen bei den Hilfslieferungen aus dem Weg zu gehen, bat der Vorsitzende darum, die 430 Pakete für die anstehende Weihnachtslieferung nur mit Neuware zu bestücken. Für die kommende Hilfslieferung konnte Ziegler zehn Paletten neuwertige Bettwäsche, Röntgengeräte, Sonargeräte und Sterilisatoren ankündigen.

Der Kassenbericht von Angelika Ziegler machte die Größenordnung der Hilfskonvois deutlich. Das Gesamtvolumen der Hilfsgüter belief sich auf gut 500000 Euro, Benzin für 15000 Euro wurde verfahren und die Kosten für den 20. Konvoi beliefen sich ebenfalls auf etwa 15000 Euro. Das Spendenaufkommen belief sich auf 50000 Euro.

Bei der Neuwahl wurde Dr. Josef Ziegler als Vorsitzender bestätigt. Mit dem Rücktritt des 2. Vorsitzenden Andreas Englert verzichtete man auf die Neubesetzung des Postens.

Der Pfreimder Bürgermeister Arnold Kimmerl betonte in seinem Grußwort die humanitäre Notwendigkeit der andauernden Hilfe nach dem Reaktorunglück. „Ich gratuliere Ihnen, dass Sie so lange durchgehalten haben, obwohl Tschernobyl bereits aus dem Bewusstsein der Menschen verschwindet“, sagte er. (hcr)

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