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Lokalpolitik

Rat hat keine Bedenken gegen den Abriss

Der Bodenwöhrer Gemeinderat will sich der Beseitigung des Gasthauses Schießl mehrheitlich nicht in den Weg stellen.

Mit 10:5 Stimmen beschloss der Gemeinderat, keine Einwände gegen den von den Investoren beantragten Abbruch des Gasthauses Schießl zu erheben. Einige Mitglieder des Gremiums kritisierten jedoch, dass ein Nachfolgekonzept fehle. Foto: smx
Mit 10:5 Stimmen beschloss der Gemeinderat, keine Einwände gegen den von den Investoren beantragten Abbruch des Gasthauses Schießl zu erheben. Einige Mitglieder des Gremiums kritisierten jedoch, dass ein Nachfolgekonzept fehle. Foto: smx

Bodenwöhr.Der Gemeinderat tagte bei seiner Sitzung mehr als fünf Stunden lang, mehrere Punkte mussten dennoch vertagt werden, weil die Änderungen bei der Bauleitplanung sehr viel Zeit beanspruchte. Zuvor hatte BLB-Fraktionssprecher Alois Feldmeier vergeblich versucht, dass verschiedene Punkte, darunter auch der Abriss des Gasthofs Schießl, vertagt werden. Seine Argumentation: Es sei nicht zumutbar, dass sich der Gemeinderat innerhalb von drei Tagen mit einer so großen Informationsfülle befasse und darüber entscheide.

Zum beantragten Abbruch des Gasthofs Schießl sagte Feldmeier wörtlich, dass seine Fraktion dem Abriss nicht zustimmen werde, weil es bisher kein Nachfolgekonzept gebe. Es liege lediglich ein Antrag der Investoren Michael Kraus und Michael Erhardt von der MIKE Projektbau GmbH.

Fehlendes Konzept kritisiert

Ein Schild erinnert an die Vergangenheit des Gasthofs Schießl in Bodenwöhr: Wirtshaus zur goldenen Eichel seit 1693. Foto: smx
Ein Schild erinnert an die Vergangenheit des Gasthofs Schießl in Bodenwöhr: Wirtshaus zur goldenen Eichel seit 1693. Foto: smx

Feldmeier wollte seinen Antrag auf Absetzung bestimmter Tagesordnungspunkte umfassend begründen, doch zweiter Bürgermeister Krieger entzog ihm nach einigen Minuten das Wort und ging zur Tagesordnung über. Krieger verwies auf ein Schreiben der Investoren vom 18. September 2018, in dem klar zum Ausdruck gebracht werde, dass das Unternehmen die Immobilie nie gekauft hätte, wenn bekannt gewesen wäre, dass das Gebäude auf die Denkmalliste gesetzt werden soll.

Das Gebäude und sein Umfeld hätten demnach eine zentrale Bedeutung für Bodenwöhr, man könne nach einem Abbruch dort neue Versorgungsstrukturen schaffen, beispielsweise ein „Rathausstüberl“ oder Ladengeschäfte sowie eine sinnvolle Wohnnutzung. Damit würde man auch an die geschichtliche Bedeutung des Platzes anknüpfen. Die Gebäudesubstanz selbst sei nicht besonders erhaltenswert, argumentierten die Investoren unter Hinweis auf ein Schreiben des Landesamts für Denkmalpflege.

Neue Strukturen statt Gasthaus

  • Geschichte:

    Das 1693 erbaute ehemalige „Wirtshaus zur goldenen Eichel“, das in der Ortsmitte Bodenwöhrs auf einem 2600 Quadratmeter großen Grundstück steht, soll abgerissen werden. Der Gemeinderat hat mehrheitlich beschlossen, sich dem Abbruch nicht entgegenzustellen. Vor seiner endgültigen Schließung vor einigen Jahren trug es den Namen „Gasthaus Schießl“ und war bei Insidern auch als „Schinak“ bekannt.

  • Erklärung:

    Die MIKE Projektbau GmbH mit den beiden Geschäftsführern Michael Kraus und Michael Erhardt hat das Objekt bereits erworben und angekündigt, neue Strukturen schaffen zu wollen, etwa mit Einzelhandelsgeschäften einem „Rathausstüberl“ oder Wohnnutzung. Weder die Investoren noch die Mehrheit des Gemeinderats befürwortet eine Aufnahme des Bauwerks in die Denkmalliste.

Die Ausführungen Kriegers führten zu einer kontroversen Diskussion im Gemeinderat. Neben dem BLB-Sprecher Feldmeier forderte auch Gemeinderat Christian Lutter (FW) ein eindeutiges Konzept für die künftige Gestaltung von den Investoren und warnte davor, nicht jetzt schon durch einen Abriss Fakten zu schaffen. Georg Hoffmann von der CSU machte den Vorschlag, einen Ideenwettbewerb zu starten und bestätigte den beiden Investoren, dass sie immer die Bereitschaft gezeigt haben, den Platz zusammen mit der Gemeinde zu entwickeln.

„Unsere Fraktion wird dem Abriss des Gasthauses Schießl nicht zustimmen, weil es bisher kein Nachfolgekonzept gibt.“

Alois Feldmeier, BLB-Fraktionssprecher

FW-Gemeinderat Johann Fritsch äußerte, dass man nun die Chance habe, ein neues Gebäude zu schaffen, das zum Ortsbild passe. Bei einer Verweigerung könne die Immobilie verfallen. Fritsch fragte nach, wie das alte Wirtshaus nun eigentlich auf die Denkmalliste gekommen sei. Die Antwort dazu kam prompt von Alois Feldmeier, er habe sich danach beim Denkmalamt erkundigt, um Klarheit für die Gemeinde zu haben. Durch Feldmeiers Anruf ist die Behörde offenbar auf den Gasthof aufmerksam geworden.

„Nur Fassade erhaltenswert“

Walter Spirk (CSU) schloss sich Fritschs Meinung an, man habe nun eine gute Gelegenheit, den Ortskern zu beleben und sollte sich deshalb den Investoren nicht entgegenstellen. Albert Krieger ergänze abschließend, dass die Fassade das einzig erhaltenswert sei, das Innenleben sei alles andere als schutzwürdig. Mit einer Ablehnung des MIKE-Antrages würde man zudem kein gutes Zeichen für zukünftige Investoren setzen und letztlich gehe es auch um den Vertrauensschutz. Mit 10:5 Stimmen wurde schließlich beschlossen, keine Bedenken gegen den Abriss zu erheben. (smx)

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