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Wissen

Raubbau an der Natur die Stirn bieten

Zum Bodentag in der Neunburger Schwarzachtalhalle kamen 500 Teilnehmer aus Österreich, Schweiz und Tschechien.
von Roland Thäder

In diesem Jahr war es ein gängiges Bild: Traktoren, die Staubwolken hinter sich herziehen. Ein untrügliches Zeichen für Erosion – der Boden macht sich aus dem Staub. Um über Strategien zu erarbeiten, einen ertragreichen Boden zu bewahren veranstaltete die Interessengemeinschaft gesunder Boden einen Kongress. Foto: Bernd Wüstneck/dpa
In diesem Jahr war es ein gängiges Bild: Traktoren, die Staubwolken hinter sich herziehen. Ein untrügliches Zeichen für Erosion – der Boden macht sich aus dem Staub. Um über Strategien zu erarbeiten, einen ertragreichen Boden zu bewahren veranstaltete die Interessengemeinschaft gesunder Boden einen Kongress. Foto: Bernd Wüstneck/dpa

Neunburg.Es wuselte nur so am Dienstag auf dem EDEKA-Parkplatz vor der Schwarzachtalhalle. Wer einen Parkplatz ergattert hatte, konnte sich glücklich schätzen. Eine Hälfte war abgetrennt worden für die Besucher des Internationalen Bodentags der Interessengemeinschaft Boden (IG) um den Regensburger Vorsitzenden Franz Rösl.

500 Teilnehmer aus Deutschland, Österreich, Tschechien und der Schweiz waren gekommen, um renommierte Wissenschaftler zum Thema „Humusaufbau für gesunde Lebensmittel“ zu hören. „Besonders in diesem Jahr, das durch lange Dürreperioden, Ernteausfälle und heftige Diskussionen zur schlechten Nährstoffeffizienz geprägt war, ist es umso wichtiger, sich mit der Basis unseres Lebens – nämlich mit einem gesunden Boden – zu beschäftigen“, betonte Rösl bei seiner Begrüßung.

Gesundheit stand im Mittelpunkt

Rupert Ebner ist stellvertretender Vorsitzender von Slow Food Bayern. Foto: Thäder
Rupert Ebner ist stellvertretender Vorsitzender von Slow Food Bayern. Foto: Thäder

Neben Rösl informierten fünf Fachreferenten die Teilnehmer über aktuelle Themen rund um die Gesundheit von Boden, Pflanze, Tier und Mensch. Sie diskutierten über den aktuellen, oft schon bedrohlichen Zustand der Böden, sowie über die Gewinnung von hochwertigen Pflanzen, gute Erträge und nährstoffreiche Lebensmittel. Dazu gehörten unter anderem der Tierarzt Dr. Reinald Aschenbrenner, der aus seiner praktischen Erfahrung berichtete und Rupert Ebner, stellvertretender bayerischer Vorsitzender der Organisation „Slow Food“ und Umweltreferent der Stadt Ingolstadt.

„Nur ein gesunder Boden wird auch gesunde Nahrungsmittel hervorbringen.“

Rupert Ebner, stellvertretender Vorsitzender von Slow Food Bayern

„Nur ein gesunder Boden wird auch gesunde Nahrungsmittel hervorbringen“, zeigte sich Ebner überzeugt. Seine Organisation hat sich den verantwortungsvollen Umgang mit Lebensmitteln auf die Fahnen geschrieben und versucht Produzenten und Verbraucher zusammenzubringen. In diesem Zusammenhang sagte Tierarzt Dr. Aschenbrenner, dass nach seinen Erfahrungen rund 15 bis 20 Prozent der Landwirte und hier vor allem sein Hauptklientel, die Ferkelzüchter, bereit seien, zu erkennen, dass sich in der Landwirtschaft bei der Tierhaltung und Erzeugung von Lebensmitteln etwas ändern müsse. Allerdings stünden viele angesichts der angespannten Situation auf dem Landwirtschaftssektor unter finanziellem Druck. Heute zahle man unterm Strich bei jedem verkauften Ferkel drauf, so Dr. Aschenbrenner. Er fügte hinzu: „Unter Angst etwas verändern zu wollen, hemmt die Kreativität.“

Themen

  • Mehrwert:

    Franz Rösl, IG, Die Region profitiert von gesundem Boden

  • Flächeninventur:

    Dr. Sonja Dreymann, Agraringenieurin, Vorteile einer erweiterten Boden- und Pflanzenanalytik

  • Praxis:

    Georg Dietl, Landwirtschaftsmeister, Bodenschonende Bearbeitung

  • Herausforderung:

    Prof. Dr. Andreas Gattinger, Universität Gießen, Der bedrohte Boden – Herausforderungen und Lösungen

  • Gesundheit:

    Dr. Josef Smarda, Immunologe & Chemiker, Die Wirkung des Bodens auf unsere Gesundheit

Die Anreicherung der teils ausgelaugten Böden mit Humus ist der IG ein großes Anliegen. Denn nur darin kämen auch die Mikroorganismen vor, die für einen ausreichenden Nährstoffgehalt der Böden sorgen, wird Franz Rösl nicht müde zu betonen. Diesen Ansatz verfolgen auch Professor Dr. Andreas Gattinger und der Immunologe und Chemiker Dr. Josef Smarda.

Ein entscheidender Faktor

Prof. Gattinger sieht den Boden gleich mehrfach bedroht. Das Bodenleben habe nicht genug Nahrung. Den Grund hierfür sieht er in „dem Anstieg der Weltbevölkerung, der Zersiedelung und im Zwang, höchste Erträge mit einseitigen Fruchtfolgen von Marktfrüchten herauszupressen“, begründet. Versalzung und Versteppung seien Folgen, die sich zu einer akuten Bedrohung des Bodens auswachsen. Doch „für die Überlebensfähigkeit der Menschheit ist die Erhaltung des Bodens ein entscheidender Faktor“, sagt Prof. Gattinger und bezieht sich hierbei auch auf die Enzyklika von Papst Franziskus mit dem Titel „Laudato si“ – „Über die Sorge für das gemeinsame Haus“. Sie befasste sich vor allem mit Klima- und Umweltschutz.

Service

Sechs Tipps für den Boden im Herbst

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Smarda sieht in einem zunehmenden Mangel von lebenswichtigen Spurenelementen im Boden die ganze Nahrungskette in Gefahr. Zunächst führe dies zu schlechter Futterausnutzung beim Tier und schließlich zu schlechteren Lebensmitteln und der Zunahme von Zivilisationskrankheiten, ja sogar zur Entstehung neuer Krankheiten, beispielsweise infolge von Fäulnisbakterien.

Abschließend hieß es, mit Hilfe eines Umweltrechenprogramms der Ostbayerischen Technischen Hochschule Amberg/Weiden wurde als Äquivalent zum CO2-Ausstoß für die Anreise der Teilnehmer die Zahl der neu zu pflanzenden Obstbäume errechnet. Im Ergebnis werden gemeinsam mit der Stadt Neunburg v. Wald und der IG gesunder Boden 30 Obstbäume gepflanzt. Die Obstbäume nehmen das CO2 auf und speichern es ein.

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