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Szene

Rechte stehen vor verschlossener Tür

Erneut haben Neo-Nazis versucht, sich in Gaststätten einzunisten. Vergeblich, denn Schwandorfs Wirte sind hellhörig geworden.

Helga Hanusa berichtete über die Initiative „keine Bedienung für Nazis“.

Schwandorf. Ein aufmerksamer Schwandorfer Wirt hat den Rechten dieses Mal einen Strich durch die Rechnung gemacht. Nach Informationen der MZ hat der Pächter einer Gaststätte in der Innenstadt (Name ist der Redaktion bekannt) Verdacht geschöpft, als ein Mann die Räumlichkeiten seines Lokals für eine „Hochzeitsgesellschaft“ mieten wollte, aber weder Tischschmuck noch Tischdecken wollte, dafür aber ein Beamer. Der Gastwirt verzichtete auf die dubiosen Gäste und informierte die Polizei.

In mehreren Gaststätten angefragt

Dass sie einmal abgeblitzt sind, hat die Neo-Nazis aber offenbar nicht erschüttert. Wie die MZ in Erfahrung brachte, versuchten die Rechten noch in anderen Gaststätten in der Stadt ihr Glück. Aber kein Wirt wollte diese Gesellschaft haben. Im Bündnis gegen Rechts, in dem alle demokratischen Parteien in Schwandorf sich zusammengeschlossen haben, hat man diese Nachricht mit Erleichterung aufgenommen. Schließlich ist allen noch präsent, dass es den Nazis in der Vergangenheit mehrmals gelungen war, sich incognito in Gaststätten einzuschleichen.

Regelmäßig hatten sich die Mitglieder des politischen Rechtsauslegers NPD zum Beispiel in der Kreuzberggaststätte getroffen. Kirchenpfleger und CSU-Stadtrat Georg Hottner wusste davon, fand aber nichts dabei. Zum Aufreger wurden die Versammlungen der Nazis erst, als bekannt wurde, dass die NPD in der von der Kirchenverwaltung gepachteten Gaststätte ihren Landesparteitag abhielt. Der Bischof griff ein und machte dem rechten Treiben auf dem Kreuzberg ein für alle Mal ein Ende.

Aber die NPD suchte einen neuen Unterschlupf – und wurde ausgerechnet in der Gaststätte des Schwandorfer Oberbürgermeisters Helmut Hey fündig. In der Brauereiwirtschaft in Fronberg hat die NPD sich am 12. Dezember 2010 zur Weihnachtsfeier getroffen. Die Pächterin war ahnungslos. Die Neonazis und Aktivisten von NPD und Freiem Netzwerk Süd hatten sich als Mitglieder eines Sportvereins ausgegeben.

Der nächste Coup gelang den Rechten in Wackersdorf. Im Herbst 2011 versammelten sich die Nazis dort zur NPD-Bezirksversammlung im Schwimmbadcafé. Und wieder hat man sie nicht erkannt. Die Anhänger des neu gewählten NPD-Bezirksvorsitzenden hatten sich als Geburtstagsgesellschaft getarnt.

Solche Vorfälle sollen nicht wieder passieren, darin sind sich die Bürgermeister von Schwandorf und Wackersdorf mit dem Bündnis gegen Rechts einig. Sie haben auch schon eine Idee, wie man die Nazis künftig ausbremsen könnte. Die Regensburger haben es vorgemacht. Dort haben sich 130 Gastronomen zu einer Initiative zusammengeschlossen. Sie haben klar Position bezogen. „Nazis haben in unseren Räumen nichts zu suchen“, lautet die unmissverständliche Botschaft aus der Domstadt. „Rassisten werden hier nicht bedient“, dieser Aufkleber prangt mittlerweile an 130 Eingangstüren, die für Rechte geschlossen bleiben. Die haben in diesen Lokalen nichts zu suchen. Ausgangspunkt für die Aktivitäten in Regensburg war ein rassistisch motivierter Überfall auf das Restaurant Picasso. Damals wurde die Bürgerinitiative „Keine Bedienung für Nazis“ gegründet. Für sie stand fest: So etwas Schreckliches darf nie wieder passieren. Doch von der Idee bis zur erfolgreichen Wirte-Aktion war es ein weiter Weg.

Gastronomie zeigt Zivilcourage

Helga Hanusa und Juba Akili berichteten am Montag bei einem Bündnis-Treffen in Schwandorf von den vielen Gesprächen mit Regensburger Wirten, von der mühsamen Aufklärungsarbeit, die aber letztendlich zum Erfolg führte. Innerhalb von drei Wochen hatten 85 Wirte die Erklärung „Die Gastronomie in Regensburg zeigt Zivilcourage gegen Nazis und Rassisten“ unterschrieben.

Das Beispiel könnte Schule machen, auch in Schwandorf. Die Unterstützung aus der Nachbargemeinde Wackersdorf wäre dem Bündnis jedenfalls sicher. Bürgermeister Thomas Falter würde eine Initiative, wie sie in Regensburg gestartet wurde, „sehr begrüßen“. Und er weiß: „Die Wackersdorfer Wirte würden sich komplett anschließen!“

Bei Angelika Benninger, Inhaberin des Schützenheims, stieß die Iitiative „Keine Bedienung für Nazis“ auf Zustimmung. Die Frage, ob sie sich einer solchen Initiativer anschließen würde, beantwortete sie mit einem klaren Ja. Warum? „Weil ich schlicht und einfach keine Rassisten mag! Ich halte nichts von diesen Herrschaften“, so die Wirtin. Auch Ferdi Eraslan würde dieses Projekt begrüßen: „Mein Imbiss City-Kebap ist für jeden offen, aber nicht für diese Szene!“

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