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Region Schwandorf
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Sicherheit

„Regensburger Verhältnisse“ in Schwandorf?


Von Hubert Heinzl

Armin Kott, der Leiter der Polizeiinspektion (PI) Schwandorf, fand vor einiger Zeit beim Sicherheitsgespräch im Schwandorfer Rathaus deutliche Worte. Was die Zahl der Fahrraddiebstähle angehe, würden in Schwandorf bald „Regensburger Verhältnisse“ erreicht, eröffnete er damals OB Helmut Hey.

Die Zahlen, die Polizeivize Peter Badewitz zusammengetragen hat, unterstreichen diese plakative Aussage. Nach seinen Angaben wurden im Tätigkeitsbereich der PI Schwandorf, also der Stadt Schwandorf und den Gemeinden Wackersdorf und Steinberg am See, im Jahr 2010 39 Fälle von Fahrraddiebstahl aktenkundig. Ein Jahr darauf waren es bereits 49, im vergangenen Jahr dann 74 Fälle. „Und die Tendenz heuer ist ähnlich wie 2012“, sagt Badewitz, „das ist ungefähr dasselbe Level“.

Von A nach B kommen

Woran es liegt, dass Fahrräder immer mehr zum begehrten Diebesgut geworden sind, darüber lässt sich nur spekulieren. Vielleicht hilft ein Blick auf die Täterstruktur. Im Wesentlichen, sagt Peter Badewitz, gibt es zwei große Gruppen. Die einen benutzen ein gestohlenes Fahrrad nur, um von A nach B zu kommen. Am Ziel angelangt, stellen sie den fahrbaren Untersatz dann wieder ab – irgendwo. Benutzt werden oft „0815-Räder“, wie Badewitz das nennt. Solche „Gelegenheitsdiebstähle“ passen zu einem Trend, der nach den Worten des stellvertretenden Inspektionsleiters ganz allgemein gilt: „Fremdes Eigentum wird immer weniger beachtet.“

Für Tätergruppe Nummer zwei ist das Radl von nebenan nicht fahrbarer Untersatz, sondern schlicht eine Geldquelle. Die ausgebauten Verkehrsverbindungen nach Osten schaffen auch neue Vertriebswege für Diebe. „Wir gehen davon aus, dass ein Teil der gestohlenen Fahrräder mit Lkw nach Osten transportiert wird. Bei Grenzkontrollen wird das oft genug festgestellt“, so Badewitz. In Osteuropa gebe es einen Markt für solches Diebesgut. Gefragt seien vor allem hochwertige Räder, möglicherweise lohnten sich die Diebstähle schon allein wegen der gestiegenen Preise für Altmetall. Natürlich würden gestohlene Fahrräder auch im Inland angeboten. „Erst vor kurzem“, erzählt Badewitz, „ist ein Fahrraddieb aufgeflogen, der das Rad über eBay angeboten hat“. Nicht immer freilich kommt die Polizei den Langfingern auf die Schliche. Die Aufklärungsquote im vergangenen Jahr lag bei bescheidenen 13,5 Prozent.

Verstärkte Fahrradkontrollen

Um die Zahlen etwas aufzubessern, setzt die Polizei laut Vize Badewitz verstärkt auf Fahrradkontrollen. Dabei geht es in letzter Zeit nicht nur um die Verkehrssicherheit, sondern auch um die Eigentumsverhältnisse. Zwar sieht man es einem Rad auf den ersten Blick nicht an, wem es gehört. Aber es gibt doch Ungereimtheiten, die den Streifenbeamten auffallen. Wenn jemand in ärmlichen Klamotten auf einem Highend-Bike sitzt, macht das zumindest stutzig. Erfolg hatte die Polizei jedenfalls bereits mit dieser Form des Fahrrad-Checks. Auch nach manipulierten Fahrgestellnummern und anderen Auffälligkeiten wird gesucht.

Neuralgische Punkte in der Stadt Schwandorf, an denen man besonders auf seinen Drahtesel aufpassen sollte, gibt es nach den Erkenntnissen der Polizei übrigens nicht. Anders gesagt und wenig beruhigend: „Es kann im ganzen Stadtgebiet passieren“, wie Badewitz es ausdrückt. Klassische Örtlichkeiten sind natürlich die Bahnhofsgegend oder der Umkreis des Erlebnisbads. Aber die Räder verschwinden genauso aus dem Hinterhof nebenan.

Manchmal tauchen sie auch wieder auf. Der städtische Bauhof sammelt laut Stefan Schamberger, dem Leiter des Ordnungsamts, pro Jahr gut 50 Fundräder, die sich keinem Besitzer zuordnen lassen. Früher wurden sie nach Ablauf der gesetzlich vorgeschriebenen Fristen versteigert. Inzwischen gibt sie die Stadt kostenlos an die „Kleeblattwerkstatt“ der Lebenshilfe ab. Hier werden sie instandgesetzt für den Verkauf.

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