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Prävention

Retter trainieren Abwehr von Angriffen

Die Feuerwehr Neunburg hat den ersten Tageskurs zum Thema Konfliktmanagement und Selbstverteidigung absolviert.
Von Ralf Gohlke

Dem Satz „Du hältst mich nicht, wenn ich das nicht will!“ können auch mit einfachen Mitteln Taten folgen. Foto: ggo
Dem Satz „Du hältst mich nicht, wenn ich das nicht will!“ können auch mit einfachen Mitteln Taten folgen. Foto: ggo

Neunburg.Eine Feuerwehrübung der ganz anderen Art startete die Stützpunktwehr am Samstag. Dabei ging es diesmal nicht um den Einsatz mit Rettungsschere, Atemschutz oder Schaumkanone, sondern um den Umgang mit Aggressionen und Gewalt. Auch die Neunburger Feuerwehr hatte bereits ihre Erfahrungen damit gemacht, dass die Hemmschwelle zur Gewalt beim Vorgehen gegen Einsatz- und Rettungskräfte immer weiter sinkt, von verbalen Beleidigungen ganz abgesehen. Dies gilt insbesondere bei Absperrungen aber auch bei Bergungs- und Rettungsmaßnahmen.

2. Kommandant Reinhold Stangl (Zweiter von rechts) unterzog sich einem Selbsttest, der ihn kurzzeitig handlungsunfähig machte. Foto: ggo
2. Kommandant Reinhold Stangl (Zweiter von rechts) unterzog sich einem Selbsttest, der ihn kurzzeitig handlungsunfähig machte. Foto: ggo

Gern nahm daher die Feuerwehrführung das Angebot von Thomas Schmid an, der zusammen mit Florian Kehl und Dieter Eberle an einer sechsmonatigen Ausbildung zum „Fachwirt für Konfliktmanagement & Selbstverteidigung“ des Deutschen Ju-Jutsu-Verbandes teilgenommen hat. Das Trio hat im Rahmen des praktischen Teiles der Facharbeit einen Kurs erstellt, der nun erstmals in der Praxis vorgestellt wurde.

Gefahrensituationen erkennen

Der Kursaufbau umfasste genau die richtige Mischung zwischen Grundlagenwissen in der Theorie und die ersten Schritte zur praktischen Anwendung. Den Schwerpunkt bildete vor allem die Gruppenarbeit, was dem Geschehen die notwendige Dynamik verlieh. Es waren aber auch Elemente enthalten, die zum Beispiel die Bedeutung des gegenseitigen Vertrauensverhältnisses eindrucksvoll verdeutlichten, wie der „Gänsemarsch“ mit verbundenen Augen über Hindernisse. Bei dieser Kommunikationsübung war der Aufbau von Stress ein ganz bewusster Faktor.

Thomas Schmid stellt fest: „Gewalt wird vom Betroffenen unterschiedlich bewertet.“ Foto: ggo
Thomas Schmid stellt fest: „Gewalt wird vom Betroffenen unterschiedlich bewertet.“ Foto: ggo

Zu den Themen zählten auch umfangreiche rechtliche Aspekte, das sogenannte Ampelprinzip bei der Prävention, Selbstbehauptung und Selbstverteidigung, die Kommunikation mit potenziellen Angreifern, Ursachen von Gewalt und die Dokumentation. „Wir wollen mit diesem Kurs auch den Blick für die Entstehung von Gefahrensituationen schärfen“ betonte unter anderem Thomas Schmid.

Dieter Eberle (Zweiter von rechts) demonstrierte die gewaltfreie Abwehr aus einem Würgegriff. Foto: ggo
Dieter Eberle (Zweiter von rechts) demonstrierte die gewaltfreie Abwehr aus einem Würgegriff. Foto: ggo

Bei der Auswertung der Gruppenarbeit zum Thema „Risikofaktoren“ erkannten die Teilnehmer deutlich, dass es dabei in vielen Bereichen zu Überschneidungen kommen könne. Dazu gehörte auch das Streitgespräch. In einem Rollenspiel „zofften“ sich Kommandant Bernhard Käsbauer und sein Stellvertreter Reinhold Stangl um einen Autoschaden. Dabei wurde deutlich, dass die Schwelle zur körperlichen Gewalt mit steigender Distanz zueinander sank.

Übergriffe anzeigen

Florian Kehl rät dazu, Vorfälle von Gewalt, grundsätzlich zur Anzeige zu bringen. Foto: ggo
Florian Kehl rät dazu, Vorfälle von Gewalt, grundsätzlich zur Anzeige zu bringen. Foto: ggo

Florian Kehl widmete sich unter anderem der Dokumentation von Angriffen und stellte heraus, dass in allen Fällen die Führungskräfte besonders gefragt seien. In einem Erfassungsbogen sollten möglichst viele Details niedergeschrieben werden, um sie über den langen Zeitraum bis zu einer möglichen Gerichtsverhandlung in Erinnerung zu halten. Er plädierte dafür, Vorfälle dieser Art grundsätzlich zur Anzeige zu bringen. „Die Organisation, also zum Beispiel die Feuerwehr Neunburg, erstattet die Anzeige. Damit ist das Opfer schon einmal aus der Schusslinie“, so der Experte.

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Zudem sollten eventuelle Opfer auch in der eigenen Organisation „aufgefangen“ werden. Auch der „Weiße Ring“ stehe dafür zur Verfügung. Dieter Eberle war der Spezialist in Sachen „Kommunikation“ mit eventuellen Störern oder Angreifern. Besonders widmete er sich dabei angetrunkenen Personen, wie sie Sicherheitsdiensten häufig angetroffen werden können. Vernunftappelle sollten dabei in jedem Fall vermieden werden, ebenso wie eigenes, provokantes Gehabe.

„Bei Streitgesprächen sollte ein möglichst großer Abstand gehalten werden.“ Thomas Schmid, Ausbilder

In allen Fällen käme es sehr stark auf das eigene Verhalten an. Deutlich wurde aber auch festgestellt: „Wenn Einer ein Argument nicht beim dritten Mal versteht, versteht er es auch beim zehnten Mal nicht“, weshalb dann entsprechende andere Maßnahmen eingeleitet werden müssten.

Sollte es dennoch zu einem Angriff kommen, hätten Untersuchungen ergeben, dass lautes Schreien und eine klare Ansage bereits ein probates Mittel zur Abwehr sein könne.

Dieter Eberle plädiert dafür und trainiert die „gewaltlose Abwehr“ von Angreifern. Foto: ggo
Dieter Eberle plädiert dafür und trainiert die „gewaltlose Abwehr“ von Angreifern. Foto: ggo

Eberle beeindruckte die Kursteilnehmer in der praktischen Abwehr von Angriffen durch die Anwendungen von Techniken, die eher gewaltfrei auf die Stimulation von Nervenbahnen beim Gegner abzielten und ihn so zur Aufgabe zwangen. Bei richtiger Anwendung konnten sich sogar die beiden Damen gegen ihre deutlich stärkeren Feuerwehrkollegen durchsetzen.

Für die Bilanz waren sich die Teilnehmer einig, dass eine Fortsetzung erstrebenswert wäre. Thomas Schmid vermittelte, dass der Kurs zum Beispiel auch anderen Rettungsdiensten, Schulen, Lehrern oder Vereinen angeboten werden könne.

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