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Aktion

Rettung aus dem Kühlschrank

Schneller Zugriff für Sanitäter: Der Landkreis hat 2000 Notfalldosen angeschafft. Sie werden kostenlos an Senioren verteilt.
Von Cornelia Lorenz

Der richtige Platz für die Notfalldose ist der Kühlschrank als zentraler Ort im Haushalt. Die Rettungskräfte wissen, dass sie hier zuerst nachschauen müssen, um Informationen über den Patienten zu finden. Foto: Patrick Pleul/dpa
Der richtige Platz für die Notfalldose ist der Kühlschrank als zentraler Ort im Haushalt. Die Rettungskräfte wissen, dass sie hier zuerst nachschauen müssen, um Informationen über den Patienten zu finden. Foto: Patrick Pleul/dpa

Schwandorf.Manchmal zählt jede Sekunde: Eine ältere Dame liegt in ihrer Küche bewusstlos auf dem Boden, Rettungssanitäter und Notarzt kommen dazu, doch um bestmöglich helfen zu können, brauchen sie wichtige Informationen – zum Beispiel, ob die Patientin Medikamente einnimmt, ob sie Diabetikerin ist oder vielleicht einen Herzschrittmacher trägt. In solchen Situationen hilft ab sofort die Notfalldose: Der Landkreis hat 2000 Exemplare angeschafft. In den kleinen Gefäßen lassen sich zuhause im Kühlschrank alle wichtigen medizinischen Daten über einen Patienten aufbewahren.

Die kleinen grün-weißen Dosen gibt es bereits in vielen Regionen in Deutschland. In den Landkreis Schwandorf hat sie Helmut Kramer vom Seniorenbeirat gebracht. Er entdeckte die Dosen, als er eine Senioren-Messe besuchte und war von der Ideesofort begeistert.

Die Mitglieder des Seniorenbeirats sowie die Vertreter verschiedener Institutionen versammelten sich im Landratsamt, um die Notfalldose bekannter zu machen. Foto: scl
Die Mitglieder des Seniorenbeirats sowie die Vertreter verschiedener Institutionen versammelten sich im Landratsamt, um die Notfalldose bekannter zu machen. Foto: scl

Bei seinen Kollegen vom Seniorenbeirat und im Landratsamt fand Kramer schnell Unterstützung. „Immer mehr Menschen leben nicht mehr in einer Großfamilie“, sagt Dr. Sigrid Ullwer-Paul, die Vorsitzende des Seniorenbeirats. Für Menschen, die alleine wohnen, sei es besonders wichtig, sich für medizinische Notfälle zu wappnen. Die Dose, die alle erforderlichen Daten enthalte, sei hier eine hervorragende Ergänzung zur Notfallmappe, die sich bei den Senioren in der Region schon seit längerer Zeit gr0ßer Beliebtheit erfreue, sagt Ullwer-Paul.

Die neuen, rund zehn Zentimeter hohen weiß-grünen Plastikdosen enthalten ein Informationsblatt, auf dem alle wichtigen persönlichen Daten des Besitzers notiert werden können – und natürlich auch alle medizinischen Hilfsmittel, die er braucht. Mit einem Blick in die Notfalldose können sich Retter deshalb schnell ein Bild vom Patienten machen, denn sie erfahren so, ob er unter Vorerkrankungen leidet, ob er Allergien hat, bei welchem Hausarzt er in Behandlung ist, welche Kontaktpersonen informiert werden müssen oder wie seine Krankenversicherungsnummer lautet.

Ein fester Platz ist wichtig

Damit die Retter die Dose nicht erst suchen müssen, gibt es einen zentralen Ort in der Wohnung, an dem sie platziert werden sollte, und zwar in der Kühlschranktür. Um deutlich zu machen, dass man eine Notfalldose besitzt, enthält sie zwei Aufkleber, die man außen am Kühlschrank und an der Innenseite der Wohnungstür anbringen kann. Die Rettungskräfte werden darauf geschult, auf diese Aufkleber zu achten.

Viele Institutionen im Landkreis unterstützen das Projekt Notfalldose. „Viele ältere Menschen leben allein – die Informationen darin sind für die Rettungsdienste sehr wichtig“, sagt Otto Josef Langenhan, Geschäftsführer des BRK-Kreisverbands Schwandorf. Auch Julia Eisenhut von der Johanniter-Unfallhilfe begrüßt die Einführung der Notfalldose. „Das ist eine super Sache, wir werden die Dose weitergeben“, verspricht sie. Viel Lob für die Idee kommt auch vom Sankt-Barbara-Krankenhaus in Schwandorf. Die eingesparte Zeit verbessere die Behandlungsqualität, sagt Marion Hausmann, Referentin für Marketing und Öffentlichkeitsarbeit. Ähnlich beurteilt man das Projekt bei Asklepios und beim Sozialverband VdK. Die Notfalldose sei eine „sinnvolle und lebensrettende Maßnahme“, sagt VdK-Kreisgeschäftsführer Bernd Steinkirchner.

1500 Euro aus dem Fördertopf

Finanzielle Unterstützung für die Anschaffung der Notfalldosen kommt aus dem LEADER-Fördertopf der Europäischen Union. Den Antrag dazu hatte die Lokale Aktionsgruppe (LAG) Regionalentwicklung im Landkreis Schwandorf gestellt – mit Erfolg: Aus dem Fördertopf fließen 1500 Euro.

Die 2000 Dosen, die der Landkreis nun angeschafft hat, werden kostenlos an die Bürger abgegeben. Alle beteiligten Institutionen helfen mit, sie zu verteilen. Evi Seitz von der Fachstelle für Senioren am Landratsamt ist es aber wichtig, dass die Dosen „mit Bedacht“ verteilt werden. Vorrangig gehe es darum, alleinstehende Senioren auszustatten. Damit jeder Interessierte eine Dose bekommt, werden die Apotheken in der Region aufgerufen, sie ins Sortiment aufzunehmen. Dort wird sie für rund fünf Euro zu haben sein.

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