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Region Schwandorf
Montag, 25. Juni 2018 20° 3

Initiative

Ringen um die Knappenseestraße

Steinberger starten Bürgerbegehren für eine Sperrung. Bürgermeister Bemmerl will die Situation auf andere Weise entschärfen.
Von Hubert Heinzl

Die Sprecher(innen) des Bürgerbegehrens mit ihren Stellvertretern am Eingang zur Knappenseestraße Foto: Jobst
Die Sprecher(innen) des Bürgerbegehrens mit ihren Stellvertretern am Eingang zur Knappenseestraße Foto: Jobst

Steinberg am See.Fototermin im Schneetreiben: Es ist Samstag, an einem Vorfahrtsschild in Steinberg am See hat sich ein halbes Dutzend Bürgerinnen und Bürger postiert, um ihrem Unmut Luft zu machen. Sie stehen an der Stelle, wo von der Waldheimer Straße die Knappenseestraße abzweigt. Hier geht es zum Tennisheim und über ein paar Kurven durch den Wald bis hin zum See.

Jetzt im Winter ist die Strecke selten befahren. Aber spätestens im Sommer ist es mit Ruhe und Erholung vorbei: Kindern hier das Radfahren beibringen? Mit älteren Leuten spazieren gehen? „Das ist nicht möglich, weil sie dir sonst die Schuhbandl abfahren“, erzählt Andreas Jobst (41). In einer Viertelstunde hat er auf der Schotterpiste schon zehn Autos vorbeifahren gesehen, teilweise auch mehr, und teilweise auch deutlich schneller als mit dem erlaubten Tempo 30. Die Knappenseestraße und ihre Verlängerung, sagt Jobst, sind zum beliebten Abkürzer für den motorisierten Verkehr verkommen, zu einer Mischung aus Schleichweg und Rennstrecke. Jetzt soll sie für die Steinberger Bürger zurückerobert werden.

Seit etwa einer Woche sammelt der 41-Jährige zusammen mit einer Handvoll Mitstreiter Unterschriften für ein Bürgerbegehren. Die Knappenseestraße, heißt es auf den Listen, solle „unmittelbar nach der Einfahrt Tennisheim bis zum Denkmal Schwungrad“ für den öffentlichen Verkehr gesperrt werden. Nur für land- und forstwirtschaftliche Fahrzeuge will man eine Ausnahmeregelung zulassen. Die Gemeinde schließlich soll „alle zur Verfügung stehenden Maßnahmen“ ergreifen“, um die Sperrung in Kraft zu setzen.

Auf der Karte sehen Sie die geforderte Sperrung:

Die Begründung auf den Unterschriftenlisten liest sich wie eine Zusammenfassung der Argumente, die schon bei einer von Jobst initiierten Bürgerversammlung im August des vergangenen Jahres zur Sprache kamen. Schon damals hatten sich Bürgerinnen und Bürger beklagt, dass sich durch die zunehmende Erschließung des Steinberger Sees für den Tourismus das Verkehrsaufkommen in der Gemeinde vor allem in den Sommermonaten deutlich erhöht habe. „Und die Einheimischen haben nichts davon außer Dreck, Lärm, Abgasen und Müll“, sagt Jobst.

Auswärtige Gäste, heißt es auf den Unterschriftenlisten, sollten deshalb nicht auch noch durch das Dorf und über die Knappenseestraße zum See geleitet werden. „Die Knappenseestraße soll wieder Naherholungsgebiet werden, so dass die Bürger und Touristen hier wieder ungestört Natur genießen können“, fordern die Initiatoren des Bürgerbegehrens in ihrem Papier.

Eine intakte Natur und Umwelt liegen ihnen am Herzen. „Im Bereich der Knappenseestraße haben sie schon Kreuzottern oder Feuersalamander gefunden. Die kann man doch nicht einfach verdrängen“, sagt Andreas Jobst. Auch auf den Listen zum Bürgerbegehren ist vom „wunderschönen Mischwald“ zwischen Waldheim und Steinberger See die Rede: „Der alte Ortsname Waldheim“, heißt es in der Begründung für die Aktion, „gründet auf den anliegenden Wald, der ein Teil unserer Heimat ist. Daher ist es für uns eine Herzensangelegenheit, dass dieser Wald für uns und unsere Nachkommen respektvoll, nachhaltig und achtsam behandelt wird“.

Listen machen die Runde

Die Listen machen zurzeit die Runde. Sie liegen aber auch im Rathaus in der Praxis von Allgemeinmedizinerin Dr. Rita Möckel aus, die neben Andreas Jobst und Norbert Ippisch ebenfalls zu den offiziellen Vertretern des Bürgerbegehrens gehört. Mit ihren Argumenten, erzählt Jobst, rennen die Initiatoren meist offene Türen ein. „Von 40 gab es vielleicht zwei, die nicht unterschrieben haben“, sagt er und zeigt sich optimistisch, dass die nötigen Unterschriften „innerhalb von zwei, drei Wochen“ gesammelt sind. Zehn Prozent der Wahlberechtigten, also etwa 160 Unterstützer, sind nach seinen Worten erforderlich, um diese erste Hürde für einen Bürgerentscheid zu überspringen.

Das Bürgerbegehren

  • Die Frage:

    „Sind Sie dafür, dass die Gemeinde Steinberg am See alle zur Verfügung stehenden Maßnahmen ergreift, um die Knappenseestraße unmittelbar nach der Einfahrt Tennisheim bis zum Denkmal Schwungrad für den öffentlichen Verkehr zu sperren, und wieder in eine ausschließlich land- und forstwirtschaftlich zugängliche Straße umwandelt?“

  • Offizielle Vertreter des Bürgerbegehrens:

    Andreas Jobst (Stellvertreter: Stefan Rester); Norbert Ippisch (Stellvertreterin: Sabine Rester); Dr. Rita Möckel (Stellvertreterin: Sabine Lehmer), alle aus Steinberg am See. Unterschriftenlisten liegen in der Arztpraxis von Dr. Lisa Möckel im Steinberger Rathaus aus. (hh)

Die zweite Hürde könnte juristischer Natur sein. Steinbergs Bürgermeister Harald Bemmerl lehnt die Sperrung mit dem Hinweis darauf ab, dass die Gemeinde verpflichtet sei, die Erschließung in diesem Bereich zu gewährleisten. Wenn die Unterschriften vorgelegt würden, werde die Verwaltung das Bürgerbegehren nicht nur auf formale Korrektheit, sondern auch auf seine Rechtmäßigkeit hin prüfen. Am Ende entscheide darüber der Gemeinderat, so der Bürgermeister.

Auch in der Sitzung am heutigen Dienstag wird sich das Gremium mit dem Thema befassen. Bürgermeister Bemmerl will den Gemeinderäten eine andere Idee unterbreiten, um die Situation an der Knappenseestraße zu entschärfen. „Dort, wo asphaltiert ist“, lautet einer seiner Vorschläge, „könnten Randstreifen für Radler und Fußgänger angebracht werden“. Das würde bereits für mehr Sicherheit auf dem Weg zum See sorgen, ist er überzeugt.

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