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Konzert

Rocksänger trifft Klassik-Orchester

Der Neunburger Kunstherbst bekam ein neues Glanzlicht. Die Rock-Klassik-Gala war ein Meisterstück der Zusammenarbeit.
Von Ralf Gohlke

Zwei, die sich in ihrer Begeisterung für die Musik bestens ergänzten: Dirigent Hans Richter (l.) und Sänger Markus Engelstaedter (r.) fügten ihre beiden Klangkörper, die Smetana-Philharmoniker Prag und die Engelstaedter Band, zu einem harmonischen Ganzen zusammen. Foto: Ralf Gohlke
Zwei, die sich in ihrer Begeisterung für die Musik bestens ergänzten: Dirigent Hans Richter (l.) und Sänger Markus Engelstaedter (r.) fügten ihre beiden Klangkörper, die Smetana-Philharmoniker Prag und die Engelstaedter Band, zu einem harmonischen Ganzen zusammen. Foto: Ralf Gohlke

Neunburg.Der Kunstverein Unverdorben ist immer gern bereit auch neue Wege zu beschreiten. Das galt heuer in besonderem Maß für den Höhepunkt des Neunburger Kunstherbstes, der bislang ausschließlich auf einem Gala-Konzert mit klassischer Musik basierte. Warum sollte nicht auch in der Pfalzgrafenstadt funktionieren, was andernorts schon mit großem Erfolg praktiziert wurde, die Zusammenführung von klassischer Musik mit modernem Rock. Der Verein hatte zwei Vertreter beider Genres im Blick, die sowohl über einschlägige Erfahrungen verfügen und einen hervorragenden Namen bei ihrem eigenen Stammpublikum besitzen. Die Smetana Philharmoniker Prag, mit ihrem Dirigenten Hans Richter und der Sänger Markus Engelstaedter, mit seiner Band, erwiesen sich als offen für das Projekt des Kunstvereins.

Phantastisches Orchester

Der gebürtige Neunburger und Chefdirigent des Smetana Philharmoniker Prag passte sich auch mit dem Programm für sein Orchester an die große Herausforderung von „Rock trifft Klassik“ an. Foto: Ralf Gohlke
Der gebürtige Neunburger und Chefdirigent des Smetana Philharmoniker Prag passte sich auch mit dem Programm für sein Orchester an die große Herausforderung von „Rock trifft Klassik“ an. Foto: Ralf Gohlke

„Wir hören heute unterschiedliche Musiker, die sich aber in hervorragender Weise ergänzen“, stellte Peter Wunder, Vorsitzender des Kunstvereins, bei seinem Willkommensgruß an das Publikum in der ausverkauften Schwarzachtalhalle besonders heraus. Einen Dank richtete er an Stadtrat Martin Scharf, der die Verbindungen hergestellt hatte.

Dass dieser Konzertabend aus dem bisherigen Rahmen herausfallen würde, kennzeichneten zwei Dinge. Das war zum einen der Bühnenaufbau mit Tonanlage und den, ansonsten bei Klassikkonzerten eher ungewohnten Mikrofonen in den Reihen der Philharmoniker. Das Zweite war ein völlig neues Konzept für die Lichtshow, die sich diesmal nicht nur auf die Bühne beschränkte, sondern sich bis in den Zuschauerraum erstreckte.

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Das Entrée gestaltete sich klassisch mit dem Lachischen Tanz Nr. 3 von Leos Janácek. Für seinen Bühnenauftakt wählte Markus Engelstaedter „Hello“ von Adele, der ihm bereits einen ersten Szenenapplaus bescherte.

Der Sänger übernahm auch die Moderation durch den Abend, verwies darauf, dass die Planungen für dieses Konzert über eineinhalb Jahre in Anspruch genommen hätten und lobte die Zusammenarbeit mit „diesem fantastischen Orchester“. Letztendlich, so war er sicher, gehörten Klassik und Pop durchaus zusammen. „Es ist doch alles, was wir wollen, einfach Musik“, betonte er und leitete damit über zu seinem Titel, den er als Kind schon in der Küche seiner Mutter gehört habe.

Den Musikern von Orchester und Band war selten so viel an Spielfreude anzumerken, wie an diesem besonderen Konzertabend. Foto: Ralf Gohlke
Den Musikern von Orchester und Band war selten so viel an Spielfreude anzumerken, wie an diesem besonderen Konzertabend. Foto: Ralf Gohlke

Es handelte sich dabei um „Penny Lane“ von den Beatles. Dem schloss sich „The Power of the Heart“ von Lou Reed an, bevor das Orchester allein sich „Viktors Tale“ von John Williams und Lachischer Tanz Nr. 5 von Leos Janácek widmete. Das Publikum zum Mitsingen animierte Engelstaedter im Anschluss bei „I don’t like Mondays“ von Bob Geldof. „Under Pressure“ von Queen und „Life on Mars“ von David Bowie rundeten den ersten Teil ab.

Stehende Ovationen

Der charismatische Sänger mit der Ausnahmestimme verstand es einmal mehr, dass Publikum in der Schwarzachtalhalle mitzureißen.  Foto: Ralf Gohlke
Der charismatische Sänger mit der Ausnahmestimme verstand es einmal mehr, dass Publikum in der Schwarzachtalhalle mitzureißen. Foto: Ralf Gohlke

Mit „Writing’s on the Wall“ von Sam Smith und Paul McCartneys „Live an let die“ meldeten sich der Sänger, Band und Orchester nach der Pause eindrucksvoll zurück. Was folgte, gehörte zu den besonders herausragenden Stellen des Konzerts. Jan Brabec, Solo-Klarinettist der Prager Philharmoniker, bekam Szenenapplaus bei seiner Interpretation des „Concerto of Clarinet“ von Artie Shaw.

In die stimmlichen Höhenlagen von Prinz begab sich Markus Engelstaedter dann nahezu mühelos mit „Kiss“. Das war der einzige Titel, den die Band, bestehend aus Andreas Blüml (Gitarre), Jan Miserre (Keyboard), Christoph Huber (Drums) und Sven Faller (Bass), ohne Orchester performte. Die Queentitel „Who wants to live forever“ und „Bohemian Rhapsody“ durften an diesem Abend natürlich nicht fehlen. Bei Letzterem wurden sogar die hallentauglichen Handys, stellvertretend für die stimmungshebenden Feuerzeuge, „entzündet“. „Every little thing she does is magic“ von Police beendete schließlich das offizielle Programm.

Neu war bei einer Konzertgala dieser Qualität, das Handys statt Feuerzeugen als Stimmungsbarometer gezückt wurden. Foto: Ralf Gohlke
Neu war bei einer Konzertgala dieser Qualität, das Handys statt Feuerzeugen als Stimmungsbarometer gezückt wurden. Foto: Ralf Gohlke

Nach dem ersten großen Applaus dirigierte Hans Richter den „Slavischen Tanz“ von Antonin Dvorak und gemeinsam ließen Band, Orchester und Sänger den „Purple Rain“ von Prinz auf das Publikum regnen. Das hielt es nun endgültig nicht mehr auf den Stühlen. Minutenlang hielt der Beifall bei stehender Ovation an. Das inspirierte Markus Engelstaedter, bei einem kurzen Schlusswort und Worten des Dankes an die Veranstalter und die ausgezeichnete Technik, eine mögliche Neuauflage anzukündigen.

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