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Region Schwandorf
Mittwoch, 20. Juni 2018 28° 3

Sicherheit

Rohölpipeline ans Licht geholt

Die MERO nutzt die Bauarbeiten an der B22 zur Überprüfung und Erneuerung der Isolierung an der Ölleitung.
Von Ralf Gohlke

Mit der gebotenen Vorsicht wurde zunächst das Betonrohr halbiert und abgehoben. Beim Entfernen der Bentonit-Schicht galt es, das Rohr mit der Steuerleitung und den elektrischen Korrosionsschutz zu sichern. Foto: R. Gohlke
Mit der gebotenen Vorsicht wurde zunächst das Betonrohr halbiert und abgehoben. Beim Entfernen der Bentonit-Schicht galt es, das Rohr mit der Steuerleitung und den elektrischen Korrosionsschutz zu sichern. Foto: R. Gohlke

Oberviechtach. Mittlerweile von der Öffentlichkeit völlig unbemerkt fließen unterirdisch jährlich rund 4,58 Millionen Kubikmeter Rohöl von Vohburg an der Donau in das tschechische Rohöltanklager in Nelahozeves in der Nähe von Prag. Möglich macht dies die Pipeline, die Mitte der 90er Jahre gebaut wurde und seither störungsfrei ihren Zweck erfüllt. Erst kürzlich waren die Feuerwehren im Abschnitt zwischen Neunburg und Schönsee wieder an einer der im Zweijahresrhythmus stattfindenden Katastrophenschutzübungen beteiligt.

Jetzt macht die MERO durch eine Baustelle im Rahmen der Sanierung der Bundesstraße 22 von sich reden. Grund dafür ist die Beseitigung eines Schadens an der Primärschutzhülle des Stahlrohrs, der bereits beim Bau entstanden war.

Kunststoffhaut wurde verletzt

„Um die Leitung unter der Bundesstraße verlegen zu können, wurden seinerzeit Betonrohre hindurch gepresst“, erläuterte Helmut Felser, Technischer Direktor der MERO, an der Baustelle vor Ort. Durch diese Betonrohre sei im Anschluss die Pipeline durchgezogen worden. Dazu wurden sogenannte Abstandshalter eingesetzt, welche die Leitung in einer optimalen Position zu dem Betonrohr gehalten haben.

Helmut Felser zeigt einen der Abstandhalter, mit deren Hilfe die Pipeline in das Betonrohr geschoben worden war. Foto: ggo
Helmut Felser zeigt einen der Abstandhalter, mit deren Hilfe die Pipeline in das Betonrohr geschoben worden war. Foto: ggo

Der Hohlraum zwischen Pipeline und Betonschutzrohr wrude dann mit Bentonit verpresst. „Schon dadurch wäre die Pipeline in dem Bereich dreifach gegen Korrosionen geschützt gewesen“, ergänzte Felser. Leider sei aber beim Durchziehen des Leitungsrohres die sogenannte Primärschutzschicht aus Polyethylen leicht beschädigt worden.

Fast schon „chirurgisch“ mussten die Arbeiten erfolgen, um die Primärschutzhülle nicht zu beschädigen. Foto: ggo
Fast schon „chirurgisch“ mussten die Arbeiten erfolgen, um die Primärschutzhülle nicht zu beschädigen. Foto: ggo

Weder die gesetzlichen Anforderungen noch der Stand der Technik hätten es jedoch erforderlich gemacht, diese Verletzungen der Umhüllung zu reparieren. Da aber die Straße ohnehin saniert werde, sei dies eine sehr gute Möglichkeit, diese Fehlstellen zu prüfen, ob auch tatsächlich die beiden anderen Schutzmechanismen ausreichend gewesen seien und natürlich auch, um den dritten primären Schutz wieder zu vervollständigen. „Im Grund genommen ist es nur eine Kontrolle, dass alles in Ordnung ist“, so Felser.

Betonrohr komplett aufgesägt

Nachdem das Betonrohr freigelegt worden ist, musste dieses mit einer Betonsäge auf der gesamten Länge aufgeschnitten werden. Im Anschluss wurden die einzelnen Rohrsegmente abgenommen. Beim Entfernen der Bentonit-Schicht, musste nicht nur auf die Steuerleitung, sondern auch auf das Kabel für den „Kathodischen Korrosionsschutz“ besondere Rücksicht genommen werden. Ebenfalls entfernt, weil nun nicht mehr benötigt, wurden die Abstandshalter.

Ohne den Primärschutz zu verletzen, galt es dass Bentonit- Füllmaterial zu lösen.
Ohne den Primärschutz zu verletzen, galt es dass Bentonit- Füllmaterial zu lösen.

„Der kathodische Korrosionsschutz ist ein elektrochemisches Schutzverfahren, bei dem über einen Elektrolyt, in dem Fall der Erdboden und Wasser, ein elektrischer Gleichstrom auf das zu schützende Pipelinerohr fließt und dadurch Korrosion verhindert“, erklärte Helmut Felser. Aus dem Grund habe auch zu keiner Zeit die Gefahr bestanden, dass das Pipelinerohr Rost ansetzen könne.

Vorsicht war geboten an dem Rohr für die Steuerleitungen und dem Kabel für den Korrosionsschutz. Foto: ggo
Vorsicht war geboten an dem Rohr für die Steuerleitungen und dem Kabel für den Korrosionsschutz. Foto: ggo

Die gleiche Wirkung werde dadurch im übrigen auch im Rohrinneren erzielt, das vor Wasseranteilen in der Rohölfracht geschützt werden müsse.

Als etwas schwierig erwies sich noch die Abnahme der unteren Betonrohrhälften, die gesondert freigelegt werden mussten. Aber auch dafür gab es Lösungen.

Das Betonrohr musste in Längsrichtung aufgeschnitten und dann entfernt werden. Foto: ggo
Das Betonrohr musste in Längsrichtung aufgeschnitten und dann entfernt werden. Foto: ggo

Was unter dem zerschnittenen Betonrohr und der islorienden Bentonit-Schicht zutage kam, machte nicht den Eindruck, als wäre das Rohr schon länger als 23 Jahre unter der Erde gelegen. Es wirkte so gut wie neu.

Mit Hilfe eines sogenannten Funkenbesens konnten Spezialisten schließlich die Verletzungen der PE-Umhüllung aufspüren. Sie wurden entsprechend begutachtet und schließlich mit neuem Material repariert. „Der Vorteil ist, dass mit dem neuen Isolationsmaterial die elektrische Leitfähigkeit verbessert werden kann, was eine ganze Menge Energie einsparen wird“, sagte der Experte.

Sobald die Arbeiten abgeschlossen sein werden, erfolgt der Aufbau des Straßenköpers, jetzt allerdings ohne Betonhülle. Dafür werde eine selbstverdichtende Betonmasse eingesetzt, erläuterte Wolfgang Thalmeier, zuständig für die technische Instandhaltung der Trasse. Dies sei erforderlich, weil die Verwendung von stark vibrierenden Verdichtungsmaschinen über der Trasse natürlich keine gute Idee wäre.

Mit der Ausführung des Projeks liegt die MERO voll im geplanten Zeitrahmen. Mit dem Neubau der Straße an dieser Stelle, könne es wie vorgeshen und geplant weitergehen, versprach Helmut Felser.

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