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Kultur

SADTheater brilliert auch singend

In der Komödie „Bunbury“ von Oscar Wilde geht es um hohe moralische Standards. Die Darsteller des SADTheaters singen sogar.
Von Renate Ahrens

Die Lage spitzt sich zu. Beide Frauen scheinen mit demselben Mann verlobt zu sein und gehen mit Gabeln auf Jack los. Foto: Renate Ahrens
Die Lage spitzt sich zu. Beide Frauen scheinen mit demselben Mann verlobt zu sein und gehen mit Gabeln auf Jack los. Foto: Renate Ahrens

SCHWANDORF.Versuchungen sollte man nachgeben – wer weiß, ob sie wiederkommen. Davon sind jedenfalls Jack (Michael Sandner) und Algernon (Dirk Dürholz) in der Komödie „Bunbury oder Ernst sein ist alles“ von Oscar Wilde überzeugt. Durch „Bunburysieren“, also kleine Lebenslügen, halten sie ihr Doppelleben vor der englischen Oberschicht geheim. In pointierten, unterhaltsamen, aber auch zum Nachdenken anregenden Dialogen zeigten die Laienschauspieler des SADTheaters dabei ihr Talent – und gaben sogar Gesangseinlagen.

Verfolgen konnte man sie am Freitag bei der Premiere des neuen Stücks des SADTheaters. Bereits zuvor waren sämtliche vier Vorstellungen komplett ausverkauft. Die Besucher erlebten einen amüsanten und kurzweiligen Abend.

Fiktive Personen an der Seite

In seinem letzten Stück hält Oscar Wilde mit viel schwarzem Humor der Heuchelei der Gesellschaft einen Spiegel vor. Das Stück ist zeitlos, aber das SADTheater siedelt es den 1920er Jahren an. Foto: Ahrens
In seinem letzten Stück hält Oscar Wilde mit viel schwarzem Humor der Heuchelei der Gesellschaft einen Spiegel vor. Das Stück ist zeitlos, aber das SADTheater siedelt es den 1920er Jahren an. Foto: Ahrens

Gleich beide Hauptpersonen, Jack und Algernon, haben eine fiktive Person an ihrer Seite, um den strengen Moralvorschriften der Gesellschaft zu entfliehen. Algernon, der Aristokrat aus der Stadt, erfindet einen kränklichen Freund mit dem Namen Bunbury, den er immer wieder unverhofft besuchen muss, wenn sich zum Beispiel Besuch ankündigt. „Mehr als einmal in der Woche sollte man sich nicht mit der Verwandtschaft an den Tisch setzen“, stellt er fest.

Mehr Impressionen von der Premiere sehen Sie hier:

Das SADTheater spielt Bunbury

Jack dagegen erfindet einen „nützlichen Bruder“ namens Ernst. Dieses Spiel geht so lange gut, bis die Herren sich verlieben – in Gwendolen (Christina Kostka) und Cecily (Julia Wagner), die beide ausgerechnet unbedingt einen Mann namens Ernst wollen. Etwas „absolut Vertrauenerweckendes“ stecke in dem Namen Ernst, so ist Gwendolen überzeugt – es sei einfach ein „göttlicher Name“. Jack hält sie für Ernst – der Name Jack sei dagegen bestimmt von schlichtem Gemüt, er habe keinen Zauber. „Der einzig wirklich sichere Name ist Ernst. Mir tut jede Frau leid, die keinen Ernst hat.“ Einen anderen Mann könne man achten, auch ehren, aber nicht lieben, sagt sie – und die amüsanten Verstrickungen nehmen ihren Lauf.

Die Darsteller werden gefordert und gefördert. In „Bunbury“ waren die Gesangseinlagen die Herausforderung, die alle mit Bravour meisterten. Foto: Ahrens
Die Darsteller werden gefordert und gefördert. In „Bunbury“ waren die Gesangseinlagen die Herausforderung, die alle mit Bravour meisterten. Foto: Ahrens

Die besonderen Herausforderung waren die Gesangseinlagen, für die die Laienschauspieler Unterricht bei dem Pianisten Eberhard Geyer genommen hatten. Gassenhauer wie „Kann denn Liebe Sünde sein“ oder „Männer sind alle Verbrecher“ gaben sie eindrucksvoll zum Besten und wurden mit extra Applaus belohnt. Der Umbau erfolgte zudem auf offener Bühne, gekonnt gelöst vom Butler Lane (Karin Mager) und dem Hausmädchen Maid Marian (Linda Sommer).

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Vieles in diesem Stück von Oscar Wilde, so hatte bereits Regisseurin Christina Fink-Rester zuvor erklärt, sei noch genauso aktuell wie bei der Uraufführung vor 120 Jahren. Wilde habe in dieser Satire über die englische Oberschicht gesellschaftliche Konventionen skizziert, in denen man sich durchaus wiederfinden könne. Bunbury jedenfalls, so sagt Lady Augusta Bracknell (Ilona Glück) schnippisch, solle sich endlich entscheiden, ob er leben oder sterben möchte. Jack dagegen zieht es in die Stadt, denn: „In der Stadt amüsiert man sich, auf dem Land amüsiert man die anderen.“

Das SADTheater ist der jüngste Zweig der Konrad Max Kunz-Fördervereinigung Schwandorf und entstand im Jahr 2011. Jedes Jahr bringt es unter der Regie von Christina Fink-Rester ein bis zwei Inszenierungen auf die Bühne. Bunbury ist bereits ausverkauft. Foto: Ahrens
Das SADTheater ist der jüngste Zweig der Konrad Max Kunz-Fördervereinigung Schwandorf und entstand im Jahr 2011. Jedes Jahr bringt es unter der Regie von Christina Fink-Rester ein bis zwei Inszenierungen auf die Bühne. Bunbury ist bereits ausverkauft. Foto: Ahrens

In der rasanten Identifikationskömödie, die die Regisseurin in den 1920er Jahren spielen lässt, bekommt die Idylle schnell Risse, was zu komischen Verwicklungen führt. Auch Cecily (Julia Wagner), eigentlich keines dieser „unnötig romantischen Mädchen“, wie ihre Lehrerin meint, schreibt lieber in ihr Tagebuch als im Unterricht aufzupassen. Schließlich habe sie dann auch immer etwas Aufregendes zu lesen.

Stil ist in jedem Fall wichtig

Die meisten Schauspieler des SADTheaters (Dirk Dürholz, Michael Sandner, Christina Kostka, Julia Wagner, Ilona Glück, Margit Berkmann, Sebastian Wagner, Karin Mager und Linda Sommer) haben langjährige Erfahrung – und viel Spaß. Foto: Ahrens
Die meisten Schauspieler des SADTheaters (Dirk Dürholz, Michael Sandner, Christina Kostka, Julia Wagner, Ilona Glück, Margit Berkmann, Sebastian Wagner, Karin Mager und Linda Sommer) haben langjährige Erfahrung – und viel Spaß. Foto: Ahrens

So manches Schulfach dagegen, das sei schrecklich langweilig. „Ich hasse Deutsch. Diese Sprache steht mir nicht. Ich sehe dabei blass aus“, findet Cecily. Miss Laetitia Prism (Margit Berkmann) treibt sie damit zur Verzweiflung. Schließlich habe sie selbst, so erzählt die Gouvernante stolz, schon einmal einen Roman geschrieben – dieser wurde auch verlegt, nein verloren, ach nein: liegengelassen. Stil, das wäre aber in jedem Fall äußerst wichtig. „Bei wirklich wichtigen Dingen kommt es nicht auf Ehrlichkeit an, sondern auf Stil“, sagt Gwendolen.

Die Ereignisse überstürzen sich. Jack erscheint in Trauerkleidung und mit einer Urne: Ernst sei tot, so verkündet er betrübt. „Das wird ihm hoffentlich eine Lehre sein“, bemerkt Miss Laetitia Prism. Und dann erscheint Dr. Frederick Chasuble, verkörpert von Sebastian Wagner – einer der heimlichen Lieblinge des Publikums. Wagner ist ein geborener Komödiant und man muss über ihn einfach lachen. Wie alle Schauspieler des SADTheaters spielt er mit Herzblut und Hingabe. Bald eilt der Pfarrer wieder zurück in die Kirche, schließlich muss die Predigt vorbereitet werden. Aber das mache nicht viel Arbeit, denn er habe eine Predigt für sämtliche Gelegenheiten, ob Siebenschläfer oder Eisheilige. „Oft ist, was uns ein Schicksalsschlag erscheint, in Wirklichkeit ein Segen“, so tröstet er.

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