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Autohandel

Schrottautos: „Niemand kam zu Schaden“

„Plusminus“ berichtete über den Verkauf von „Schrottautos“. Händler Christian Schmalzbauer wehrt sich.
Von Harald Kuchler

Autohändler Christian Schmalzbauer mit einem der „Wasserschaden“-Citroën

Maxhütte-Haidhof. „Es war alles legal, niemand ist zu Schaden gekommen.“ Autohändler Christian Schmalzbauer aus Maxhütte-Haidhof wundert sich über den Wirbel, den ein Beitrag im ARD-Verbrauchermagazin „Plusminus“ in der vergangenen Woche verursacht hat. Darin beschrieben die Autoren Frank Frenzel und Kristin Hansen, wie über 500 Citroëns, die eigentlich wegen eines Wasserschadens hätten verschrottet werden sollen, über Umwege wieder in den Handel kamen.

Rund 50 davon landeten auch bei Schmalzbauer und seiner Firma Tranutec, der sie an Kunden in ganz Deutschland weiterverkaufte. Eine Käuferin aus Senftenberg in Brandenburg hat Schmalzbauer nun verklagt, weil er ihr die Vorgeschichte des Wagens verschwiegen hatte. „Dabei haben wir der Kundin angeboten, das Auto zurückzunehmen. Die Übergabe ließ die Kundin allerdings platzen.“ Auch 2000 Euro Entschädigung wurden der Frau angeboten. Eine außergerichtliche Einigung scheiterte jedoch bisher.

Mit versteckter Kamera gefilmt

Schmalzbauer stand in der „Plusminus“-Sendung beispielhaft für Händler, die die „Schrottautos“ weiterverkauft haben. Sein Name und die Firma wurden allerdings nicht genannt, nur von einem „freien Händler in der Oberpfalz“ war die Rede, und das Ortsschild von Maxhütte-Haidhof war in dem Beitrag zu sehen. Ein Gespräch mit Schmalzbauer war mit versteckter Kamera aufgezeichnet worden, das Gesicht des Händlers war wegen Verpixelung nicht zu erkennen. „Ich wusste nicht, dass ich gefilmt werde“, sagt Schmalzbauer zur MZ, „das ARD-Team wollte eigentlich später noch einmal zu einem offiziellen Aufnahmetermin kommen.“

Den Fernsehzuschauern präsentierte „Plusminus“ eine wahre Räuberpistole vom internationalen Autoverschiebebahnhof: Im Jahr 2009 setzte sintflutartiger Regen das Gelände eines Citroën-Auslieferungslager in der italienischen Hafenstadt Livorno unter Wasser. Nach Auskunft von Citroën Deutschland trugen dabei 535 Autos einen Wasserschaden davon. Daraufhin ließ der Autobauer nach eigenen Angaben die Wagen verschrotten. Mit der Verschrottung wurde die Autoverwertungsfirma „Careco Rubio“ im französischen Lons beauftragt. Der Redaktion von „Plusminus“ lag ein Schreiben vor, in dem die Firma die Verschrottung von 161 Citroëns bestätigt. Auch das Auto der späteren Käuferin aus Senftenberg wird darin angeführt.

Vom Italien nach Tschechien

Doch, so recherchierten die ARD-Journalisten, das Fahrzeug wurde nicht zerstört, sondern wieder in den Handel gebracht. Die Kundin aus Senftenberg kaufte den Citroën C4 Picasso in Maxhütte-Haidhof. Die Erstzulassung war den Papieren zufolge im Juli 2010.

Drei Wochen nach dem Kauf fuhr sie in eine Fachwerkstatt. Dort wurde ihr mitgeteilt, dass ihr Wagen eigentlich gar nicht mehr existiert. Wie der Werkstattmeister anhand der Fahrzeugnummer ermitteln konnte, galt der Wagen als verschrottet.

Wie die „Schrottautos“ nach Deutschland kamen, erzählte Christian Schmalzbauer den ARD-Rechercheuren. Danach gingen Fahrzeuge von der französischen Verschrottungsfirma direkt zum tschechischen Autohändler „AAS Partner“ in Kosmonosy in der Nähe von Mladá Boleslav. Von diesem kaufte Schmalzbauer rund 50 Wagen.

Nachträglich fühlt sich Schmalzbauer von seinem tschechischen Partner selbst übers Ohr gehauen. „Wir kauften zunächst im November 2009 vier Citroën-Neuwagen aus Sonderbestand in Tschechien, aber ihre wahre Herkunft wurde uns verschwiegen. Der gesamte Datenbestand zu den Autos war noch hinterlegt.“ Nach der Einfuhr nach Deutschland wurden die Fahrzeuge beim TÜV vorgestellt und Zulassungsdokumente beantragt. Es wurden auch bei Citroën Italien Dokumente bestellt, die per Post zugesandt wurden. Im Februar 2011 wurden weitere 40 Fahrzeuge erworben. Die beantragten Zulassungsdokumente wurden ohne Probleme ausgestellt. Die Fahrzeuge verkaufte Tranutec dann als „EU Importfahrzeuge aus einem Sonderbestand ohne Werksgarantie“. Sie erhielten eine Händlergarantie und eine Drei-Jahre-Garantieversicherung eines Spezialversicherers.

Im Juli 2010 gab Citroën Deutschland ein Rundschreiben an die Händler heraus, dass „Wasserschadenfahrzeuge“ im Umlauf sind. In diesem wurde behauptet, dass diese Fahrzeuge verkehrsunsicher sind. Den Citroën-Händlern wurde der Service und Vertrieb der Fahrzeuge untersagt. Das Kraftfahrzeugbundesamt ordnete daraufhin Nachuntersuchungen für diese Fahrzeuge bei Dekra, TÜV oder GTÜ an. Das Ergebnis, laut Schmalzbauer: Kein Wasserschaden erkennbar, die Fahrzeuge sind ohne Mängel und verkehrssicher.

„Schadensquote bei null Prozent“

Tranutec verkaufte seine Restbestände an Citroën von diesem Zeitpunkt an aus rechtlichen Gründen aber nur noch als „Wasserschadenfahrzeuge“.

Für Schmalzbauer ist das Ganze ein Sturm im Wasserglas: „Keines der Fahrzeuge wurde von uns je als Neufahrzeug verkauft, sondern als Sonderbestandsfahrzeuge mit erheblichem Preisvorteil. Und von unseren Käufern hat sich – außer in dem einen Fall – niemand beschwert. Die Schadensquote liegt bei nahezu null Prozent.“

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