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Umwelt

Schutz für Nittenauer Störche gefordert

Der Tod eines Elternstorchs sorgte vor einem Jahr für Erschütterung. Die Stadt will bald einen Lösungsvorschlag unterbreiten.
Von Renate Ahrens

Nach dem Hundeangriff auf einen Storch gibt es bislang noch keine tragfähigen Lösungen, um die Störche vor Ort besser zu schützen. Das soll sich aber bald ändern. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Nach dem Hundeangriff auf einen Storch gibt es bislang noch keine tragfähigen Lösungen, um die Störche vor Ort besser zu schützen. Das soll sich aber bald ändern. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Nittenau.Drei putzmuntere Jungstörche sind seit Mai wieder im Nest auf dem Dach des Haus des Gastes. Die Freude ist groß, denn eine Tragödie hatte vor fast genau einem Jahr eine Welle der Empörung ausgelöst: Ein Elternstorch wurde durch den Angriff eines Hundes auf der „Buign“ so schwer verletzt, dass ihm nicht mehr geholfen werden konnte. Bürgermeister Karl Bley hatte damals in einer Stadtratssitzung das „rücksichtslose und unmögliche Verhalten vieler Hundebesitzer“ gerügt, die die Anleinpflicht in den Naturschutzgebieten ignorieren würden. „Wenn die Schilder nicht interessieren, müssen wir eben eine strikte Anleinpflicht im gesamten Stadtgebiet erlassen“, hatte Bley damals verärgert angekündigt und die Entscheidung darüber vertagt.

Bis heute seien viele Hundebesitzer uneinsichtig, das erlebe der Falkner Gunther Stangl immer wieder. Stangl musste den verletzten Storch damals schweren Herzens von seinem Leiden erlösen. Lange hatte man gebangt, ob der verbleibende Storch – der Vater, wie man inzwischen weiß – die drei hungrigen Jungen alleine aufziehen kann.

Welle der Anteilnahme

Die Jungstörche ducken sich ängstlich, als sie den Fotografen entdecken. Foto: Heiner Poiger
Die Jungstörche ducken sich ängstlich, als sie den Fotografen entdecken. Foto: Heiner Poiger

Der Aufruf an die Bevölkerung, die Jungtiere im Nest über die Webcam zu beobachten, hatte Vogelfreunde zum „Paten“ der Störche werden lassen – viele meldeten an Stangl, ob die Küken gefüttert werden. Doch das war der Fall, und alle konnten das Nest munter verlassen. Der Storchenvater hatte auch heuer in Nittenau überwintert, wie Heiner Poiger, Hausmeister des Haus des Gastes, beobachtete. Täglich, so gegen neun Uhr, flog er zu Gunther Stangl und holte sich dort seine Portion an Futter ab: 20 Eintagsküken, manchmal auch Fisch. „Die Natur gibt nicht mehr so viel her“, seufzt Stangl. Selbst jetzt kommt der Storch noch jeden Tag zu ihm – und bekommt seine Ration, die er dann an seine Küken weitergibt.

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Die riesigen Maisfelder und Monokulturen lassen das Nahrungsangebot immer kleiner werden. Trotzdem ist erfreulicherweise in den vergangenen Jahrzehnten in Bayern die Zahl der Weißstörche stetig gestiegen, wie Oda Wieding, Weißstorchexpertin beim Landesbund für Vogelschutz, zufrieden feststellt. Im Jahr 1980 lag die Zahl der brütenden Paare unter 60, heute gibt es rund 500 Paare. Das Artenhilfsprogramm des Umweltministeriums, das seit 1984 Störche schützte, ist deshalb im vergangenen Jahr ausgelaufen. „Aber natürlich haben wir nach wie vor ein Auge auf die Störche und setzen die Bestandsüberwachung fort“, so die Expertin.

Lesen Sie mehr: Weil einige Hundebesitzer in Nittenau unvernünftig sind, will der Stadtrat nun Konsequenzen ziehen. Doch es gibt Bedenken.

Auch über die Nittenauer Störche weiß sie alles. Jeweils drei Jungen sind hier in den vergangenen drei Jahren flügge geworden. Doch die Partner seien nicht immer dieselben gewesen: „Der Storch führt eine Saisonehe. Wenn allerdings der Sommer erfolgreich war, versucht er, dasselbe Nest wieder anzufliegen und trifft dort eben manchmal wieder auf denselben Partner.“

Im vergangenen Jahr hatte ein freilaufender Hund einen Altstorch so schwer verletzt, dass Falkner Gunther Stangl ihn töten musste. Foto: Ahrens
Im vergangenen Jahr hatte ein freilaufender Hund einen Altstorch so schwer verletzt, dass Falkner Gunther Stangl ihn töten musste. Foto: Ahrens

Immer mehr Störche überwintern in Deutschland, stellt Oda Wieding fest. „Seit in Spanien riesige Müllkippen geschlossen werden, suchen sie sich eben hier Futter.“ Doch auch sie bemängelt, dass es immer weniger Brachflächen gäbe und appelliert an Gartenbesitzer, nicht so viel aufzuräumen und doch mehr natürliche Ecken für Tiere bereitzuhalten – Blumenwiesen statt Rollrasen, Brennnesselhecke statt steriler Steinmauer.

Viele Vogelarten gefährdet

Man müsse auch an andere gefährdete Vogelarten denken, wie den Wiesenpiepser oder das Braunkehlchen. Störche seien schön und müssen geschützt werden, aber er genieße mehr Aufmerksamkeit als manch andere Vögel. „Für einen Storch lässt man schon mal eine Wiese ungemäht, für andere Vögel oft nicht“, sagt die Vogelexpertin.

„Wir brauchen unaufgeräumte Ecken in der Landschaft.“

Oda Wieding, Storchexpertin beim LBV

Sensibler für die Bedürfnisse der Vögel will auch die Stadt Nittenau die Bevölkerung machen und ihren Lebensraum erhalten. Noch in diesem Jahr, so erklärte nun Jakob Rester, Geschäftsführer im Rathaus, wolle man nach Klärung rechtlicher Aspekte über eine generelle Anleinpflicht entscheiden. „Die Umsetzung ist nicht einfach, wir müssen auch das Tierwohl der Hunde beachten. Das Stadtgebiet beträgt 100 Quadratkilometer, wir müssten als Alternative mehrere Hundewiesen mit Auslaufmöglichkeit anbieten.“ Und woher, so fragt Rester, soll man diese Flächen nehmen?

Viele Hundebesitzer ignorieren Schilder

  • Tragödie:

    Vor einem Jahr wurde hier an der Buign der Mutterstorch von einem freilaufenden Hund tödlich verletzt.

  • Webcam:

    Die Jungen beobachtet man auf www.fuenffinger-nittenau.de/webcam/kirchplatz/webcam.html .

  • Verbot:

    Mehrere Schilder weisen auf die Anleinpflicht hin, die in den Naturschutzgebieten bereits besteht.

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