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Wirtschaft

Schwandorf: Azubis werden zur Mangelware

Auf einen Bewerber kommen in der Region durchschnittlich 2,1 Lehrstellen. Die Unternehmen stellt das vor Herausforderungen.
Von Johannes Hartl

Die Zahl der unbesetzten Lehrstellen im Bereich der Agentur für Arbeit Schwandorf nimmt weiter zu. Foto: Marcus Brandt/dpa
Die Zahl der unbesetzten Lehrstellen im Bereich der Agentur für Arbeit Schwandorf nimmt weiter zu. Foto: Marcus Brandt/dpa

Schwandorf.Für alle jungen Menschen, die eine Ausbildungsstelle suchen, sind es gute Nachrichten. Laut Bernhard Lang, dem Geschäftsführer Operativ der Agentur für Arbeit Schwandorf, kommen in seinem Bezirk derzeit durchschnittlich 2,1 Lehrstellen auf einen Bewerber. „Die Lage stellt sich für die Bewerberseite nach wie vor sehr, sehr gut dar“, betonte der Experte bei einem Pressegespräch zum Ausbildungsstellenmarkt. „Die Schere ist noch immer weit offen.“

Insgesamt waren der Arbeitsagentur zum 30. September 4997 Ausbildungsstellen gemeldet. Die Zahl selbst habe sich gegenüber dem Vorjahresmonat minimal auf 0,1 Prozentpunkt erhöht, bewege sich damit jedoch „etwa auf dem gleichen Niveau“, so Lang. Es handle sich um eine ziemlich stabile Größe. Diesem Stellenangebot stehen aber lediglich 2424 Bewerbern gegenüber – ein Rückgang um 8,5 Prozent, verglichen mit dem September 2018. Damals waren es immerhin noch 2650 Bewerber, die auf 4991 gemeldete Stellen kamen.

Der Agenturbezirk

  • Arbeitsagentur:

    Neben dem Landkreis Schwandorf gehören zu ihrem Bezirk auch der Landkreis Cham, der Landkreis Amberg-Sulzbach sowie die kreisfreie Stadt Amberg.

  • Stellen und Bewerber:

    In Amberg und in Amberg-Sulzbach waren im September 2019 1535 Stellen bei 865 Bewerbern gemeldet (2018: 1443 bei 945), während es in Landkreis Cham 1754 Stellen bei 873 Bewerbern waren (2018: 1817 bei 905).

Bricht man diese Zahlen auf den Landkreis Schwandorf herunter, dann gab es zum September 2019 1708 Ausbildungsstellen. Auf dieses satte Angebot entfielen allerdings nur 722 Bewerber – das heißt, auf 2,4 Stellen kommt je ein Bewerber. Wie aus der Statistik hervorgeht, sind 338 dieser Stellen im Landkreis unbesetzt; im gesamten Agenturbezirk liegt die Zahl bei 796.

Trend zur höheren Schulbildung

Doch was für Bewerber eine gute Nachricht ist – insgesamt sind nämlich nur zehn von ihnen unversorgt –, hat freilich eine unerfreuliche Kehrseite. „Für die Betriebe macht es das deutlich schwieriger, den Fachkräftebedarf zu decken“, erklärte Lang das Grundproblem. Vor allem zwei Gründe erkennt der Experte, die diese Diskrepanz erklären: Einerseits sei das eine Folge der demografischen Entwicklung. Weil weniger junge Menschen für eine Ausbildung zur Verfügung stehen, werde der Pool derer automatisch enger, der sich auf eine ausgeschriebene Stelle bewirbt. Andererseits erkennt Lang einen „Trend zur höheren Schulbildung“, dass also immer mehr junge Menschen Abitur machen und studieren.

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Als Folge bleiben weniger junge Menschen übrig, die sich dann als Fachkräfte bewerben. Wie Ralf Kohl von der IHK Regensburg und Hans Schmidt von der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz erklärten, zeigen die Unternehmen deshalb immer größere Eigeninitiative, um so Bewerber für sich zu interessieren. Mit einem breiten Maßnahmenpaket rühren die beiden Kammern inzwischen die Werbetrommeln für ihre jeweiligen Branchen. „Man muss cool, innovativ und toll rüberkommen“, unterstrich der stellvertretende Hauptgeschäftsführer Schmidt. „Das Marketing ist entscheidend.“

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Auch die Arbeitsagentur bleibt da nicht untätig. Ihr Engagement reicht von Berufsorientierungsmaßnahmen in den Schulen über Beratungen bis zur praktischen Unterstützung in der Ausbildung, etwa mit Nachhilfe oder sozialpädagogischen Hilfen, wenn junge Menschen in einer Krise stecken und sich das auf die Ausbildung auswirkt. Dabei zielen die Informationen nicht zuletzt auf Eltern und Lehrkräfte, die für Schüler noch immer die wichtigsten Ratgeber sind, teils aber veraltete Vorstellungen von den Berufen hätten. „Das Ziel ist es, den richtigen Beruf für die Schüler zu finden“, erklärte Lang.

Gute Noten bleiben wichtig

Dass es angesichts dieser Situation für Bewerber mit mäßigen oder schlechteren Leistungen ein Kinderspiel wäre, einen Ausbildungsplatz zu finden, ist laut Arbeitsagentur jedoch ein klarer Trugschluss. „Die Anforderungen nehmen eher zu“, betonte Bernhard Lang und verwies auf das hohe technische Niveau, das heute vielfach in den Berufen gefordert wird. „Das heißt, wenn man seinen Wunschberuf möchte, dann sind weiterhin gute schulische Leistungen erforderlich.“

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