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Region Schwandorf
Samstag, 24. Februar 2018 1

Landwirtschaft

Schwandorf beugt gegen Schweinepest vor

Hygiene und stärkere Bejagung sollen die Tierseuche aufhalten. Im Falle des Falles hilft nur noch die Versicherung.
Von Hubert Heinzl

Die Afrikanische Schweinepest ist auf dem Vormarsch. Foto: Paul Zinken/dpa

Schwandorf.Seit im Juni des vergangenen Jahres die ersten Fälle der Afrikanischen Schweinepest (ASP) bei Wildschweinen in Tschechien aufgetreten sind, mehren sich bei den Schweinehaltern im Landkreis die Sorgen. 80 Ferkelerzeuger mit knapp 5200 Zuchtsauen gab es zuletzt, dazu 187 Mastbetriebe mit 19 000 Tieren. In der Oberpfalz ist der Landkreis so etwas wie die Hochburg der Schweinezucht.

Doch laut Josef Wittmann, dem Kreisgeschäftsführer des Bayerischen Bauernverbands, knabbern viele Betriebe noch immer am Verfall der Marktpreise, der sich erst in den vergangenen Jahren normalisiert hat. Viele hören auf. „Alle zehn Jahre halbiert sich die Zahl der Betriebe“, schätzt Georg Leitermann, Leiter des Fachzentrums für Schweinezucht und -haltung am Landwirtschaftsamt in Schwandorf. Und jetzt scheint auch noch die Schweinepest auf dem Vormarsch. Laut Experten ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis die ersten Fälle auch in der Region auftauchen. Denn das Virus kann theoretisch auch durch eine Wurstsemmel verbreitet werden, die ein rumänischer Fernfahrer auf dem Weg in den Westen irgendwo ins Gebüsch geworfen hat. Was also tun?

Plakate an den Raststätten

Schon im Herbst des vergangenen Jahres hat die Regierung der Oberpfalz zusammen mit dem Bayerischen Bauernverband eine Informationskampagne angestoßen, die sich vor allem an Landwirte, aber auch an alle Verbraucher richtet. Die sollen beispielsweise keine Essensreste an Schweine verfüttern, beim Aufenthalt in der Natur keine Lebensmittel wegwerfen, und dergleichen mehr. An den Raststätten wurden inzwischen sogar Plakate angebracht, die auf die Gefahr hinweisen.

Informationen für Jäger

  • Melden:

    Jäger, rät das Landratsamt Schwandorf in einer Pressemitteilung, „sollen alle krank erlegten oder verendeten Wildschweine, auch schon stark in Verwesung übergegangene Tierkörper, dem Veterinäramt melden, damit eine Untersuchung erfolgen kann. In der Regel sprechen kranke Tiere unüblich an, was einen Verdacht begründen kann“. Für nähere Auskünfte steht das Veterinäramt unter der Telefonnummer (0 94 31) 47 12 36 zur Verfügung.

  • Beprobung:

    Pro Jahr untersucht das Veterinäramt Schwandorf zwischen 60 und 80 Wildschweine serologisch, also anhand von Blutproben, auf Krankheiten. ASP lässt sich auf diesem Weg aber nicht feststellen. (hh)

Die Schweinehalter selbst, empfehlen Bauernverband und Regierung unisono, sollten sich strikt an die Auflagen halten, die in der Schweinehaltungshygieneverordnung aus dem Jahr 2014 festgelegt sind. Darin ist unter anderem festgelegt, dass der Kontakt zwischen Haus- und Wildschweinen strikt zu vermeiden ist, Schweinefutter für Wildschweine unzugänglich aufbewahrt werden muss, es geht um Desinfektionsmöglichkeiten und den Transport.

„Ohne Versicherung schauen Betriebe mit dem Ofenrohr ins Gebirge.“

Josef Wittmann, BBV

Und natürlich hat „alles, was mit der Jagd zu tun hat (...), im Schweinestall nichts zu suchen“, wie das Landratsamt schon im Spätsommer 2017 in einer Pressemitteilung betonte. Für Auslauf- oder Freilandhaltung gelten noch einmal besonders rigide Bestimmungen. „Aber nicht für alles gibt es Vorschriften“, wie BBV-Geschäftsführer Wittmann sagt. Die Frage, ob auch Ställe umzäunt werden sollten, werde zurzeit heiß diskutiert, denn natürlich sei das mit zusätzlichen Kosten verbunden.

Johann Wittmann, Kreisgeschäftsführer des Bayerischen Bauernverbands Foto: sri

Den größten Effekt erhofft sich der Bauernverband von einer Reduzierung des Wildschweinbestands. Hier hat der Freistaat immerhin signalisiert, dass es eine Abschussprämie von 20 Euro pro erlegtem Wildschwein geben soll – für Wittmann immerhin eine gewisse Aufwandsentschädigung. Denn auf dem Wildbretmarkt sei Schwarzwild zurzeit nicht gerade gefragt. Noch aber sei diese Absichtserklärung nicht umgesetzt. Mehr verspricht sich der BBV-Mann von dem Einsatz sogenannter Nachtsichtvorsatzgeräte, wie sie vor einiger Zeit bei einem Pilotversuch im Raum Nittenau eingesetzt wurden. Angesichts der Bedrohung durch ASP, sagt Wittmann, sollten sich die Jäger an die Untere Jagdbehörde am Landratsamt wenden.

„Nur in Extremsituationen“

Die Behörde hält sich mit Ausnahmegenehmigungen bisher zurück. Bis Ende 2017, so Sprecher Hans Prechtl, seien keine Anträge eingegangen, die erfolgversprechend gewesen wären. Denn eine Genehmigung sei „nur in Extremsituationen“ möglich, „etwa aufgrund der Zahl der vorhandenen Wildschweine, weil alle anderen Maßnahmen der Bejagung ausgeschöpft sind oder weil die Wildschweine erheblich mehr Schäden als üblich anrichten“. Über einige neue Anträge in jüngster Zeit sei noch nicht entschieden, so Prechtl. Eine großzügige Genehmigung wegen der Gefährdung durch ASP stellt er aber ausdrücklich nicht in Aussicht, zumal derzeit „noch kein Ausbruch zu verzeichnen“ sei.

Lesen Sie auch den Kommentar von MZ-Redakteurin Marianne Sperb zum Thema:

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Wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist, ist es nach Ansicht der Landwirte aber schon zu spät. Experte Leitermann prophezeit für eine solche Entwicklung einen Preisverfall auf breiter Front. Wie er empfiehlt auch Josef Wittmann, rechtzeitig eine Ausfallversicherung abzuschließen. Der BBV-Sprecher: „Wenn Tiere gekeult werden, zahlt die Tierseuchenkasse. Doch Betriebe im Sperr- oder Beobachtungsbezirk, die nicht direkt betroffen sind, schauen ohne Versicherung mit dem Ofenrohr ins Gebirge.“

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