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Bahn

Schwandorf kommt nicht zum Zug

26 Bahnhöfe in Bayern sollen barrierefrei ausgebaut werden. Der Knotenpunkt Schwandorf wartet weiterhin vergeblich auf die nötigen Aufzüge.
von Micha Matthes

Frühestens 2018 kann Schwandorf auf einen barrierefreien Ausbau des Bahnhofs hoffen. Foto: mt

Schwandorf. 6,5 Milliarden Euro pumpt die Deutsche Bahn in das Raumschiff Stuttgart 21, während Schwandorf immer noch am Wagenrad kränkelt. Der Zugang zu den Bahnsteigen bleibt eine Hürde für Behinderte. Und daran wird sich voraussichtlich auch so schnell nichts ändern. Zusammen mit der DB-AG hat das Bayerische Kabinett am Dienstag den barrierefreien Ausbau von 26 Bahnhöfen in Bayern beschlossen. Der Knotenbahnhof Schwandorf befindet sich nicht darunter, obwohl im Programm auch Bahnhöfe enthalten sind, die deutlich weniger Fahrgäste als Schwandorf aufweisen. In der Oberpfalz wird allein Maxhütte-Haidhof umgebaut. Neben Schwandorf stehen auch Amberg und Weiden weiterhin auf der Warteliste, obwohl Bürger und Politiker immer wieder auf einen barrierefreien Ausbau drängen. So auch der SPD-Landtagsabgeordnete Franz Schindler.

„Metropolregionen bevorzugt“

Mit dem 60-Millionen-Programm sollen 13 Bahnhöfe und 13 S-Bahn-Stationen umgebaut werden. „Die Metropolregionen München und Nürnberg werden überproportional bevorzugt und der ländliche Raum benachteiligt“, findet Schindler. „Dass in der Oberpfalz nur eine einzige Maßnahme, nämlich der Bahnhof Maxhütte-Haidhof, vorgesehen sei, könne nicht akzeptiert werden und komme einer Abstrafung der Oberpfalz gleich.“

Klaus Schmidbauer aus Schwandorf ist Rollstuhlfahrer und seit 30 Jahren nicht mehr Bahn gefahren. „Ich bin nie am Bahnhof, weil der überhaupt nicht rollstuhlgerecht ist.“ Derzeit sei es viel zu umständlich, zu den Zügen zu gelangen. „Man braucht immer erst einen Zugbegleiter, der einen über die Gleise bringt.“ Voraussetzung für den Mobilitätsservice der Bahn ist die Voranmeldung der Fahrt bis 20 Uhr des Vortags – Kurzentschlossene haben das Nachsehen. Ein Treppenlift wäre keine so gute Variante, weil dieser sehr langsam fährt – „da würde man ebenfalls lange brauchen, bis man im Zug sitzt.“ Schindler sieht in Schwandorf die Notwendigkeit für drei Aufzüge, außerdem müssten die Bahnsteige erhöht und Gebäudezugänge angepasst werden.

Die Kriterien bleiben diffus

Auch für die Stadt ist der barrierefreie Bahnhof ein „förderliches Projekt“. Ende Januar setzte sich Bürgermeisterin Ulrike Roidl mit Vertretern der Bahn an einen Tisch. Heraus kam, dass die Bahn nur dort umgestalten will, wo sie ohnehin Investitionen tätigt. Der Bahnhof Schwandorf sei für die Bahn in einem zu guten baulichen Zustand, erklärt Lothar Mulzer, Pressesprecher der Stadt. Für Roidl bleibt auch nach dem Gespräch „nicht nachvollziehbar, warum Schwandorf da nicht zum Zug kommt.“

Laut Bahn muss für den Ausbau die Reisendenzahl mindesten 1000 Fahrgäste übersteigen – nach Schindlers Schätzung steigen in Schwandorf täglich ungefähr 5000 Gäste um. Außerdem spielt für die Bahn die Gewichtung des Bahnhofs für die Regionen eine Rolle – als Knotenbahnof müsste Schwandorf auch dieses Kriterium erfüllen. Bleibt nur der dritte Punkt: Die Frage ob andere Baumaßnahmen geplant sind. In Maxhütte ist das der Fall. Weil dort ohnehin eine neue Unterführung gebaut werden musste, legte die Bahn den Aufzug obendrauf. „Es gibt Prioritäten, die für oder gegen einen Bahnhof sprechen, wir investieren zielgerichtet“, sagt ein Bahnsprecher. Franz Schindler ist das zu diffus, er sieht „für die Bahnhöfe in ländlichen Regionen kein System. Stärker frequentierte Bahnhöfe werden nicht bevorzugt. Dafür stehen winzig kleine auf der Prioritätenliste ganz oben.“ Der Landtagsabgeordnete hat sich daher mit einer Anfrage an die Staatsregierung gewandt. Egal, wie die Antwort ausfällt, die Bahn arbeitet mit Fünfjahresplänen. Daher wird der Zug in Schwandorf wohl frühestens 2018 ins Rollen kommen.

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