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Region Schwandorf
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Kriminalität

Schwandorfer bunkerte Waffen im Garten

Ermittler nahmen im nördlichen Landkreis einen Mann fest, der Munition und Schusswaffen im Darknet gekauft hatte.
Von Philipp Seitz

Ein Mann zeigt im Darknet auf eine Internetseite eines Online-Shops, der Maschinenpistolen verkauft. Symbolfoto: Silas Stein/dpa
Ein Mann zeigt im Darknet auf eine Internetseite eines Online-Shops, der Maschinenpistolen verkauft. Symbolfoto: Silas Stein/dpa

Schwandorf.Es war ein spektakulärer Einsatz im nördlichen Landkreis Schwandorf: Ein 54-jähriger Mann soll illegal mehrere Schusswaffen und etwa 300 Stück Patronenmunition im Internet gekauft haben. Nun kamen die Ermittler dem Mann auf die Schliche und durchsuchten am Dienstag das Wohnhaus des Verdächtigen. Der Waffensammler wurde zunächst vorläufig festgenommen, teilten die Zentralstelle Cybercrime Bayern und das Zollfahndungsamt Frankfurt am Main in einer Presseerklärung mit.

Die Fahnder waren dem 54-Jährigen bei Ermittlungen gegen einen mutmaßlichen Waffenhändler auf die Spur gekommen. Dieser hatte die Gegenstände im sogenannten Darknet verkauft. Beim Darknet handelt es sich um einen verborgenen Teil des Internets, welcher unter anderem auch illegale Geschäfte ermöglicht. Auch der 18-jährige David S., der in München bei einem Amoklauf neun Menschen erschossen und fünf weitere verletzt hatte, bahnte seine Waffenkäufe über das Darknet an.

Keine absolute Anonymität

Im Schwandorfer Fall klickten bei dem Darknet-Waffenhändler laut der Zentralstelle Cybercrime ebenfalls die Handschellen. Er hätte die Waffen nicht an den Mann aus dem Landkreis Schwandorf verkaufen dürfen. Der Leiter der Zentralstelle Cybercrime Bayern in Bamberg, Lukas Knorr, sagte unserem Medienhaus: „Der 54-jährige Mann aus dem Bereich Schwandorf hatte keinen Waffenschein. Diese Waffen hätte er sich so nicht legal in Deutschland besorgen können.“

Ein 54-jähriger Mann aus dem nördlichen Landkreis Schwandorf versteckte Waffen und Munition in seinem Garten. Foto: Zollfahndungsamt
Ein 54-jähriger Mann aus dem nördlichen Landkreis Schwandorf versteckte Waffen und Munition in seinem Garten. Foto: Zollfahndungsamt

Die Ermittlungen im Schwandorfer Fall werteten die Zentralstelle Cybercrime und das Zollfahndungsamt als Erfolg gegen den Waffenhandel im Darknet. Der Schwandorfer Fall zeige, dass es auch im Darknet keine absolute Anonymität gebe.

Der 54-jährige Waffenkäufer aus dem Raum Schwandorf sei bislang strafrechtlich nicht in Erscheinung getreten, teilten die Ermittler mit. Nachdem das Darknet durch den Münchner Amoklauf und dem Urteil gegen den Waffenverkäufer aus Marburg immer mehr im Fokus der Öffentlichkeit gestanden war, habe der Schwandorfer Waffenkäufer Angst bekommen, sagte der Pressesprecher des Zollfahndungsamtes in Frankfurt, Hans-Jürgen Schmidt. Der Mann entschied, die Schusswaffen und Munition im Garten seines Wohnhauses zu vergraben. Gegenüber den Fahndern habe er sich „kooperativ und geständig“ gezeigt und die Ermittler zu dem Versteck geführt.

Die Waffen und Patronen versteckte der Mann im Garten seiner Wohnung. Foto: Zollfahndungsamt
Die Waffen und Patronen versteckte der Mann im Garten seiner Wohnung. Foto: Zollfahndungsamt

Nach der Durchsuchung veröffentlichte Fotos zeigen, dass das Versteck des Schwandorfers von Laub und Baumstämmen verdeckt war. Die Zöllner fanden in dem Erdversteck zwei halbautomatische Pistolen, ein Revolver und etwa 300 Stück Patronenmunition vor. Dem 54-jährigen Waffenkäufer droht nun nach dem Waffengesetz eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren.

Was genau ist das Darknet? Das erklären wir in unserem Video:

Das Darknet: Der anonyme Bereich des Internets

Der Mann aus dem nördlichen Landkreis Schwandorf sei bislang aber strafrechtlich nicht in Erscheinung getreten. Eine Bedrohung sei von ihm nicht ausgegangen, sagte Schmidt. Der 54-Jährige habe sich lediglich für Waffen und deren Technik interessiert. Der Leiter der Zentralstelle Cybercrime, Lukas Knorr, spricht von einer „falsch verstandenen Sammelleidenschaft für Waffen“, die dem Mann nun zum Verhängnis werde. Trotz des erheblichen Tatvorwurfs habe die Generalstaatsanwaltschaft von einem Untersuchungshaftbefehl abgesehen. Der 54-Jährige sei sehr gut in sein soziales Umfeld eingebunden.

Schwierige Spurensuche im Netz

Die Ermittler fanden etwa 300 Stück Patronenmunition. Foto: Zollfahndungsamt
Die Ermittler fanden etwa 300 Stück Patronenmunition. Foto: Zollfahndungsamt

Zum Wohnort des Waffenkäufers und dem Wert der Waffen wollte Knorr keine weiteren Angaben machen. „Wir befinden uns noch in Ermittlungen.“ Für die Zentralstelle Cybercrime Bayern, die bei der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg angesiedelt ist, war es der erste Fall im Schwandorfer Raum. Die Zentralstelle besteht aber erst seit dem Jahr 2015, sagt deren Leiter Knorr. Er und seine Kollegen jagen täglich Verbrecher im Darknet. Als Spezialstaatsanwaltschaft kommen bei den Ermittlern nur besondere Internetverbrechen an. Die tägliche Arbeit sei sehr mühsam: Die Täter würden ihre Identität im Internet verbergen und sich hinter falschen Daten verstecken.

Die gemeinsame Pressemitteilung von Zollfahndungsamt und der Zentralstelle Cybercrime Bayern finden Sie hier:

Die Polizeiinspektion in Schwandorf erhält meist durch Zeugen Informationen, wenn Waffen genutzt werden. Es komme „eher selten“ vor, dass Bürger im Schwandorfer Gebiet über illegale Waffen verfügen, heißt es aus der örtlichen Polizeiinspektion.

Lesen Sie mehr: In seinem Revier nutzt Cybercrime-Staatsanwalt Lukas Knorr die Techniken der Täter. Er weiß, wie schnell man zum Opfer werden kann.

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